Am Donnerstagabend bei der Echo-Verleihung in der ARD, ab Dienstag beim Tauschkonzert von Xavier Naidoo bei Vox: Wolfgang Niedecken ist ein beschäftigter Mann. Dabei steckt der BAP-Sänger mitten in den Vorbereitungen zu einer großen Deutschland-Tournee, die die Band am Freitag, 29. Juli, auch in den Schlosshof nach Eyrichshof führt. Und trotz der Vielzahl an terminlichen Verpflichtungen fand er auch noch Zeit zu einem Interview mit unserer Zeitung.

Am 13. Mai geht's los: "BAP" startet im 40. Jahr des Bestehens zur Jubiläumstour quer durch die Republik. 40 Auftritte stehen bislang fest. So auch am Freitag, 29. Juli, im Rahmen des Schlosshof-Festivals in Eyrichshof. Karten gibt es im Vorverkauf und vergünstigt in den FT-Servicepoints in Ebern und Zeil. Dazu ein Gespräch mit dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied der Kölner Gruppe, Wolfgang Niedecken, der vor wenigen Tagen seinen 65. Geburtstag feierte.

FT: Wie laufen die Vorbereitungen auf die Jubiläumstournee?
Wolfgang Niedecken: Wir scheren auf die Zielgerade ein: Wir sind gerade dabei, die zweite Hälfte des Programms zu proben. Die erste Hälfte steht bereits. Die Songs haben wir schon zur Präsentation der neuen Platte "Lebenslänglich" im Januar gespielt. Und auch am Montag standen wir bei der LEA-Preisverleihung in Frankfurt wieder auf der Bühne. Wir freuen uns unglaublich darauf, dass es bald losgeht. Die Jungs stehen in den Startlöchern und scharren schon mit den Hufen. Wir sind alle schon ganz heiß.

Wie suchst Du die Lieder für so eine Tournee aus?
Damit habe ich eigentlich schon am Ende der letzten Tour im Jahr 2014 angefangen, weil klar war, dass die nächste Tour ein Jubiläumsprogramm haben wird und dazu gehört eine Auswahl der beliebtesten BAP-Lieder. Die Leute, die uns über Jahrzehnte begleitet haben, werden sich darin wiederfinden, aber auch wir wollen uns darin wiederfinden. Durch die vielen Stücke, die wir im Verlauf der Jahrzehnte geschrieben haben, haben wir fast ein Luxusproblem.

Könntest Du "Jupp" für mich ins Programm aufnehmen?
"Jupp" ist schon lange drin!

Und "Verdamp lang her"?
Das kommt natürlich auch dazu, schon weil der Titel als roter Faden betrachtet werden kann.

Ihr seid bekannt für abendfüllende Konzerte, klappt das auch im Alter noch?
Unter drei Stunden geht gar nichts, da lassen wir uns nicht lumpen. Wir haben schon immer und gerne lange gespielt, weil es uns einfach Spaß macht. Ich ertappe mich bei Auftritten immer wieder dabei, dass ich auf den Zettel mit der Programmabfolge schaue und entdecke, dass da schon wieder Zugabe steht. Wenn Du auf der Bühne stehst und spielst, vergeht die Zeit wie im Flug. Da ist ein Abend fast zu kurz.

Nun bist Du mit 65 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Wie bereitest Du Dich auf Konzerte und so eine ausgedehnte Tour vor?
Ich halte mich schon fit. Steige jeden Morgen auf den Heimtrainer und radele eine Stunde lang. Dann kommen noch Übungen für meinen Rücken hinzu, da ich vor knapp zwei Jahren ein Bandscheibenproblem hatte. Während der Tour suchen wir gezielt Hotels mit einem Fitnessraum und am besten auch noch einem Schwimmbad aus. Da ziehe ich dann meine Bahnen. Ich schwimme gerne, und auf Tour klappt das dann sogar leichter als im Alltag, weil die Fahrt in ein Schwimmbad und zurück viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Welche Musik hört sich denn Wolfgang Niedecken an, wenn er selbst keine macht?
Derzeit ist die neue Soloscheibe von Don Henley von den Eagles (Cass County) mein absoluter Favorit. Ich höre mir aber auch andere Kollegen an und besuche regelmäßig Konzerte in Köln und Umgebung, wie etwa Sting und Paul Simon vor einem Jahr. Jetzt habe ich Karten für Neil Young auf der Waldbühne in Berlin geschenkt bekommen. Da freue ich mich schon sehr drauf. Das findet an einem Off-Tag während der Tour statt, und deswegen reise ich extra nach Berlin und nachts wieder zurück. Ich besuche gerne Konzerte, denn das doch ein sinnliches Erlebnisse und besser als Live-Mitschnitte. Egal wie gut die Stereo-Anlage ist. Ein Bild muss man sich doch auch im Original anschauen und nicht als Kopie, wie auch ein Film im Kino aufregender ist als auf der Mattscheibe.

Seit 40 Jahren als Musiker und seit 40 Jahren auch politisch aktiv. Hast Du damit etwas erreicht?
Den Anspruch, die gesamte Welt zu verbessern, habe ich nie erhoben, wohlwissend, dass dies gar nicht geht. Aber ich engagiere mich im Ost-Kongo und Nord-Uganda für ehemalige Soldaten-Kinder, um ihnen eine zweite Chance zu geben. Sie lernen lesen, rechen und machen eine Ausbildung in einem Handwerk. Das ist eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt, dass diese Kids, die viele verloren glaubten, eine zweite Chance bekommen.

Was sagen Dir die Ortsnamen Ebern, Bamberg, Tambach?
Von Ebern weiß ich nichts, nur; dass es auf unserem Tourplan steht und ich noch nie dort gewesen bin. Ich freue mich auf jede neue Steckdose, wo wir in all den vielen Jahren noch nicht gespielt haben. In Bamberg haben wir schon gespielt. Das ist eine sehr schöne, tolle Stadt. Und Tambach? Da waren wir auch schon vor zwei Jahren. Eine tolle Atmosphäre mit diesem schönen, geschlossenen Innenhof des Schlosses. Das Konzert hatte fast einen Familienfest-Charakter. Wenn Schloss Eyrichshof davon nicht weit entfernt ist und ähnliche Rahmenbedingungen aufweist, dann freue ich mich schon jetzt auf unser Konzert - vor hoffentlich vielen BAP-Fans.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Ralf Kestel