Ausgerechnet ein ausrangierter Autoreifen ist es, der Sandra Graser eine schier märchenhafte Kulisse bietet. Mit einem Seil am Baum befestigt, ist die improvisierte Schaukel der perfekte Sitzplatz für eine grandiose Aussicht über die toskanische Landschaft. "Eigentlich nichts Besonderes, aber doch so bezaubernd", bringt sie es auf den Punkt. Sandra Graser und Fabian Langguth aus Eltmann sind moderne Weltenbummler: Auf ihrer Instagram-Seite "yeswe_travel" verfolgen rund 18 000 Menschen ihre Reiseabenteuer. In den vergangenen Wochen durchkreuzte die Corona-Pandemie die Pläne der beiden, doch nun packt das Paar endlich wieder seine Koffer.

Im Winterurlaub sollte es Anfang des Jahres ins norwegische Tromsø gehen, im April nach Südengland. Doch dann kam Corona. "Wir hatten aber noch nichts gebucht gehabt und somit auch keine Kosten, auf denen wir sitzen bleiben", kann Graser der Situation etwas Positives abgewinnen. "Da wir beide ja eine 40-Stunden-Woche haben, haben wir die meiste freie Zeit mit Arbeiten verbracht und unseren Urlaub aufgespart." Das Blättern in Fotoalben half gegen das angestaute Fernweh. Außerdem erfüllten sich die Erzieherin und der Technische Redakteur einen mobilen Traum: einen eigenen Van, den sie vor ihrem Aufbruch selbst umgestalteten.

Bei Einreise nach Frankreich kontrolliert

Seit Anfang Juni sind sie nun wieder unterwegs: Von der Toskana und den heißen Quellen in Saturnia ging es mit dem Van weiter an die Côte d'Azur und anschließend in die Provence mit ihren blühenden Lavendelfeldern in Valensole. Die Grenzübergänge in Österreich und Italien liefen reibungslos. "Bei der Einreise nach Frankreich wurden wir kurz kontrolliert, aber nicht wegen Corona", erzählt das Paar. "Es war nur eine allgemeine Kontrolle. Dann konnten wir ohne Probleme einreisen."

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Die Entscheidung für den Van hatte ökologische Gründe: "Wir möchten gerne weniger fliegen, um die Umwelt nicht so zu belasten. Es bedeutet für uns auch einen gewissen Grad mehr Freiheit. Wir können quasi dahinfahren, wohin wir gerne möchten und auch an einer Stelle bleiben, wenn es uns dort sehr gut gefällt", erklärt Graser. Ihren Toskana-Aufenthalt verlängerten die beiden so spontan um zwei Tage. Nur das Fahren sei aufgrund der Größe des Vans etwas gewöhnungsbedürftig. "Das war manchmal gar nicht so einfach, da die Straßen in Italien ja nicht immer so groß gebaut sind wie in Deutschland."

Ihre Urlaubsstimmung wollen sich die beiden von der Corona-Krise nicht vermiesen lassen. Der Zeitpunkt für ihren Roadtrip habe sich sogar als besonders günstig erweisen, da kaum Touristen unterwegs und Sehenswürdigkeiten sowie Strände kaum besucht sind. "Da wir mit unserem eigenen Camper unterwegs sind, hat man sowieso wenig Kontakt zu anderen Menschen und beim Einkaufen sind es die gleichen Regeln wie in Deutschland", berichten die Eltmanner. Viele Geschäfte, Hotels und Freizeitangebote haben jedoch noch geschlossen.

In Italien mussten sie in Geschäften Mundschutz und Einweghandschuhe tragen und sich jeweils vor und nach dem Einkauf die Hände desinfizieren. "In Frankreich dagegen mussten wir weder einen Mundschutz noch Handschuhe anziehen. Am Eingang der Geschäfte stehen nur Hinweisschilder, was man beachten sollte. Selbst die Verkäufer trugen keinen Mundschutz", wundert sich Graser. "Eventuell war das aber nur in den Regionen, wo wir waren." Urlaubern, die Hotelübernachtungen und Shoppingbummel im Sinn haben, raten sie jedoch davon ab, sich schon auf den Weg zu machen. Dafür sei es noch zu früh.

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Während die Eltmanner sich bereits in Richtung Süden wagen, reagieren Julia Kundmüllers Kunden auf die Grenzöffnungen verhalten. Im Eberner Reisebüro "Touristik und Meer" gebe es aktuell keine einzige Nachfrage nach Aufenthalten in Italien oder Südtirol. "Es ist eben noch im Kopf der Leute als das Land, wo Corona am verheerendsten war", sagt die Reisebüro-Leiterin. "Italien hat einen Dämpfer erlitten." Generell sei die Nachfrage sehr gering. Kundmüller könne die Furcht der Kunden vor einem erneuten Lockdown aber nachvollziehen: "Jeder hat Angst, im Ausland zu sein und dann nicht mehr heimzukommen."

Schuld daran sei auch die Ankündigung von Auslandsminister Heiko Maas, zukünftig keine weiteren Rückholaktionen für Urlauber zu starten. "Das ist traurig, weil es ein falsches Bild auf die Reisebranche wirft", sagt Kundmüller. Tatsächlich seien rund 80 Prozent der Rückreisen von den Veranstaltern selbst abgewickelt worden, nur Individualreisende mussten von der Bundesregierung zurückgeholt werden. "Als Pauschalreisegast hat man eine große Sicherheit und muss keine Angst haben."

Warnung vor deutschen Urlauber-Hotspots

Das Eberner Reisebüro verzeichne aktuell nur einen Bruchteil der sonstigen Neubuchungen, darunter vor allem Inlandsreisen zur Nord- oder Ostsee sowie in die Alpenregion. "In den Sommermonaten kann es dort eng werden", warnt Kundmüller vor einer erhöhten Ansteckungsgefahr. Trotz vermehrter Grenzöffnungen sind erneute Reisebuchungen oftmals von Seiten der Veranstalter noch nicht möglich. "Es gibt einen unheimlich großen Dschungel an Infos", sagt Kundmüller. "Als externer Verbraucher kann man kaum den Überblick behalten, über die Entscheidungen, die Veranstalter treffen."

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Ihre Mitarbeiter müssen zudem bereits bestehende Buchungen betreuen. Die Fragen der Kunden betreffen dabei vor allem die Unterkünfte, Kinderbetreuung und Verpflegung. "Viele haben Bedenken wegen dem Mund-Nase-Schutz am Strand oder Pool und dass bestimmte Leistungen nicht eingehalten werden können." Das Reisebüro fragt bei den Hotels nach, wie die Hygienekonzepte vor Ort umgesetzt werden und informieren dann die Kunden. Im Fall einer Stornierung lehne Kundmüller Gutscheine als Rückerstattung für Reisekosten jedoch ab. "Der Kunde soll sein Geld wiederhaben."

Genau wie Kundmüllers Mitarbeiter befindet sich auch das Team des Haßfurter Best-Franken-Reisebüros in Kurzarbeit. "Wir können die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen und haben daher nicht den ganzen Tag offen", erklärt Chef Klaus Reuß. Sein verkleinertes Team sei damit ausgelastet, sich um die Rückabwicklungen der 2019 gebuchten Reisen zu kümmern. Doch seit dem 15. März sind die Telefone der Veranstalter abgestellt. Der Schriftverkehr per Mail ziehe sich hin. "Wie sollen wir das stemmen, wenn keiner da ist? Das ist für unsere Kunden natürlich nicht zufriedenstellend", macht Reuß deutlich.

Ungewisse Zukunft für Reisebüros

Die Nachfrage nach Reisen sei zwar da, die Rückabwicklungen würden aber überwiegen. "Es ist schwierig, nach vorne zu blicken, weil sich jeden Tag etwas ändern kann", meint Reuß. "Und wenn keine Neubuchungen kommen, können wir unsere Mitarbeiter nicht zurückholen." Auch die Haßfurter Kunden interessieren sich vermehrt für Inlands- und Europareisen. Die Nachfrage nach Fernzielen werde noch mindestens bis Ende August so gering bleiben, glaubt Reuß. Große Metropolen seien derzeit wenig beliebt, der Kunde bevorzuge es "schnuckelig". "Kleine Ferienwohnungen sind eher gefragt als die Masse."

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Kundmüller empfiehlt das von der Pandemie größtenteils verschont gebliebene Griechenland als Reiseziel. Oder Kroatien: "Dort gibt es keine Maskenpflicht und die Kunden schätzen das." Generell sei es wichtig, jeden Fall individuell zu klären, anstatt Kunden mit allgemeinen Infos abzuspeisen. "Wir wollen die beste Lösung für jeden finden. Auch wenn wir wirtschaftlich unter der Situation leiden."

Für Graser und Langguth soll ihre Rundreise nicht der einzige Trip in diesem Jahr bleiben. Vor Kurzem sind die beiden mit ihrem Van zurück in Eltmann angekommen, erzählt Graser. "Und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Abenteuer."

Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Reisebüros

Best-Franken-Reisebüro Das Haßfurter Reisebüro hat am Montag, Dienstag und Mittwoch von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Kunden müssen vorab einen Termin vereinbaren und dürfen das Reisebüro nur mit Mundschutz betreten. Das Team ist unter der 09521/1481 oder per Mail an info@franken-reisebuero.de erreichbar. Telefonische Beratungsgespräche sind von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr möglich. Mehr Informationen gibt es unter www.franken-reisebuero.de.

Touristik und Meer Das Eberner Team berät montags, dienstags, donnerstags und freitags von 14 bis 17 Uhr. Erreichbar ist das Reisebüro unter der 09531/943600 und unter info@touristik-und-meer.de. Kunden müssen beim Besuch einen Mundschutz tragen, ihre Hände am Eingang desinfizieren und den Mindestabstand einhalten. Die Wartebereiche, die Spielecke sowie die Kundentoiletten sind derzeit gesperrt. Mehr Infos gibt es online unter www.touristik-und-meer.de.