"Schau einem Alpaka nicht zu tief in die Augen, du könntest dich für immer verlieben", lautet eine bekannte Weisheit über die ruhigen Tiere aus den südamerikanischen Anden. Nicht umsonst erfreuen sich Alpakas seit Jahren großer Beliebtheit bei allen Altersgruppen. Bis nach Südamerika müssen Bürger aus dem Landkreis Haßberge aber nicht fliegen, um die Exoten kennenzulernen. Die können auch vor der Haustüre besucht werden, nämlich auf dem Alpakahof von Stefan und Anja Lipka im Eltmanner Stadtteil Weisbrunn.

Auf der Weide am Ortsausgang entlang des Lembacher Wegs recken die Alpakas neugierig die Köpfe, als sich der Besuch nähert. "Wir haben elf männliche Alpakas, 14 Stuten und aktuell drei Fohlen", erklärt Hofbesitzerin Anja Lipka, als sie das Gatter aufmacht. Vor vielen Jahren haben sie und ihr Mann hobbymäßig mit der privaten Alpakahaltung angefangen. Die flauschige Wolle, die großen Kulleraugen umrandet von langen Wimpern - damals wurde der Weisbrunnerin beim ersten Zusammentreffen richtig warm ums Herz. Und auch der Redakteurin geht es bei ihrem ersten Kennenlernen auf der Weide nicht anders. Trotzdem: Erste Berührungsängste bestehen auf beiden Seiten.

Wie man die überwindet, macht die erfahrene Tourführerin vor und greift ein weißes Alpaka sanft, aber bestimmt, mit beiden Händen am Hals, um es festzuhalten. So fängt sie auch die Tiere ein, um ihnen für eine Trekking-Tour das nötige Geschirr umzulegen. "Willst du ihn mal festhalten?", fragt sie. Ob das so eine gute Idee ist? Was, wenn das Alpaka den fremden Eindringling nicht akzeptiert, losrennt oder spuckt? "Alpakas spucken sich nur untereinander an", gibt Lipka Entwarnung. Mit dennoch leichtem Herzklopfen versinken die Hände in unerwartet flauschig-weicher Wolle, das Alpaka bleibt tiefenentspannt stehen und lässt sich auch durch die "Frisur" wuscheln. Erleichterung und Freude machen sich breit - und sofort setzt auch die entspannende Wirkung ein, für welche die domestizierte Kamelform bekannt ist.

Touren für jedermann möglich

Die Wolle der Alpakas riecht nicht, ist extrem weich und aufgrund der Tatsache, dass die Wolle beispielsweise im Vergleich zur Schafwolle äußerst wenig Wollfett (Lanolin) enthält, ist sie auch für Allergiker geeignet, wie die Hofbesitzerin berichtet. Sie lässt ihre Alpakas einmal im Jahr scheren und die Wolle zum Beispiel zu Socken und Mützen verarbeiten, die in ihrem Hofladen direkt an der Dorfstraße verkauft werden.

Und weil Alpakawolle auch für Allergiker geeignet ist, bestehen auch keine Probleme bei einer Alpaka-Tour. "Ich habe noch nie erlebt, dass jemand allergisch auf die Tiere reagiert hat. Generell ist es ja das Tolle: Jeder kann mitmachen, egal ob Kinder oder Senioren. Es gibt auch Touren, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind, wir müssen vorher nur Bescheid wissen."

Eine Tour kostet 20 Euro, jede Begleitperson zahlt zehn Euro. Aktuell können sieben bis neun Personen mitlaufen, maximal sind bis zu 15 Teilnehmer möglich. "Wir mögen es aber lieber kleiner, es soll keine Massenveranstaltung werden", betont die Hofbesitzerin.

Alpaka an der Leine führen: Das müssen Sie beachten

Obwohl es im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht ist, ein Alpaka zu führen, gibt es einige Punkte zu beachten: "Wichtig ist, seitlich neben dem Tier zu laufen, denn weil Alpakas Fluchttiere sind, haben sie gerne einen freien Blick nach vorne." Auch kann es - wenn auch selten - vorkommen, dass das Alpaka nach hinten ausschlägt. Und wenn sich das Tier erschrickt und losrennt? "Einfach die Leine loslassen. Ein Alpaka läuft nicht weg. Es bleibt immer bei seiner Herde."

Der Theorie folgt ein Praxistest mit "Herdenchef" Riccardo. Die ersten Schritte mit dem angeleinten braunen Alpaka sind zaghaft, aber unproblematisch. Es dauert etwas, bis sich die Wanderpartner einspielen. "Wichtig ist, sich auf das Tier einzulassen", weiß die Besitzerin. Ein kleiner Zug an der Leine und Riccardo läuft brav weiter. Das geht eine ganze Weile so, und dann: Stopp! Riccardo stemmt die Füße in den Boden und bewegt sich keinen Zentimeter mehr. "Mit Gewalt sollte man nicht ziehen", sagt Lipka und klopft Riccardo stattdessen sanft aufs Hinterteil. "Es kam auch schon einmal vor, dass wir 30 Minuten an derselben Stelle standen", sagt sie und lacht. Das Tempo bestimmen nämlich nicht die Menschen, sondern die Herde. Diesmal läuft alles gut und Riccardo trabt langsam und entspannt weiter. Wer mit den Tieren wandern will, der sollte also geduldig sein und etwa eineinhalb bis zwei Stunden einplanen.

Termine schon im Voraus anfragen

In Zeiten von Corona sind die entspannten Touren gefragter denn je, wie Lipka berichtet: "Im Moment versuchen viele von zuhause raus zu kommen und dem Alltag zu entfliehen, da ist Alpakawandern ideal. Da ist man an der frischen Luft, es gibt also keine Ansteckungsgefahr und durch die Tiere erfährt man eine Entschleunigung des Alltags."

Die Vorlaufszeit beträgt deshalb aktuell ein viertel bis halbes Jahr. "Wir sind jetzt schon bis Dezember ausgebucht. Aber manchmal hat man Glück und es werden kurzfristig Plätze frei", sagt die Hofleiterin.

Freie Plätze werden über die Homepage www.alpakahof-lipka.de und auf der Facebook-Seite "Alpakahof Lipka - mit Hofladen" angekündigt. Wer einen Termin ausmachen oder den Hofladen besuchen möchte, wählt die 09522/304878.

Tierische Attraktionen im Kreis Haßberge

Auch in Goßmannsdorf bietet Stefan Lettner Trekking-Touren mit Exoten an: Auf seinem Hof leben Lamas und Kamele. Mehr Informationen dazu gibt es online unter www.hassbergkamele.de.