Werner Eichler hat wieder zugeschlagen - mit Schweißgerät und Schmiedehammer. Der frühere Ausbilder im Metallbereich bei der Firma Kugelfischer/ FTE in Ebern hat der Reihe seiner Plastiken im Anlagenring ein neues Werk hinzugefügt. Seit dem Wochenende gibt es in der Karl-Hoch-Anlage eine Figurengruppe aus Stahl zu bewundern, zu der sich der Eberner von einer Federzeichnung aus dem 16. Jahrhundert inspirieren ließ: eine Körperstudie des italienischen Malers Luca Cambiaso (1527 bis 1585). Die Skizze, die stürzende Männer zeigt, wird in Malkursen gerne als Vorlage genutzt, um das Zeichnen der Körperproportionen zu üben. Eichler hat sie in die dritte Dimension gerückt.


Weitere Werke

Vor ziemlich genau einem Jahr bereits hatte Eichler drei Plastiken als Dauerleihgabe für den Anlagenring zur Verfügung gestellt. Werke, mit unterschiedlichen Metallen und gestalterischen Mitteln erstellt, die eher abstrakten Ideen folgten. Dazu ließ sich der gebürtige Brandenburger, der vor mehr als 60 Jahren aus der damaligen DDR floh und seit 1961 in Ebern lebt, von fernöstlichen und altgriechischen Texten inspirieren. Daphnis und Chloe treffen sich seither, bereit zur innigen Umarmung, im Anlagenteil, der Friedrich Rückert gewidmet ist. Der Dichter und Orientalist hätte sich in dieser Gesellschaft sicher wohlgefühlt.

Eine abstrakte Plastik in der Karl-Hoch-Anlage lässt Erato, die Muse der griechischen Liebesdichtung, hochleben; eine im Wesentlichen aus zwei Kugeln bestehende Figur mit filigranen Strukturen, die an Samsara, die buddhistische Vorstellung vom ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens und der Wiedergeburt, erinnern will, wurde jetzt - thematisch schlüssig - näher an Yrsa von Leistners Denkmal "Werden-Sein-Vergehen" herangerückt.

Für die "Stürzenden Männer" setzte Eichler die kubistische Vorlage Cambiasos, für die es dreidimensionale Computer-Animationen gibt, in eine sehenswerte Metallskulptur um. Dazu waren, wie er sagte, ausgiebige Studien und zeitintensive Detailarbeit erforderlich.
Aus 93 Einzelteilen hat er das Werk zusammengeschweißt. Und er fügte, der Proportionen wegen, dem historischen Vorbild ein Figürchen hinzu, einen erstaunten, bestürzt wirkenden Zeugen des chaotischen Geschehens.
Mitarbeiter des Bauhofs haben die rostbraune, rund 50 Zentimeter hohe Figurengruppe auf einen eigens angefertigten Sockel aus Sandstein vom Albersdorfer Steinbruch gehoben.


Schritte zum Kunstpfad

"Der Anlagenring wird aufgewertet", freut sich Bürgermeister Jürgen Hennemann. Der Neuzugang bereichere den "Eberner Kunstpfad", zu dem auch zwei Holzskulpturen zählen, für die der einstige Eberner Förster Eberhard Ponader die Motorsäge ansetzte. Eine davon gemahnt an das Leid syrischer Flüchtlinge.
So können Stümpfe alter Anlagenbäume, deren Fällung vor Jahren harsch kritisiert wurde, zu Kunstwerken verwandelt werden. Ponaders Sägeaktionen sollten nach dem Wunsch der Stadt Nachahmer finden. Überhaupt hoffen Jürgen Hennemann und Werner Eichler, dass sich weitere Künstler einbringen, um die Idee des "Kunstpfa-des" auszubauen. "In Ebern gibt es doch so viele kreative Leute", sagt Eichler.
Ein Flyer, der die Werke und ihre Schöpfer vorstellen soll, ist den Angaben zufolge "zumindest angedacht".