"Es kann doch nicht sein, dass ich die Heimat nicht wieder sehen soll. Dieser Gedanke beschäftigt uns stündlich und täglich. [...] Und wenn es Gottes heiliger Wille sein sollte, dass ich hier nicht mehr herauskomme, dass der Kessel von Stalingrad aufgegeben und verloren gegangen ist, dann, meine herzlich geliebten Eltern und Geschwister, dann, ja dann ist mein letzter Gruß aus dieser russischen Erde an euch eine tiefe, tiefe Dankbarkeit, die ewig fortleben wird" - Das ist nur ein Auszug von einem Brief von Gustav Raab, geschrieben am 19. Januar 1943.
Wenige Wochen später endete die Schlacht in Stalingrad, 110 000 deutsche Soldaten wurden zu Kriegsgefangenen. Nur etwa 5000 überlebten die Gefangenschaft - unter den Gefallenen und Gefangen befinden sich viele Soldaten, die bis heute als vermisst gemeldet sind. "Bei vielen Briefen liest man tatsächlich die letzten Worte eines Menschen", sagt Oliver Bauer, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge (kurz Volksbund).
Raabs Brief ist auf einer von vielen Tafeln der Ausstellung "Von Stalingrad nach Rossoschka" gedruckt, die seit gestern im Haßfurter Landratsamt stehen. Landrat Wilhelm Schneider (CSU), der Kreisvorsitzender des Volksbundes ist, ist sich der Bedeutung der Ausstellung bewusst und würde sich freuen, "wenn sich besonders viele junge Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen."


Grabstätte soll dauerhaft mahnen

75 Jahre sind seit dem Kampf in Stalingrad vergangen - Deutschland erlebt derzeit eine Friedensphase, die so lange andauert, wie noch nie. Das Gedenken an die Gefallenen und das Mahnen zu Frieden, so Bauer, wird dauerhaft durch die Kriegsgräberstätte Rossoschka gewahrt.
"Wir haben gemeinsam die Aufgabe, die Erinnerung an die entsetzlichen Geschehnisse des ersten und zweiten Weltkrieges lebendig zu halten und daraus die Lehren für die Zukunft zu ziehen. Auch das ist eines der Ziele dieser Ausstellung", macht Wilhelm Schneider deutlich. Damit auch jüngere Generationen einen Zugang zu den Kriegsgeschehnissen haben, wird die Ausstellung seit Jahren fortgeführt und die Tafeln unter anderem auch in Schulen aufgestellt.
"In der Ausstellung", erklärt Oliver Bauer, "wird ein Bogen von den historischen Ereignissen bis in die Gegenwart gespannt". Neben dem Kernthema, der Errichtung der Kriegsgrabstätte, werden Zahlen und Fakten, Einzelschicksale sowie die gegenwärtig stattfindenden Jugendcamps auf den Schautafeln dargestellt. "Einzigartig macht diese Ausstellung, dass sie das Geschehen der Anonymität historischer Betrachtungen entreißt. Feldpostbriefe und Bilder geben ein Zeugnis vom Schicksal der Soldaten", so der Bezirksgeschäftsführer. Er hofft, dass die Vergangenheit so erlebbar und greifbar für Besucher wird.


Das Interesse sinkt

Und das sei wichtig, denn die Zeitzeugen werden immer weniger. Bei jüngeren Generationen, so Bauer, ist das Interesse allerdings nicht komplett erloschen: "Besonders zur dunklen Jahreszeit, im November und Dezember, ploppen die Anfragen bei uns auf. Da fragen sich viele: Was hat die Oma noch mal über den Opa Klaus erzählt?" Und das sei schon einmal ein gutes Zeichen.
Er hofft darauf, dass die Ausstellung deshalb auch junge Besucher lockt und die folgenden Generationen der Bedeutung der Kriegsgräberstätten bewusst sind. Denn: "Die Kriegsgräberfürsorge ist auf Dauerhaftigkeit angewiesen."
Bis zum 26. Juli stehen die Schautafeln im Foyer des Landratsamtes. Die ersten Besucher waren gestern die Kreisräte, denn die Ausstellungseröffnung fand im Rahmen einer Kreistagssitzung statt.