Tom Schütz hat bei Arminia Bielefeld Höhen und Tiefen erlebt: Aufstieg in die 2. Bundesliga, Abstieg in die 3. Liga nach einem Relegationsdrama, sofortiger Wiederaufstieg, DFB-Pokal-Halbfinale und noch ein Aufstieg: der in die Bundesliga Ende Juni.

Der 32-Jährige aus Burgpreppach (Landkreis Haßberge) startete seine Laufbahn in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München. Mit Thomas Müller und Holger Badstuber hatte Schütz in der Regionalliga Süd prominente Mitspieler, die sich wenig später im Bundesliga-Team durchsetzten. Schütz' Weg führte stattdessen über den SV Babelsberg (3. Liga) zu Arminia Bielefeld, wo er ab 2011 viele Jahre gesetzt war. Doch zuletzt sind die Einsatzzeiten zurückgegangen. In der abgelaufenen Zweitligasaison kam der defensive Mittelfeldspieler auf 13 Einsätze. Dazu ist sein Vertrag ausgelaufen. Ob Schütz noch zu seinem Debüt in der Bundesliga kommt, ist derzeit ungewiss.

Seit dem 1. Juli sind Sie ohne Vertrag. Wie ist denn der aktuelle Stand?

Tom Schütz: Ich befinde mich nach wie vor in Gesprächen und im Austausch mit der Arminia, wie meine Zukunft in alle Richtungen aussehen könnte.

Sie sind jetzt 32 Jahre alt. Ist das Karriereende eine Option?

Es ist nicht meine erste. Ich mache mir Gedanken, wie es außerhalb vom Fußball weitergehen kann. 32 Jahre ist nicht das klassische Alter, um mit dem Fußballspielen aufzuhören. Ich würde schon gerne noch weiterspielen, muss aber sehen, wie es die Gesundheit zulässt und welche Optionen sich ergeben. Vor eineinhalb Jahren hatte ich vermehrt mit Verletzungen zu kämpfen. Im vergangenen Dreivierteljahr war ich wieder fit und gesund. Stand jetzt würde ich es ausschließen, noch fünf, sechs Jahre zu spielen. Ein, zwei Saisons sollten es aber schon noch sein. Wenn es nicht dazu kommen sollte, habe ich einen Plan B. Mit diesem Plan kann ich gerade gut leben und schaue positiv in die Zukunft.

Mit Benedikt Höwedes und Sandro Wagner haben zuletzt Spieler ihre Karriere beendet, die ähnlich alt sind wie Sie. Können Sie deren Entscheidung nachvollziehen?

Ja. Mit Benni habe ich in der U- Nationalmannschaft zusammengespielt, Sandro kenne ich aus meiner Zeit von den Bayern. Ich kann deren Argumente verstehen, trotzdem muss man auch bedenken, dass beide gutes Geld verdient haben.

Sandro Wagner kann sich erst einmal auf die faule Haut legen. Wie sieht denn Ihr Plan nach der aktiven Karriere aus?

Ich bin gerade dabei, mich möglichst breit aufzustellen. Seit gut zwei Jahren bin ich Teilhaber einer Physiotherapie-Praxis, zusätzlich mache ich meinen Bachelor in Sport-Business und demnächst möchte ich die DFB-Elite-Trainerlizenz erwerben. Grundsätzlich würde ich gerne im Fußballbereich bleiben, sei es als Trainer oder in anderer Funktion. Andere Tätigkeiten würde ich aber nicht gänzlich ausschließen. Darum geht es auch derzeit in den Gesprächen mit der Arminia.

Wollen Sie in Ostwestfalen bleiben oder ist eine Rückkehr nach Franken denkbar?

Es kommt auf die Gesamtkonstellation an. Bielefeld ist eine zweite Heimat geworden. Meine Kinder sind hier geboren und außerhalb des Fußballplatzes haben wir uns einiges aufgebaut. Unsere Heimat ist aber schon noch Franken. Meine Frau und ich kommen beide von hier, unsere Elternhäuser liegen nur zehn Kilometer auseinander. Im Fußball weiß man nie, was passiert. Wenn mich ein Angebot reizt, möchte ich nichts ausschließen.

Wie stark ist noch die Verbindung nach Burgpreppach?

Wir waren im Juli für drei Wochen zu Besuch, weil es die Zeit zugelassen hat und wir nicht in Urlaub gefahren sind. Unsere Familien und Freunde wohnen alle noch dort. Der Kontakt zum Heimatverein ist immer noch da, und das wird auch so bleiben.

Sie haben einen Jagdschein, ein eher unübliches Hobby für einen Profifußballer ...

Als ich aufgewachsen bin, war es schwer, nicht damit in Berührung zu kommen. Mein Opa, mein Vater und meine älteren Brüder sind Jäger - und ich eben auch. Für mich ist es ein Hobby, ich muss nicht immer einen Rehbock schießen. Vielmehr möchte ich draußen sein, schalte dabei mein Handy aus und genieße die Ruhe. Für mich ist es eine Auszeit vom Fußballtrubel.

Auf der großen Fußballbühne sind Sie nie gelandet. Sie schweben eher unter dem Radar. Stört Sie das?

In den vergangenen Wochen habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie meine Karriere gelaufen ist. Ich war nie der Spieler, der im Vordergrund stand. Bei den Fans habe ich ein großes Standing, aber den Hype hat eher jemand wie Fabian Klos erfahren, der Kapitän ist und die Tore schießt.

Offensivspieler werden einfach mehr gefeiert als ein defensiver Mittelfeldspieler, wie ich es bin. Für mich ist das in Ordnung. Es ist eben meine Rolle, die ich immer hatte. Trotzdem habe ich die Zügel in der Hand gehabt und war viele Jahre ein wichtiger Faktor für die Mannschaft.

Sie sind fast zehn Jahre in Bielefeld. Wie würden Sie die Entwicklung des Vereins beschreiben?

Vorauszusehen war das nicht. Als ich zur Arminia gewechselt bin, wusste man nicht, wie es mit dem Verein nach dem Abstieg in die 3. Liga weitergeht. Das erste Jahr war nicht so prickelnd, aber wir haben uns stetig gesteigert und weiterentwickelt. Vor allem in den vergangenen zweieinhalb Jahren ist noch einmal viel im Verein passiert. Nach und nach haben wir das Gefühl entwickelt, in der 2. Liga vorne mitspielen zu können.

Wann dachten Sie, dass es mit dem Aufstieg in die Bundesliga klappen kann?

Vor der Saison haben wir den Aufstieg intern als Ziel ausgegeben. Wenn du auch zur Winterpause noch vorne bist, wäre es fahrlässig zu sagen, wir wollen nicht aufsteigen.

Welche Bedeutung hat der Aufstieg für die Stadt und den Verein?

Die Stadt lebt den Verein. Am meisten freut es mich aber für die Fans. Sie waren in all den Jahren erstklassig und haben uns immer unterstützt. Als wir 2015 im DFB-Pokal-Halbfinale standen, hat man schon gesehen, was auf der Alm los sein kann, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Das jede Woche zu haben, ist ein Super-Gefühl.

Wie fielen die Feierlichkeiten aus?

Wegen Corona war das schon ätzend. Mit der Mannschaft konnten wir im entsprechenden Rahmen feiern, aber mit den Fans war so gut wie nichts möglich. Auch die Mitarbeiter des Vereins, die jahrelang geackert haben, durften am letzten Spieltag nicht im Stadion sein. Das ist ein kleiner, fader Beigeschmack.

Haben Sie nach dem Aufstieg die Glückwunsch-Nachrichten gezählt?

Nein, dafür waren es zu viele. Es ist schön, wie viele Leute das verfolgt haben. Da merkt man, nicht so viel falsch gemacht zu haben.

Sie haben 268 Spiele für Bielefeld absolviert, stehen damit als Siebter in den Top Ten des Vereins...

Es macht einen schon stolz, aber es war nicht mein Plan, als ich hier unterschrieben habe. Es ist vielmehr eine Randnotiz, die man gerne registriert. Mein Ziel war es, so lange wie möglich erfolgreich zu sein. Dass es dazu führt, ist umso schöner.

Sie haben mit der Arminia drei Aufstiege gefeiert. Welcher war der schönste?

Alle drei waren unterschiedlich. Der erste war sehr emotional. Da hatte niemand mit uns gerechnet. Fünf, sechs Mannschaften waren qualitativ besser, aber wir haben es mit Teamgeist wettgemacht. Beim zweiten Mal wurde nach dem Abstieg in der Relegation der Wiederaufstieg erwartet. Da herrschte ein ganz anderer Druck, aber wir haben das souverän durchgezogen. Das war Wahnsinn. Dieses Jahr mit Corona ist eine Sache für sich. Ich habe so viel erlebt in meiner Karriere. Es ist typisch, dass wir uns genau diese Saison zum Aufsteigen ausgesucht haben. Aber es war mindestens genauso emotional wie beim ersten Mal.