"Schieber, Schieber"-Rufe hallten in der Schlussminute der Partie durch das Haßfurter Eisstadion. Die knapp 400 Zuschauer machten ihrem Unmut lautstark Luft, weil Hauptschiedsrichter Roland Wittmann trotz Beratungen mit seinen Linienrichtern nicht auf den vermeintlichen Regelverstoß der Gäste aus Moosburg reagiert hatte. Diese hatten beim Stand von 5:6 zehn Sekunden vor dem Ende aus ESC-Sicht absichtlich das Tor aus der Befestigung gestoßen, um den durchaus möglichen Ausgleichstreffer der "Hawks" zu verhindern. Anstatt eines technischen Tores oder zumindest einen Penalty zu geben, ging es ohne Konsequenzen weiter. Kurz darauf war die erste Heimniederlage der "Hawks" in der Bayernliga-Verzahnungsrunde besiegelt.


Zwei Tore nicht anerkannt

"Wir halten dem Schiedsrichter mal zugute, dass er nicht gesehen hat, dass ein Gegenspieler das Tor mit zwei Händen aus den Angeln hebt", sagte Martin Reichert relativ ruhig, während es aber in ihm brodelte. "Komisch, denn er steht drei Meter daneben. Ich weiß nicht." Nachdem die Unparteiischen bereits während der Begegnung zwei klare Treffer der "Hawks" nicht anerkannten, war die Stimmung nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei den Spielern und ESC-Verantwortlichen nach der Schlusssirene getrübt.
Doch das gehört auch zur Wahrheit, denn die Hausherren haben es größtenteils selbst vermasselt, ihr Punktekonto zu erhöhen. "Wir haben sechs Gegentore bekommen, für die wir heute leider selbst verantwortlich sind", räumte der 53-Jährige ein und nahm den neuen Schlussmann Michael Tscherepanow zugleich aus der Schusslinie. "Er weiß selbst, dass er alles andere als einen guten Abend erwischt hat. Da brauche ich nicht noch weiter auf ihn einprügeln."
Tatsächlich war der 20-jährige Rückkehrer aus Schweinfurt, der den verletzten Martin Hildenbrand ersetzen soll, beim ersten Einsatz scheinbar hypernervös. Schon den allerersten Schuss der Moosburger von Jakob Killermann, der eher einer harmlosen Rückgabe glich, rutschte Tscherepanow quasi durch die Hosenträger (2.). Ebenso "Schüsschen" Nummer 2 von Daniel Schander, der ihm über die Fanghand flog (4.). Warum sie nach zweieinhalb Minuten mit 2:0 vorne lagen, wusste die seit Kurzem von Ex-Nationaltorwart Bernhard Engelbrecht trainierten "Grün-Gelben" wohl selbst nicht genau. Und zunächst ging dieses Spielchen weiter, obwohl sich die "Hawks" mit viel Aufwand gegen den zähen und unbequemen Gegner mühten, der oftmals einfach nur die Scheibe aus dem eigenen Drittel beförderte. Auf die Treffer von Michal Babkovic (19.), Michael Breyer (27.) und Jakub Sramek (32.) hatte Moosburg, selbst in Unterzahl, durch schnelle Tempogegenstöße aber immer wieder die passende Antwort, wobei die Gegentreffer erneut unter die Kategorie "durchaus haltbar" fielen.


Trotz Rückstand Moral bewiesen

Wenigstens hielten die "Hawks" ihre Moral oben, als David Michal in der Schlussminute des zweiten Abschnittes sogar auf 6:3 für Moosburg erhöhte: Tatsächlich sorgten Jakub Sramek 16 Sekunden später sowie David Franek vier Sekunden vor der zweiten Pausensirene, mit ihrem Doppelschlag zum 5:6-Anschluss, doch noch für Hochspannung im Schlussabschnitt.
Während Michael Tscherepanow in den letzten 20 Minuten eine ansprechende Leistung zeigte, schafften es seine Vorderleute nicht mehr, den Ausgleich zu erzielen - auch aufgrund des vermeintlichen Regelverstoßes der Gäste kurz vor dem Ende.
Trotz der bitteren und vor allem unnötigen Niederlage gab es nochmals Zuspruch für den unglücklich agierenden Tscherepanow. "Dass er unter großem Druck stand, war klar. Es ist ja aus der Jugend weg und jetzt zurückgekommen. Darüber bin ich froh. Er ist Haßfurter und gehört zu uns wie andere Spieler auch", machte Reichert dem Goalie keine Vorwürfe und sprach von einem "jetzt erst recht. Das letzte Drittel war in Ordnung. Wir geben mit Sicherheit nicht auf."
ESC Haßfurt: Tscherepanow, Dietz - Hora, Thebus, Stahl, Max Hildenbrand, Marco Hildenbrand, Bates - Kurz, Kinereisch, Trübenekr, Lang, Babkovic, Franek, Sramek, Hümmer, Dietrich, Breyer / SR: Wittmann / Bösl, Feist / Zuschauer: 380 / Tore: 0:1 (2.) Killermann, 0:2 (3.) Schander, 1:2 (19.) Babkovic (Franek), 1:3 (23.) Michl (Dürr) 5-4, 2:3 (27.) Breyer (Franek, Babkovic), 2:4 (28.) Schander (Retzer, Hanöffer), 3:4 (32.) Sramek (Trübenekr), 3:5 (37.) Michl 5-4, 3:6 (40.) Michl (Schander), 4:6 (40.) Sramek (Hora), 5:6 (40.) Franek (Hora) / Strafzeiten: Haßfurt 4 plus Disziplinarstrafe gegen Max Hildenbrand / Moosburg 12

Gästetrainer leistet sich verbale Entgleisung
Mehr als unschön war eine Äußerung von Bernhard Engelbrecht nach der Partie. Dass sich die "Hawks" seit dem schweren Unfall von Petr Krepelka aus Solidarität mit schwarzen Leibchen inklusive dem Namen und der Trikotnummer 28 des Angreifers aufwärmen, störte vor einer Woche nicht nur den EC Pfaffenhofen, sondern nun auch den Moosburger Trainer. Es müsse möglich sein, so ein Betreuer der Gäste, dass sich ein Trainer beim Aufwärmen beider Mannschaften Notizen über die gegnerischen Spieler machen kann. Und dazu seien vor allem die Trikotnummern wichtig. Es musste deshalb erneut ein Zusatzbericht angefertigt werden.
"Unglaubliche Antwort" "Ich habe Herrn Engelbrecht nach der Partie darauf angesprochen und eine unglaubliche Antwort bekommen", war Martin Reichert fassungslos und wütend zugleich: Es interessiere "niemand in der Welt, ob die Haßfurter einen Querschnittsgelähmten haben oder nicht". Eine offizielle Antwort auf dieses "Gespräch" verkniff sich Reichert. In der gesamten Vorrunde hatte sich keine andere Mannschaft über die Solidarität der "Hawks" zu Petr Krepelka beschwert.