Es könnte sein, dass die seit Anfang November erst unter- und dann in der eigentlich geplanten Form ganz abgebrochene Saison in der Eishockey-Landesliga Mitte Januar 2021 in neuer Form wieder beginnt. Zumindest hat der Obmann des Bayerischen Eissportverbandes (BEV), Frank Butz, 19 Vereinen schriftlich einen konkreten Vorschlag unterbreitet. Auch dem ESC Haßfurt. Doch dieser ist für deren Verantwortliche nicht akzeptabel, denn es drohen - zumindest nach dem jetzigen Infektionsgeschehen - "Geisterspiele".

Zwar wäre es sicher nicht uninteressant gewesen, in der Gruppe A (insgesamt soll es vier Regionalgruppen geben) zusammen mit dem EHC Bayreuth, dem EV Pegnitz sowie dem VER Selb 1b in einer Einfachrunde um einen von acht Play-off-Plätzen zu kämpfen und über ein Viertel- und Halbfinale eventuell ins Endspiel vorzustoßen. Doch sportliche Konsequenzen in Form von Auf- oder Abstieg bei einem Scheitern in der Vorrunde hat dies nicht.

Ohne Einnahmen kein Spielbetrieb

ESC-Vorstandsmitglied Martin Reichert lehnt das BEV-Schreiben allerdings in erster Linie wegen des Passus ab, dass die Vereine bei einer Teilnahme auch möglichen Geisterspielen zustimmen, "falls vom Gesetzgeber oder den Behörden keine Zuschauer zugelassen werden" - so der Wortlaut. "Das kommt für uns überhaupt nicht in Betracht. Ohne Zuschauer spielen wir nicht, die sind für uns das A und O", betont der 56-Jährige, während Vorstandskollege Andreas Kurz noch deutlicher wird: "Ganz einfach. Eishockey ohne Zuschauer ist für uns finanzieller Selbstmord."

Und Kurz stellt wiederholt klar, dass "die Senioren das Geld für die Kosten für den Nachwuchs generieren. Keine Einnahmen bedeuten kein Spielbetrieb. Auch nicht im Nachwuchs", macht er deutlich. Sowohl Reichert als auch Kurz gehen davon aus, dass die derzeitigen Corona-Regelungen, die vorerst bis zum 10. Januar 2021 gelten, auch anschließend keine Zuschauer bei dann eventuell wieder möglichen Sportveranstaltungen erlauben. Den BEV-Vorschlag haben sie deshalb bereits abgelehnt.

ESC-Kapitän teilt die Meinung der Verantwortlichen

Doch wie denkt ein "Betroffener" über die verzwickte Situation? "Klar wäre es schön, als Spieler wieder nach zwei Monaten Unterbrechung aufs Eis zurückzukehren", ärgert sich Christian Dietrich einerseits über diese "traurige Saison".

Von einer Wiederaufnahme unter den vorgeschlagenen Bedingungen hält der Kapitän der Haßfurter Hawks jedoch nichts. "Solange keine Zuschauer erlaubt sind und es nur um die goldene Ananas geht, würde ich das Risiko als Verein nicht eingehen", gibt es von ihm Rückendeckung für die ESC-Verantwortlichen. "Geisterspiele machen in meinen Augen für einen Verein keinen Sinn", verweist er auf die finanzielle Situation. Der Amateursport lebe von Zuschauereinnahmen, was aktuell nicht gegeben sei.

Als Spieler bezeichnet er den Saisonabbruch deshalb als "sehr schade. Finanziell betrachtet ist es für die Vereine aber das Beste, solange es keine Unterstützung gibt und keine Zuschauer erlaubt sind". Dietrich, seit sieben Jahren für die Kreisstädter auf Torejagd, versteht nicht, "warum der BEV die reguläre Saison abbricht, es keinen Auf- und Absteiger gibt, aber versucht, die Saison in Form eines anderen Modus weiterzuführen. Letztendlich ändert sich nichts an der Situation. Covid-19 besteht weiter."

Sport als Ausgleich neben dem Alltag

Dass ihm Eishockey trotz alledem fehlt, daraus macht der 29-Jährige Routinier keinen Hehl. "Ich persönlich möchte als Spieler klar nur Eishockey spielen, weil es meine Leidenschaft ist. Am besten vor unseren Fans". Auch für ihn sei der Sport ein Ausgleich neben dem Alltag sowie dem Beruf oder der Schule. Dabei denkt Dietrich auch an die Nachwuchsspieler, "die es ja genauso trifft wie uns von der ersten Mannschaft oder Hobbyeishockeyspieler."

Mit den Einschränkungen und getroffenen Maßnahmen komme er derweil klar. "Man muss sich in der aktuellen Situation, so schwer es einem fällt, zurechtfinden und sein Leben den Umständen anpassen", sagt er und fügt hinzu: "Ändern kann man es nicht." Es sei in der aktuellen Situation "wichtig, dass man gesund ist, die Pandemie überwindet und wieder dem nachgehen kann, was einem Spaß macht". Das gelinge nur, "wenn sich jeder daran hält. Nur so können wir umso schneller wieder unserer Leidenschaft Eishockey nachgehen."

Nach seinem Kreuzband- und Meniskusriss beim Spiel gegen Vilshofen in der letzten Saison, habe er nach der Operation Ende März im Sommer alles gegeben. Dietrich hat sich sprichwörtlich geplagt, um nach fünf Monaten im September mit dem Team auf dem Eis zu stehen. "Umso schöner war es, die Jungs zu sehen und dass wir auch wirklich aufs Eis konnten."

Dietrich hat mehr Zeit für die Familie

Aktuell trainiert er weiter zu Hause, um fit zu bleiben. "Wenn nicht für diese, dann schon für die nächste Saison", will er von Trübsal blasen nichts wissen. Im Gegenteil: "Es ist nicht alles schlecht in der aktuellen Situation. Ich habe mehr Zeit für meine Frau und die Familie. Das erste Mal im November und Dezember seit fast 30 Jahren", lacht der Angreifer. Er sei zudem "gesund, und das ist aktuell das Wichtigste. Auch wenn mir die Jungs und das Gequatsche in der Kabine fehlen."