Bevor Johannes Fischer sein neues Amt angenommen hat, hat er sich Rat geholt. "Ich habe mit Joachim Kraft darüber gesprochen, wie seine Einschätzung ist. Wenn er gesagt hätte, ich soll lieber noch ein, zwei Jahre warten, hätte ich es nicht gemacht", sagt Fischer. Doch sein langjähriger Trainer beim TV Ebern hat zugeraten, und so übernahm er von ihm die sportliche Verantwortung als Spielertrainer in der Fußball-Bezirksliga Oberfranken West. Fast genau ein Jahr ist das nun her.

"Klar würde ich den Schritt wieder machen", versichert der 29-Jährige. Die Saison sei insgesamt doch bestens gelaufen, trotz einiger Probleme zum Auftakt, "ich bin absolut zufrieden. Wir haben schon vier Spieltage vor Saisonende auch rechnerisch den Klassenerhalt geschafft. Das war doch optimal, für mich persönlich genauso wie für den Verein."

Dass die neue Rolle einige Umstellungen mit sich gebracht hat, versteht sich von selbst. Und nicht alles war so, wie Fischer es erwartet hatte. "Es war mir schon klar, dass die Trainerposition einen höheren zeitlichen Aufwand mit sich bringen würde. Ich habe nur nicht gedacht, dass er so viel höher ist", blickt er zurück. Gerade für einen Neuling sei diese Position sehr anspruchsvoll, "und ich hatte immer auch an mich den Anspruch, immer gut vorbereitet zu sein und ein abwechslungsreiches Training zu halten." Als Spieler reiche es, zehn Minuten vor Trainingsbeginn am Platz zu sein, "als Trainer bin ich 30 bis 60 Minuten vorher da. Dazu kommt dann noch die Vorbereitung vorher". Auf fünf bis zehn Stunden wöchentlich schätzt er den Aufwand, abhängig davon, ob gerade die Punkterunde läuft oder sich die Mannschaft in der (aufwändigeren) Vorbereitungsphase befindet.

Co-Trainer Wolfgang Lachmann ist ein wichtiger Ansprechpartner

Fischer steht zwar als Trainer in der vordersten Linie, "aber ohne einen Co-Trainer hätte ich das nicht gemacht", stellt er klar. In dieser Funktion steht dem 29-Jährigen mit Wolfgang Lachmann ein etwa doppelt so alter und entsprechend erfahrener Mann zur Seite. Das war Fischers Wunschlösung, und damit zeigt er sich im Rückblick sehr zufrieden. Bei den Eberner Begegnungen steht Fischer in der Offensive so gut wie immer selbst auf dem Feld, "deshalb war es mir sehr wichtig, dass noch einer dabei ist, der seinen eigenen Blick von außen hat und sich aufs Spiel fokussiert".

Gerade in der Halbzeit tausche er sich mit Lachmann aus, "bevor wir in die Kabine gehen, besprechen wir uns erst einmal untereinander und legen fest, was wir in der Pause sagen", sagt der Trainer. "Als Angriffsspieler ist es schwierig für mich, das Spiel von hinten heraus zu beurteilen, weil ich ja keine Augen im Hinterkopf habe."
Dass der torgefährliche Stürmer in dieser Saison ein wenig zurückgezogener spielt und mehr aus dem Mittelfeld kommt, habe nichts mit seiner Trainertätigkeit zu tun, erklärt Fischer. "Wir haben mit meinem Bruder Simon, Jonas Ludewig und Sven Kapell noch weitere starke Angreifer und sind da flexibler geworden", weiß er. "Als es in der Anfangsphase nicht so gut bei uns gelaufen ist, mussten wir etwas umstellen. Manches davon haben wir schon wieder geändert, aber ich bin im Mittelfeld geblieben, erstmals in meiner Laufbahn", erzählt der Trainer. Ob das in der kommenden Saison wieder genauso sein wird, müsse man abwarten.

Schon vorher Führungsspieler

Vom Mitspieler zum Chef - mit dem Amt hat sich natürlich auch die Rolle von Johannes Fischer in der Gruppe verändert. Probleme habe dies aber nicht mit sich gebracht, sagt der Spielertrainer. "Dabei hilft sicher, dass außer Matthias Zürl und unserem Torwart Jens Kapell alle anderen Spieler jünger sind als ich", sagt er. Einige seien Mitte 20, viele jedoch zwischen 19 und 22 Jahre alt, "da gibt es vom Alter her schon eine Distanz." Insgesamt habe sich das Verhältnis aber "nicht großartig verändert. Es war auch vorher der Respekt da, ich war ja schon einer der Führungsspieler."

Vor allem sei wichtig, als Trainer ein Konzept zu haben und das auch der Mannschaft zu vermitteln, weiß Fischer. "Wichtig ist eine intensive Kommunikation mit den Spielern, das löst viele vermeintliche Probleme", sagt er. Psychologie und Menschenführung seien wichtige Qualitäten, die die Trainerarbeit erleichtern, "dann kann man auch auf Schwierigkeiten eingehen und gegensteuern".

Das Schwierigste bisher sei für ihn gewesen, "wenn ich alte Weggefährten auf die Bank setzen musste. Aber es können eben am Anfang nur elf Leute spielen."