An einem späten Nachmittag treffen sich Justin Schwarz und Robin Werres am gut 4000 Quadratmeter großen "Schlosssee" in Pfaffendorf. Dieser liegt im Zentrum der Ortschaft an der Straße "Am Schloss", nordöstlich des Baches "Weisach." Die beiden sind Jungangler und müssen deshalb von einem Erwachsenen mit einem gültigen Fischereischein begleitet werden. Zweiter Vorsitzender Michael Kastl und Mario Werres, der Vater von Robin, sind dabei. Er ist Jugendwart bei den "Angelfreunden Pfaffendorf."

Am Ufer des "Schlosssees" stellen die beiden Jungangler ihre Angelstühle auf, packen ihr Angelzeug aus. Robin Werres ist 14 Jahre alt und zum Angeln durch seinen Vater Mario gekommen. "Er nahm mich schon als Kind zum Angeln mit", sagt Robin. Mit zehn Jahren hat er sich einen Jugendfischereischein bei der Marktgemeinde Maroldsweisach ausstellen lassen. "Eine Prüfung war da nicht nötig", erklärt er. Jetzt durfte er zusammen mit jemandem, der 18 Jahre alt ist und einen gültigen Fischereischein hat, zum Angeln.

"Nun konnte ich selbst eine Angel halten", erklärt der 14-Jährige, der sich ab diesem Zeitpunkt als "richtiger Angler" fühlte. Dabei war meist sein Vater. "Wenn wir Zeit und Lust haben, gehen wir ein- oder zweimal in der Woche zum Angeln", sagt Robin, der demnächst eine Bäckerlehre beginnt. An diesem Tag ist er darauf aus, Köderfische zu fangen, mit denen er dann größere Fische an den Haken locken möchte.


Die schlauen Fische

Während Robin erzählt, zupft es am Schwimmer seiner Angelschnur. Aufgeregt nimmt er seine Angelrute in die Hand, welche vorher auf dem Rutenhalter am Ufer des Sees lag. Gespannt wartet er auf den nächsten "Zupfer." Der bleibt aber aus. Robin holt die Angelschnur ein und sieht, dass der Köder nicht mehr am Haken ist. "Na ja, die Fische sind auch recht schlau und zupfen oft den Köder ab, ohne an den Haken zu gehen", erläutert der junge Angler. Nachdem ein neuer Köder angebracht ist, wirft er die Angelschnur mit dem Schwimmer in weitem Bogen wieder ins Wasser.

Einige Meter neben Robin steht der 16-jährige Justin Schwarz am Ufer des Sees. Geduldog wartet er mit der Angel in der Hand. "Geduld muss man beim Angeln schon mitbringen", sagt Justin. "Vor etwa vier Jahren sind wir nach Pfaffendorf gezogen. Da habe ich Angler am See gesehen und bin halt mal hin und ich habe Gefallen an diesem Sport gefunden", erzählt Justin, der eine Lehre als Zerspanungsmechaniker beginnt.

Vor einem Jahr schon hat Justin in einem einwöchigem Kurs mit seinem Vater in den Ferien seinen Fischereischein erworben, angelt aber derzeit noch im Jugendbereich. "Mit einem Karpfen von zehn Pfund hatte ich vor zirka einem halben Jahr meinen bisher größten Fisch an der Angel", sagt er stolz. Dieser Fang gelang ihm am "Schlosssee."


Wenn der Pulsschlag steigt

Das Angeln mache ihm nach wie vor großen Spaß. "Wenn man am See sitzt ist alles so spannend, und wenn sich an der Schnurr was zu schaffen macht, bin ich schon recht aufgeregt" erzählt Justin. Als er seinen "größten Fisch" gefangen hat habe er gesehen, wie der Karpfen nach dem Brotköder schnappte. "Da erhöht sich der Pulsschlag dann schon deutlich, und als er dann angebissen hat, war es Spannung pur", sagt Justin begeistert.

Dann beginnt das "Drillen." So nennt man es, wenn man den Fisch an Land holt. "Erst holt sich der Karpfen einmal ganz schön Schnur", ergänzt Robin Werres, als er von seinem größten Fang berichtet. Es war ein Karpfen mit elf Pfund, der ihn beim Nachtangeln in seinem Stuhl aufgeweckt hat. "Ich war eingeschlafen als mich plötzlich der Pieper aufgeweckt hat." Dabei handelt es sich um ein elektronisches Gerät, das bei einer Bewegung der Angelrute Alarm schlägt. Kurbeln und Ziehen im Wechsel sowie Geduld sind wichtig, damit der Fisch näher ans Ufer kommt, wo eine Reuse auf ihn wartet.

"Man soll nicht versuchen den Fisch mit der Reuse zu fangen, sondern ihn mit der Angel über die Reuse bringen, um diese dann nur anheben zu müssen, um den Fang an Land zu holen", erklärt Robin. Günstig sei es, wenn man jemanden zur Seite habe der die Reuse hält aber es müsse auch alleine gehen. "Als mein Elfpfünder-Karpfen in der Reuse war hat er ganz schön gezappelt", erläutert der Jungangler mit strahlendem Gesicht in Erinnerung an den Fang vor drei Tagen. Er kann auch schon Erfolge vorweisen. So hat er zum Beispiel schon dreimal das Jugendkönigsangeln gewonnen.
Justin und Robin macht das Angeln und das Vereinsleben bei den Angelfreunden Pfaffendorf viel Spaß, aber sie nehmen auch gerne Einladungen zu Veranstaltungen anderer Fischereivereine an, um dort an Angelwettbewerben teil zu nehmen. "Angeln ist abwechslungsreich und spannend, denn man weiß ja nie was am Haken ist wenn der Schwimmer zupft."
Die beiden haben auch andere Interessen, aber das Angeln steht an vorderster Stelle. Und, was halten sie vom "Anglerlatein." "Na ja, Sprüche werden wohl überall gemacht", sind sich die beiden Angelfreunde aus Pfaffendorf einig. Sie konnten heuer in ihrem Verein das 25-jährige Bestehen begehen. Der Angelverein wurde 1990 gegründet und rund um die Angelhütte wurde dieses Jubiläum im Juni gebührend gefeiert.