Seit Anfang August gibt es "Gottschalk-Weine" beim Discounter "Netto" zu kaufen. Dahinter steckt Showmaster Thomas Gottschalk. Beim Blick ins Netto-Regal fällt der Gottschalk-Wein ins Auge. In großer Schrift steht "Gottschalk" auf der Flasche, darüber und etwas kleiner "Thomas" und "Wetten, der schmeckt" mit der Unterschrift des Entertainers und dem Hinweis "California". Der Oberfranke lässt kalifornische Trauben von der Familie Langguth an der Mosel abfüllen.

Oliver Gottschalk aus Sand hat damit nichts zu tun. Der Winzer kennt sich bestens aus mit Wein. Er betreibt das "Weingut Gottschalk" mit gerade einmal 3,5 Hektar Rebfläche.

Hat der Sander einen stärkeren Absatz dank des prominenten Namensvetters? "Nein, ich habe davon nichts gemerkt. Ich mache den größten Teil meines Umsatzes in meinem Weingarten und im Verkauf vom Hause weg sowie online", sagt er.

Gottschalk: Frage nach der Verwandtschaft

Verwandtschaftliche Beziehungen gibt es keine, zumindest sind Oliver Gottschalk keine bekannt. "Ich habe noch keine Nachforschungen betrieben, ob es gemeinsame Wurzeln gibt", sagt er. Auf seinen Namensvetter wird er dennoch oft angesprochen. "Tatsächlich werde ich fast bei jeder Weinprobe gefragt, ob wir miteinander verwandt sind."

Was Oliver und Thomas unterscheidet, ist die Wein-Expertise. "Er gibt ja zu, dass er kein Weinkenner ist", sagt Oliver Gottschalk. Das mache ihn auch sympathisch. Dass ausgerechnet Thomas Gottschalk, in der Bierstadt Kulmbach geboren, jetzt für "kalifornischen Wein" Werbung macht, sieht der Sander Winzer gelassen.

"Die Werbung des Weinbauverbandes Franken ist nach außen zurzeit sehr positiv, auch ohne eine solche Werbe-Prominenz. Dafür stehen unsere Weinprinzessinnen und die besondere Qualität unserer Weine." Wenn Thomas Gottschalk anderer Meinung sei, könne er bei Weinpräsident Artur Steinmann anrufen.

Oliver würde Thomas Gottschalk gerne einladen

Oliver Gottschalk würde seinen berühmten Namensvetter gerne einmal zu sich nach Sand einladen: "Ich würde mich über sein Kommen freuen und wäre auch bereit, ihm einen Schnell- oder Einführungskurs in den Weinbau zu geben."

Unterstützen könnte ihn seine Tochter Anna-Lena, die Sander Weinprinzessin ist. In ihrer Funktion als "Markenbotschafterin für Wein" ist sie mit rund 70 Terminen im Jahr gefordert. "Der schönste Termin ist natürlich das Weinfest in Sand", gibt sie unumwunden zu. Zusätzlich hilft sie am Wochenende im eigenen Betrieb aus.

Mediterranes Flair in Sand

Oliver Gottschalk setzt in Sand auf den Mix aus fränkischer Gemütlichkeit und dem mediterranen Ambiente in seinem Weingarten. Er habe auch schon andere Weingüter besichtigt und ihren Wein gekostet. "Ich verbinde zu Italien eine besondere Liebe und war dort oft im Urlaub. Dabei kam mir die Idee, ein Stück dieses mediterranen Flairs nach Sand zu holen, das mit unseren besonderen Weinen und Spezialitäten unterlegt wird", erklärt Gottschalk.

Er führt weiter aus: "Vom Klima her produzieren wir die besten Weißweine der Welt", sagt Gottschalk. Der Klimawandel spiele den Winzern in den vergangenen Jahren in die Karten. Die Kombination aus Sonne, Regen und Tau würde den südlichen Ländern fehlen. Gottschalk hat einen weiteren Vorteil: "Die Ernte erfolgt in Handlese. So kann ich die Trauben selektieren. Das garantiert eine besondere Qualität. Schlechte Trauben gibt es nicht in meinem Wein."

Gottschalk weiß, wovon er spricht. Schon seine Großeltern und Eltern haben Weinbau betrieben. Das Interesse ist naheliegend, anfangs war es allerdings noch ein Hobby. Nach zwölf Jahren als Industriekaufmann bei einem großen Getränkehersteller machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Gottschalk erlernte den Beruf des Winzers und wagte mit seinem Wein den Schritt in die Selbstständigkeit.

Experimente mit Sauvignon

Wenn der Winzer in seinem Weinberg "Sander Kronberg" steht, begutachtet er seine Rebsorten. "Sauvignon blanc" ist die neueste. Sie soll dem Klimawandel besonders gut trotzen, in Franken ist sie noch selten. Gottschalk baut die Sorte im dritten Jahr auf gerade mal einem Prozent der Rebfläche an.

"Ich experimentiere gerne mit fruchtigen und trockenen Sorten. Ich will herausfinden, ob sie sich bei uns wohlfühlen", erklärt Gottschalk.

"Der Sauvignon braucht gute Lagen, die Südseite, einen Hang und Anspruch auf einen besonderen Boden. Das ist am Kronberg gegeben." 2018 hat er erstmals den "Sauvignon blanc" gepflanzt, 2019 den "Gewürztraminer" und nun "Grauburgunder" und "Pinot Grigio".

Bei Oliver Gottschalk sind die Silvaner-Rebe, Müller-Thurgau, Bacchus immer noch die gängigen Sorten. Mit seinem "Sauvignon blanc" wird Oliver Gottschalk in diesem Jahr einen neuen Wein kreieren, der eine Verbindung in die USA herstellt. "Cabernet Sauvignon" und der "Chardonnay" sind nämlich in Kalifornien die führenden Weinsorten und werden unter dem Label "Easy Wines" vertrieben.

Kalifornien und Franken im Vergleich

Franken Das Anbaugebiet des Frankenweins umfasst etwa 6000 Hektar mit 4000 Winzern.

Kalifornien Hier wird Wein auf mehr als 200 000 Hektar angebaut. Das größte Weingut "Gallo Winery" hat eine Fläche von fast 2000 Hektar. Dessen Jahresproduktion von 7,2 Millionen Hektolitern kommt in die Nähe der gesamten Weinproduktion in Deutschland des Jahres 2019 mit 9,04 Millionen Hektolitern.

Aktion Oliver Gottschalk bietet derzeit eine "Kiste voller Genuss" an mit Wein, Hausmacherbrotzeit, aber auch Antipasti und Dattelcreme an. "Wir liefern im Umkreis von 30 Kilometern aus, haben aber auch viele Selbstabholer", berichtet Oliver Gottschalk. "Die Aktion läuft noch. Wir überlegen, sie im Herbst oder mit einer ,Weihnachtskiste' fortzusetzen."