Die scharfen Augen einer Polizeibeamtin wurden einem 70-jährigen Rentner am 17. Juni vergangenen Jahres zum Verhängnis. Als er kurz vor Mitternacht mit einem Auto in Haßfurt unterwegs war, geriet er in eine Verkehrskontrolle. Der aufmerksamen Polizistin fiel bei einem Blick auf das Nummernschild auf, dass das Kennzeichen abgelaufen war und der Fahrer daher ohne Versicherungsschutz unterwegs war.

Da dies eine Straftat ist, erhielt der Fahrer einen Strafbefehl über 20 Tagessätze zu 50 Euro, also 1000 Euro, gegen den er Einspruch einlegte. Deshalb kam es zu einer Hauptverhandlung. Am Donnerstag musste er sich daher am Amtsgericht in Haßfurt verantworten, wo er seinen Fehler einräumte.

Das Auto gehöre einem Bekannten, für den er es überführt habe, sagte der Rentner . Auf das Kennzeichen habe er dabei nicht geachtet. "Eine Dummheit von mir", gab er zu. Die Strafe erachte er allerdings zu hoch. Er sei geschieden, lebe seit vier Jahren von 330 Euro Rente, von der noch 220 Euro abgingen - vor allem Krankenkassenbeitrag. Staatliche Grundsicherung erhalte er nicht, da er in einer Wohngemeinschaft lebe. Anträge auf Hartz-IV seien "schwierig". Er werde von Freunden und Bekannten finanziell unterstützt. Er sei selbstständig und Teilhaber einer Firma gewesen, die pleite gegangen sei. Sein Vermögen sei den Bach runtergegangen. Er habe 60 000 bis 70 000 Euro Schulden. Alle zwei Jahre müsse er eine eidesstattliche Versicherung (Offenbarungseid) abgeben.

Sein "Armutszeugnis" beeindruckte das Gericht offenbar. Der Staatsanwalt reduzierte in seinem Plädoyer die Strafe auf 20 Tagessätze zu zehn Euro, also 200 Euro. Ganz überzeugt schien er jedoch nicht von den Angaben des Rentners zu sein. Der sei ein armer Mann, "wenn man ihm das so glaubt", setzte er hinzu.

Richterin Kerstin Leitsch hatte noch mehr Erbarmen mit dem Angeklagten . Sie minderte die Tagessatzhöhe auf nur noch drei Euro, so dass der 70-Jährige statt 1000 Euro nun nur noch 60 Euro zahlen muss. "So wenig Geld hat ja nicht einmal ein Hartz-IV-Empfänger ", begründete sie die milde Strafe und fügte hinzu, dass der Verurteilte gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen könne. Diese Belehrung ist gesetzlich vorgeschrieben, ist in diesem Fall aber wohl überflüssig. Gegen das Urteil dürfte er sich kaum wehren, denn billiger wird er nicht mehr davonkommen.