"Wir sind immer ein wenig am Rumtüfteln", sagt Martina Kundmüller. Sie und ihr Mann Rudolf haben im Märzein "Milchhäusla" auf ihrem Bauernhof bei Eschenbach eröffnet. Damit sind sie die dritten Landwirte im Landkreis, die einen solchen Weg in die Direktvermarktung eingeschlagen haben. Wie Pressesprecherin Monika Göhr mitteilt, gibt es in Gädheim beim Landwirt Schuler und in Ueschersdorf bei der Familie Schäfer ebenfalls eine Milchtankstelle.

In dem "Milchhäusla" der Kundmüllers steckt mehr als der Name vermuten lässt: "Wir haben in unseren Automaten Eier, Käse und eingelegte Käsewürfel aus unserer Milch, Wurstdosen und an den Wochenenden Grillfleisch", sagt Martina und fügt lachend hinzu: "und natürlich unsere Milch."

Neben den drei Automaten haben haben sie zudem eine Kiste vor dem Haus aufgestellt. "Darin befinden sich Kartoffeln und Kürbisse aus unserem Betrieb. Die kann man einfach rausholen", erklärt ihr Mann. Gezahlt wird auf Vertrauensbasis - mit einem Münzeinwurf in der Innenseite. Und wie wird das Angebot wahrgenommen?

Schwankende Nachfrage

"Die meisten, die herkommen, finden es klasse", sagt Rudolf Kundmüller. Es handle sich dabei vorwiegend um einen festen Kundenstamm. Doch vor allem jetzt bei der Hitze und in der Urlaubssaison sei die Nachfrage geringer als am Anfang. "Wir hoffen darauf, dass wieder mehr Leute kommen." An manchen Tagen kämen weniger Kunden, an anderen extrem viele. "Das schwankt total", sagt der Landwirt.

Der Kassenschlager: Die Rohmilch. "Es werden zwischen acht und 52 Liter am Tag gezapft", sagt seine Frau. Das wundert die Landwirte nicht. "Viele haben davor auch schon nach frischer Milch gefragt", erzählt Rudolf. Ihre Kunden wissen den Geschmack frischer Milch zu schätzen: "Der ist ja doch ganz anders als der von behandelter Milch", erklärt Martina.

Dass Rohmilch schädlich ist, stimmt so übrigens nicht. "Wir haben auf dem Automaten stehen, dass die Milch abgekocht werden muss. Aber das betrifft eigentlich nur gefährdete Zielgruppen, wie Senioren, Kinder oder Schwangere", erklärt sie. Gesunde Erwachsene, die sonst auch kein Problem mit dem Milchverzehr haben, sollten die Rohmilch bedenkenlos trinken können. Solange die Tiere gesund sind und die Hygienevorschriften eingehalten werden, ist das der Fall. Die Umsetzung dieser sei trotz der anhaltenden Hitze kein Problem: "Das ist unabhängig von der Jahreszeit, unsere Automaten sind gekühlt. Auch der Transportweg der Milch vom Milchtank in den Automaten ist minimal, da dürfte es keine Probleme geben."

Probleme stellen sich höchsten bei der Zeiteinteilung. "Wir wollen vielleicht Zieberleskäse anbieten, aber das sind Sachen, die brauchen eine Vorplanung und das schaffen wir nicht. Wir haben ja noch unseren Betrieb", erzählt sie. Denn hinter dem "Milchhäusla" steckt viel Aufwand: "Man muss den Bestellweg auf die Reihe kriegen und hat eine Dokumentationspflicht, der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen."

Kontakt mit dem Landleben

Trotzdem sind die Kundmüllers froh über die Anschaffung. "Wir sehen das hier als Anlaufstelle, wenn man sonntags keine Wurst mehr hat oder schnell etwas braucht, kann man das hier holen." Und das rund um die Uhr. Darüber hinaus geht es den Landwirten darum, den Bezug zur Region zu stärken: "Wir wollen Lebensmittel anbieten, die handwerklich in der Region hergestellt wurden."

Die Milchtankstelle ist für sie mehr als eine Anlaufstelle für regionale Produkte, sondern eine Möglichkeit, mit dem Landleben in Kontakt zu kommen: "Uns ist es wichtig, dass die Leute nicht am Betrieb vorbeifahren, sondern einen Bezug dazu finden." So hoffen sie, dass einige Menschen den Weg zu ihrem Hof finden "und gerne Fragen darüber mitbringen". Vor allem die Kinder seien interessiert am Arbeitsablauf. "Sie wollen die Tiere sehen oder beim Melken zuschauen", erzählt Rudolf Kundmüller. "Viele wissen ja heutzutage gar nicht mehr, wie das geht."

Deshalb sind sie sich sicher, das Häuschen in Zukunft weiterzubetreiben. "Wir hoffen darauf, dass es besser wird. Im Moment machen wir ja nur Mundpropaganda", sagt er. Wenn der Außenbereich mit Kräutern und Rosen angepflanzt wurde, sollen Bilder geschossen und auf Flyer gedruckt werden. "Durch die Trockenheit konnten wir bisher nichts anpflanzen." Im Herbst versuchen sie es erneut.

Auch für die Beschilderung gebe es noch Absprachebedarf. "Das ist alles so ein Prozess, den man im Laufe der Jahre begleitet", sagt seine Frau Martina. "Wir müssen uns da erst einmal reinfinden", bestätigt er. Beide sind sind aber zuversichtlich, dass ihnen das gelingt.