Weil sie als Zeugen vor Gericht falsch ausgesagt haben sollen, mussten sich am Montag ein 34-jähriger Arbeitsloser und sein 27-jähriger ebenfalls arbeitsloser Cousin aus dem Maintal am Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Das Gericht verurteilte den 34-Jährigen zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe plus 1000 Euro Geldauflage, zahlbar an den Kreisjugendring. Härter traf es seinen Cousin. Da er bereits vierfach vorbestraft ist und zur Tatzeit unter offener Bewährung stand, erhielt er eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten. Neben der Falschaussage wurde er auch wegen versuchter Strafvereitelung verurteilt.

Beide Angeklagte hatten bei einem Strafprozess am 26. Juni vergangenen Jahres ausgesagt, dass der damals angeklagte Bruder des 34-Jährigen im März 2018 nicht ohne Führerschein am Steuer saß. Vielmehr sei der 34-Jährige, der im Besitz einer Fahrererlaubnis ist, selbst gefahren.

Doch das Gericht glaubte der Aussage eines Polizeibeamten, der damals privat im Auto unterwegs war und auf der Hofheimer Straße in Haßfurt sah, dass der führerscheinlose Bruder am Steuer saß. Den sowie das auffällige Fahrzeug, einen schwarzen S-Klasse Mercedes, kenne er von früheren Ermittlungen, sagte der Beamte. Er konnte vor Gericht sogar noch das exakte Kennzeichen nennen.

Beide Angeklagte blieben am Montag bei ihrer damaligen Aussage. Er könne es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, jemanden ohne Führerschein fahren zu lassen, sagte der 34-Jährige.

"Ihr Bruder hat das Urteil bereits akzeptiert", klärte der Staatsanwalt ihn auf. Dies habe er getan, weil ein Beamter gegen ihn ausgesagt habe und da wohl wenig zu machen sei.

Er und sein Bruder sähen sich ähnlich, verteidigte sich der Beschuldigte. Zudem habe der Polizeibeamte sie nur flüchtig beim Vorbeifahren gesehen, fuhr der Angeklagte fort. Doch eine Verwechslung schloss der Polizeibeamte vor Gericht aus. Er sei sich sicher, dass der damalige Angeklagte gefahren sei. Er habe gewusst, dass er keinen Führerschein hat.

Auch der Einwurf des 34-jährigen Angeklagten, dass das Auto hellblau und nicht schwarz sei und sie zur angeblichen Tatzeit eine Feier besucht hatten, konnte das Gericht nicht umstimmen. Der Staatsanwalt bezeichnete den Polizeibeamten als "objektiven Zeugen".

Er sah für den 34-Jährigen noch eine positive Sozialprognose, weil er erst eine Voreintragung aus dem Jahr 2011 und einen Job in Aussicht hat. Daher beantragte er für ihn eine viermonatige Bewährungsstrafe. Die komme für den 27-Jährigen nicht mehr infrage, weil er unter offener Bewährung falsch ausgesagt habe. Zudem müsse er wegen versuchter Strafvereitelung verurteilt werden, weil er als Cousin kein direkter Verwandter sei. Der Anklagevertreter forderte für ihn daher ein Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die Richter Martin Kober um einen Monat verkürzte.

Der Vorsitzende prangerte die hohe Rückfallgeschwindigkeit des 27-Jährigen an, der nur einen Monat vor der Falschaussage wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 34-Jährige kündigte noch im Gericht an, in Berufung zu gehen.