"Knetzgau ist keine reiche Gemeinde", sagte Bürgermeister Stefan Paulus im Hinblick auf den Haushalts- und Finanzierungsplan während der jüngsten Gemeinderatssitzung. Nachdem in der Sitzung vor einer Woche der Entwurf des Haushaltes vorgestellt und von Kämmerer Marco Depner erläutert worden war, stimmte der Gemeinderat jetzt mit jeweils einer Gegenstimme dem Haushaltsplanentwurf für das laufende Jahr und dem Finanzplan bis zum Jahr 2021 zu.

Paulus sprach von Zahlen, die erneut sehr gut und beeindruckend seien. In den Jahren 2017 bis 2021 investiert die Gemeinde 30,6 Millionen Euro. Aus einer großen Liste sind einige Maßnahmen zu erwähnen: Die Sanierung der Dreiberg-Schule mit den im Bau befindlichen Sportanlagen (1,25 Millionen Euro), der kommunale Wohnungsbau "An der Klinge" (400 000 Euro), der Neubau und die Erschließung einer neuen Verbindungsstraße von der Hauptstraße zur Biegerstraße mit Abriss des Anwesen Weber an der Hauptstraße in Knetzgau (300 000 Euro), die Dorfbeleuchtung mit Austausch von Leuchten (170 000 Euro) sowie Spielgeräte und Spielplätze (150 000 Euro).


Unter dem Landesschnitt

Der Stand der allgemeinen Rücklage beträgt nach dem Finanzplan zum 31. Dezember 2021 noch rund 286 000 Euro und entspricht der Höhe der gesetzlichen Mindestrücklage. In diesem und im nächsten Jahr sollen zur Finanzierung der Investitionen rund 3,6 Millionen Euro entnommen werden. Der Darlehensstand beträgt zum Ende des laufenden Jahres voraussichtlich 3,7 Millionen Euro.

Dies bedeutet eine Pro-Kopf-Verschuldung von 571 Euro. Im Vergleich dazu liegt der Landesdurchschnitt bei 1285 Euro. Wenn alle im Investitionsprogramm aufgeführten Maßnahmen umgesetzt werden, beträgt der Schuldenstand Ende 2021 6,55 Millionen Euro.

Trotz guter Zahlen bezeichnete Stefan Paulus die Gemeinde nicht als reich. Beim Finanz- und Steueraufkommen liege Knetzgau auf Platz 14 der 26 Landkreisgemeinden. In den Jahren 2013 bis 2015 sei Knetzgau gar die steuerschwächste Gemeinde im gesamten Landkreis gewesen.


Geld für den Alltag der Bürger

Die Gründe für die finanziell gute Lage liegen aus Sicht des Bürgermeisters im verantwortungsbewussten und wirtschaftlichen Handeln von Verwaltung und Gemeinderat. Der Haushaltsplan lasse demnach erkennen, dass nicht nur dringend notwendige Projekte finanziert werden, die der Gemeinde sehr viel Geld kosten, wie etwa die Schule. Man werde auch Projekten Augenmerk schenken, die den Alltag der Bürger erleichtern sollen.

Hier führte Paulus die Schaffung von Barrierefreiheit an den Gehsteigen sowie eine geplante Skateranlage für Jugendliche auf, die mit 150 000 Euro im Haushaltsplan eingestellt ist. Das Schwimmbad werde ebenfalls einen enormen Kraftakt erfordern. Aber auch neue Aufgaben, wie Gesetzänderungen im Bereich der Informationssicherheit und des Datenschutzes, führten zu Ausgaben. Die Gemeinde wird Paulus zufolge leistungs- und zahlungsfähig bleiben und auch in den kommenden Jahren sinnvoll und nachhaltig investieren.


Plädoyers fürs Schwimmbad

In den Plädoyers von Mark Zehe (CSU), Robert Beetz (CWG), Heinrich Düring (SPD), Bernhard Jilke (FDP/FB) und Florian Klug (Ausschuss JL/Grüne) klang der Dank an Bürgermeister, Kämmerer Marco Depner sowie die Mitarbeiter im Rathaus an. Einhellig machten sich die Fraktionsvorsitzenden Gedanken um die Zukunft des Knetzgauer Schwimmbades. Sie baten die Gemeinde darum, alles zu tun, um in den Genuss einer staatlichen Förderung zu kommen, damit das Schulschwimmbad auch weiterhin ein Standortfaktor bleibe. Nach eingehender Prüfung und der Abwägung aller Gesichtspunkte, auf die die Fraktionssprecher in ihrem Plädoyer detailliert eingingen, fand der Haushaltsplan Zustimmung.

Der Gemeinderat sprach sich zudem bei einer Gegenstimme für den Bauantrag der Gemeinde Knetzgau für die Errichtung eines Mehrfamilienhauses in der Gemarkung "An der Klinge" in Knetzgau aus. Die Kosten belaufen sich laut Bürgermeister Paulus auf rund 1,7 Millionen Euro belaufen. Die im Haushaltsplan veranschlagte Darlehensaufnahme für das Vorhaben in Höhe von 900 000 Euro bleibe unverändert. Insgesamt sind in dem Mehrfamilienhaus mit einer Gesamtwohnfläche von 600 Quadratmetern zehn Wohneinheiten vorgesehen.