Die Bürger im Landkreis Haßberge sehen rot, zunehmend sogar tiefrot. Und die Corona-Ampel wird wohl so rasch nicht wieder die Farbe wechseln, denn die Infektionszahlen steigen unvermindert an. Acht neue Fälle sind über Nacht hinzugekommen. Mit 68,7 hat der Inzidenz-Wert, der für die Corona-Gefahr steht, einen neuen Höchstwert erreicht. Monika Göhr, die Pressesprecherin am Landratsamt Haßberge, bezeichnet die Situation als besorgniserregend.

Der Inzidenz-Wert gibt die amtliche Zahl der Covid-19-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen an. Er wird vom Robert-Koch-Institut täglich ermittelt - und zwar jeweils um 24 Uhr. In der Nacht auf Donnerstag hatte der Wert für den Landkreis Haßberge (knapp 85 000 Einwohner) laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erstmals den zweiten Signalwert übersprungen, von 46,2 (gelb) war er auf 53,3 (rot) geschnellt. In der Nacht zum Freitag hatte das Gesundheitsamt schon 59,2 gemeldet und nun ist der Landkreis "beinahe in den 70ern" angelangt, wie Monika Göhr berichtet.

Verschärfte Regeln

Seit einigen Tagen gelten daher verschärfte Regeln für private Feierlichkeiten, Maskenpflicht und Sperrstunden . "Private Zusammenkünfte, Treffen und Unternehmungen sind die Hauptursache für das Infektionsgeschehen im Landkreis", sagt Monika Göhr mit Hinweis auf die neuesten Daten aus dem Gesundheitsamt. Eine Hauptquelle lasse sich nicht ausmachen, denn größere Veranstaltungen finden derzeit nicht statt und gravierende Verstöße gegen Corona-Regeln sind nicht bekannt.

Die Orte im Einzelnen

Sehr wohl lassen sich jedoch stärker und schwächer betroffene Kommunen im Landkreis identifizieren. Auf FT-Nachfrage veröffentlichte das Landratsamt gestern die aktuellen Fallzahlen nach Gemeinden (siehe unten). Es geht darum, die Bevölkerung noch stärker für die Pandemieentwicklung zu sensibilisieren.

Andererseits, betont Monika Göhr, sei die Angabe der Infektionszahlen für die einzelnen Städte, Märkte und Gemeinden nicht dazu geeignet, das eigene Verhalten zum Schutz vor dem Virus zu verändern: "Aus der Tatsache, dass in einer Gemeinde keine Infektionen nachgewiesen sind, sollte nicht geschlossen werden, dass diese Corona-frei ist", mahnt sie. "Das Virus kann in jeder Kommune des Kreises jederzeit auftreten." Achtsamkeit sei daher für den gesamten Landkreis Haßberge geboten, auch wenn es in Oberaurach, Rauhenebrach, Rentweinsdorf, Riedbach, Stettfeld, Untermerzbach, Wonfurt und Zeil zuletzt (Stand vom 23.Oktober, 0 Uhr) keine aktiven Fälle gab.

Lage kann sich rasch ändern

Von einer gewissen Dunkelziffer an nicht gemeldeten oder erkannten Fällen ist auszugehen. Zudem gestaltet sich die Lage so dynamisch, dass die gestern gemeldeten Zahlen heute schon überholt sein können. Jedenfalls weist die neue Statistik des Gesundheitsamts aus, dass bei 320 Fällen insgesamt inzwischen sämtliche Kommunen im Landkreis zumindest mit einer bestätigten Infektion betroffen waren oder sind. Eine "weiße Covid-19-Weste" hat also keine der 26 Gemeinden mehr. Zum Glück sind aktuell nur 77 Personen "aktiv" infiziert, 237 haben die Krankheit überstanden; sechs hat sie leider das Leben gekostet.

Sorgen in Ermershausen

Mit 17 aktiven Fällen ist die kleine Gemeinde Ermershausen zurzeit besonders stark betroffen. Sie hat sich deswegen für ihr Kirchweihfest an diesem Wochenende strikte Zurückhaltung verordnet und baut auf die Vernunft der Bürger. Für Haßfurt als mit Abstand größte Kreis-Kommune sind zehn aktive Fälle gemeldet, in den übrigen betroffenen Orten sind die Zahlen (noch) einstellig.

Über 700 Menschen im Kreis hüten jetzt das Haus: Für sie wurde häusliche Quarantäne verordnet. Die Behörden schauen genau hin, wo die Infektionszahlen signifikant ansteigen. Schon eine Feuerwehrübung, ein Fußballspiel oder ein etwas geselliger ausfallendes Zusammentreffen im Gasthaus könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Blick in die Schulen

Maskenpflicht gilt jetzt für alle Schulen im Landkreis, also auch am Platz und auch für die Grundschulen. Eine Neubewertung der Lage an den Schulen stellt Landrat Wilhelm Schneider für die Zeit nach den Herbstferien in Aussicht. Jetzt gelte: "Sicherheit geht vor."

Die aktuellen Fallzahlen nach Gemeinden zum 23.10.2020

(in Klammern jeweils bestätigte infizierte Personen / aktive Fälle)

Aidhausen (10 / 3)

Breitbrunn (2 / 2)

Bundorf (4 / 4)

Burgpreppach (6 / 5)

Ebelsbach (5 / 1)

Ebern (29 / 2)

Eltmann (18 / 5)

Ermershausen (21 / 17)

Gädheim (5 / 2)

Haßfurt (56 / 10)

Hofheim (11 / 1)

Kirchlauter (3 / 2)

Knetzgau (34 / 7)

Königsberg (6 / 2)

Maroldsweisach (35 / 6)

Oberaurach (5 / 0)

Pfarrweisach (7 / 3)

Rauhenebrach (7 / 0)

Rentweinsdorf (5 / 0)

Riedbach (7 / 0)

Sand (11 / 4)

Stettfeld (3 / 0)

Theres (7 / 1)

Untermerzbach (1 / 0)

Wonfurt (3 / 0) Zeil (19 / 0)

Landkreis gesamt (320 / 77)