Seit längerer Zeit ist die Stadt Haßfurt energieautark und versorgt sich ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Zurecht hat sie sich den Titel "Grüne Stadt" auf ihre Fahnen geschrieben. Es fehlte noch der Grünen-Ortsverband. Den gibt es seit Freitag. Zehn Mitglieder der Partei, die ihren Wohnsitz in Haßfurt haben, votierten während der Gründungsversammlung im Gasthaus "Meehäusle" einstimmig für die Gründung. Der Grünen-Ortsverband in Haßfurt ist der fünfte im Landkreis neben Knetzgau, Theres, Ebern und Oberaurach.

Die Haßfurter Grünen, die seit der Kommunalwahl einen enormen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen haben, wollen mit der Gründung die Gunst der Stunde nutzen. "Wir stellen unsere politische Arbeit auf eine breite Basis", sagt Markus Kuhn, der als Initiator "viel Potenzial für grüne Politik in Haßfurt" sieht.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Paul Knoblach aus Bergrheinfeld räumte der neuen Ortsgruppe eine hohe Bedeutung ein. Sie sei ein "Zuzugskriterium", sagte er in seiner Gastrede. Die Stadt Haßfurt bezeichnete er als "gmahte Wiesn", da sie in puncto erneuerbare Energien "unangefochten an der Spitze in Bayern steht."

Die Bezirksvorsitzende Simone Artz lobte das hervorragende Abschneiden der Grünen bei der Kommunalwahl und sagte, dass Haßfurt der 65. Ortsverband im Bezirk Unterfranken sei. Der Grünen-Kreisvorstand und Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Harald Kuhn, nannte die Gründung des Ortsverbands "ein Signal an die Diaspora in Maroldsweisach". Neben dem Ziel, die Frauenquote im Kreistag zu erhöhen, bezeichnete Kuhn als weiteres Ziel die Einrichtung eines Büros im Landkreis als Anlaufpunkt.

Zur Ersten Sprecherin des neuen Ortsverbands wurde Kathrin Glaubrecht gewählt. Sie arbeitet im Landratsamt als Fachkraft für das Pflegemanagement und sieht die Funktion des Ortsverbands darin, "eine offene und sympathische Anlaufstelle für alle zu sein, die sich für ein ökologisches, tolerantes und zukunftsfähiges Haßfurt einsetzen. Wir wollen in der Kreisstadt noch mehr Menschen dafür gewinnen, dem Klimawandel entschlossen und aufgeklärt entgegenzutreten", fügte die Erste Sprecherin hinzu.

Zum Zweiten Sprecher wurde Markus Kuhn gewählt. Der 54-Jährige ist seit 30 Jahren Parteimitglied. Seine Aufgabenfelder sieht er in der Klimakrise, dem Kampf gegen rechte Tendenzen und in der Landwirtschaftspolitik. Zur Schriftführerin wurde Annika Bauer gewählt. Die 41-Jährige stammt aus der Nähe von Tübingen und arbeitet als Sozialpädagogin in ihrer "Wahlheimat", dem Landkreis Haßberge. Zu Beisitzern wurden Pia Rückert und Michael Groll gewählt. Rückert bildet Grundschullehrerinnen und -lehrer aus. Der 48-jährige Groll kommt ursprünglich aus dem Schwarzwald und arbeitet als Sozialpädagoge in Bamberg.

Mit Helene Rümer und Annette Marquardt wurden zwei Urgesteine der Grünen geehrt, die sich jahrelang unter anderem im Stadtrat von Haßfurt und auch im Kreistag engagiert hatten.