Zum Thema Impfen hat Engelbert Schröpfer junior (41) eine klare Meinung. Der Allgemeinmediziner arbeitet in der Gemeinschaftspraxis Ärztezentrum Maintal mit Standorten in Ebelsbach, Eltmann und Kirchlauter. Herr Schröpfer, wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen? Schröpfer: Die ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung allen Menschen ab 60 Jahren sowie chronisch Kranken und Schwangeren. In Bayern wird die Grippeimpfung wegen der immer noch aktuellen Pandemie aber ausdrücklich jedem empfohlen. Wer schon einmal eine echte Influenza durchgemacht hat, will auch eine Impfung. Die meisten Menschen setzen einen grippalen Infekt mit einer Grippe gleich.

Warum ist die Impfung in diesem Winter besonders wichtig?

In der Grippezeit ist ist das Risiko hoch, dass Patienten gleichzeitig oder in zeitlich nahen Abständen an Corona und der Grippe erkranken. Das würde auch einen gesunden Menschen sehr schwächen und eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen. Können auch Kinder gegen Grippe geimpft werden?

Ja, auch Kinder ab vier Jahren dürfen geimpft werden. Man empfiehlt die Grippeimpfung ja auch Schwangeren im dritten Trimester. Bei Kindern impfen wir dann auf zwei Mal. Theoretisch gibt es auch für die ganz Kleinen ein Nasenspray. Hier gehen die Expertenmeinungen darüber aber auseinander, ab welchem Alter geimpft werden soll. Das kommt immer auf den individuellen Fall und Vorerkrankungen an. Wird in ihrer Praxis schon gegen Grippe geimpft?

Tatsächlich warten wir schon auf den Impfstoff, denn die heiße Phase beginnt bald. Ich denke, spätestens Anfang Oktober können wir loslegen. Ich hoffe, dass die Hersteller die große Nachfrage berücksichtigt haben Rechnen Sie mit einer großen Nachfrage?

Ja, bestimmt. Bei uns fragen schon Menschen nach dem Impfstoff, die vorher noch nie Interesse hatten. Wer eine Grippeimpfung möchte, soll also bitte vorher einen Termin auszumachen. Darf man zum Impftermin auch mit einem Schnupfen kommen? Jein. Auch bei einer leichten Erkältung darf geimpft werden, wenn das Fieber unter 39 Grad liegt. Auch nach der Impfung kann man leichtes Fieber bekommen oder lokale Rötungen an der Einstichstelle. Das ist aber nach ein, zwei Tagen wieder weg. Das Interview führte unsere Redakteurin Katja Müller

Schokolade fürs Immunsystem: Ohne Rotznase durch den Herbst

Herbstzeit ist Erkältungszeit. Um Viren und Bakterien zu trotzen, braucht es ein starkes Immunsystem. "Man hat noch nicht zu 100 Prozent erforscht, was das Immunsystem genau ist. Es gibt nicht ein spezielles Organ. Es ist das Zusammenwirken verschiedener Faktoren", erklärt Anja Schwengel-Exner, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern. Die Expertin gibt fünf Tipps, wie man möglichst erkältungsfrei durch die anstehende Grippesaison kommt.

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, es darf aber auch mal Schokolade sein.

"Um Viren und Bakterien bekämpfen zu können, braucht der Körper ausreichend Nährstoffe", erklärt die Expertin. "Daher ist eine ausgewogene Ernährung für unser Immunsystem sehr wichtig." Es gibt Nährstoffe, die das Immunsystem unterstützen, so wie Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Leinöl, Nüsse) und Gewürze wie Ingwer, Chili, Muskatnuss. Letztere regen durch ihre Schärfe die Durchblutung an, so werden Nährstoffe besser im Körper verteilt.

"Wenn man es sich figürlich erlauben kann, darf es aber auch mal Schokolade sein", so die Expertin. Das darin enthaltene Tryptophan ist ein Gegenspieler des Schlafhormons Melatonin. Im Körper wird es zum Glückshormon Serotonin umgewandelt. Das hilft unserem Immunsystem, denn je wacher und fitter wir uns fühlen, desto besser kann der Körper auf Virenangriffe reagieren. Die gesündere Variante: Erdnüsse, Schalenfrüchte (Wal- und Haselnuss) sowie Hafer enthalten ebenfalls Tryptophan. Daher ist laut Expertin Porridge mit Nüssen ein Immunsystemstärkendes Winter-Frühstück. Ein warmes Frühstück regt die Schleimhäute an. Diese sind wichtig für die Immunabwehr. Der Honig beruhigt zusätzlich den gereizten Hals. Ausreichend Trinken! 1,5 Liter mindestens.

Ob Mund, Nase, Rachen oder Darm, Schleimhäute sind die Schutzbarrieren unseres Körpers. Sie verhindern das Eindringen von Viren und Bakterien. Doch dieser Abwehrmechanismus kann nur funktionieren, wenn der Körper mit ausreichend Flüssigkeit versorgt ist, um die Schleimhäute feucht zu halten. Die viele Flüssigkeit ist wohl auch ein Grund für den Mythos der Hühnersuppe. Sie ist das ultimative Hausmittel gegen Erkältung und Grippe. Ob sie wirklich das Immunsystem stärkt, darüber streiten sich noch immer die Gelehrten. Die darin enthaltenen Zutaten sind jedenfalls leicht verdaulich. Zusätzlich regen die Wärme und der aufsteigende Dampf der Suppe die Schleimhäute an, ihre Durchblutung wird dadurch gefördert, erklärt Schwengel-Exner. Statt Nahrungsergänzungsmittel lieber zum Fisch oder Öl greifen. "Ernährungstechnisch sind wir in Deutschland gut versorgt", erklärt Schwengel-Exner. Sofern also kein akuter Mangel besteht, sind Nahrungsergänzungsmittel unnötig. Im Gegenteil: "Ihre Wirksamkeit ist nicht nachweisbar, denn wäre ihre Wirkung nachweisbar, wären es keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern Medikamente."

Überschüssiges Vitamin C zum Beispiel wird wieder ausgeschieden. Vorbeugend Tabletten einzunehmen bringt demnach nichts, denn was der Körper akut nicht braucht, scheidet er gleich wieder aus. "Wie meine Kollegin sagte: ,Man vergoldet damit seinen Urin'."

Besteht aber eine tatsächliche Unterversorgung, sollte diese ausgeglichen werden, andernfalls ist der Körper zu sehr mit der Behebung des Mangels beschäftigt und kann sich nicht auf die Immunabwehr konzentrieren.

Joggen? Nicht unbedingt, lieber mit dem Hund raus.

Das Immunsystem lässt sich nicht nur über die Ernährung stärken, auch ein ausgeglichener Tagesablauf mit ausreichend Bewegung und genug Schlaf trägt dazu bei. Denn ein ausgeruhter Körper bedeutet eine gute Immunabwehr. Stress hingegen beeinflusst unsere Widerstandsfähigkeit nachweislich negativ.

"Bewegung ist zwar wichtig, aber gleich Joggen gehen ist nicht notwendig", so die Expertin. Es reiche auch die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen oder täglich 30 Minuten spazieren zu gehen. Einfach in der Mittagspause um den Block laufen, empfiehlt sie. Auch wenn es kalt ist, raus an die frische Luft und in die Herbstsonne, denn nur so kann der Körper Vitamin D bilden. Das "Sonnenvitamin" ist nämlich ein zentraler Baustein unseres Immunsystems. Außerdem fördert der Wechsel von trockener Heizungsluft in die kühle Frischluft die Durchblutung der Schleimhäute und befeuchtet sie. "Da läuft schon mal die Nase, ohne dass man Schnupfen hat", erklärt Schwengel-Exner. "Ich bin selbst Schreibtischtäterin, doch mit meinen Hunden gehe ich täglich spazieren. Das bringt den Kreislauf richtig in Gang."

Wechselbäder stärken das Gefäßsystem.

Vom Hausmittel des Kälteschocks hält die Expertin nichts. "Wechselbäder sind geeigneter. Denn Warm- und Kältereize machen den Körper fitter und steigern seine Widerstandsfähigkeit." Durch den Temperaturunterschied dehnen und ziehen sich die Gefäße immer wieder zusammen. So werden sie elastischer. Das verbessert die Durchblutung.

Wechselbäder helfen auch bei chronisch kalten Füßen. Denn diese können zur Schwachstelle für das komplette Immunsystem werden, erklärt die Expertin. "Nach langem Stehen vorm Glühweinstand sind die Füße eiskalt. Dann steigt man - auch noch ohne Maske - in einen Bus ein, in dem es nur so schnieft und hustet. Dort herrscht in diesem Moment eine hohe Virenbelastung. Doch der Körper kann sich nicht ausreichend davor schützen. Denn er ist so sehr damit beschäftigt, die Füße zu wärmen, dass er die Schleimhäute nicht ausreichend durchbluten kann. Damit ist die Immunabwehr nicht auf Zack und man wird krank."