Es ist der Traum manchen Spaziergängers und Naturfreundes: Man geht einige vorsichtige Schritte über einen frisch aufbereiteten Acker und das Auge bleibt an einem Objekt hängen. Eine Münze? Ein vorzeitliches Werkzeug? Wer hat nicht schon von einem Schatz gehört, der auf einem Acker gefunden wurde und sich als wahrer "Goldschatz" entpuppte?

Solche Tagträumereien sind für ambitionierte Flurgänger manchmal sogar Wirklichkeit. Aber die wahren Profis vom Historischen Verein Haßberge winken schmunzelnd ab. Ihre Freude am Fund ist in den allermeisten Fällen eine ideelle Freude. Monetär sieht es oft ganz anders aus.

Die Rechtslage in Bayern

Wer sich erhofft, seine Finanzen mit einem Schatzfund aufbessern zu können, sollte sich, so informiert Mark Werner vom Historischen Verein auf Anfrage, der Rechtslage in Bayern bewusst sein. Grundsätzlich ist es überall, also auch außerhalb der als Boden- oder Baudenkmal ausgewiesenen Bereiche, verboten, ohne Genehmigung nach Denkmälern zu suchen - auch auf dem eigenem Grundstück (Bayrisches Denkmalschutzgesetz, Art. 7, Nr. 1). Im Artikel 1 sind Denkmäler so definiert: "Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt."

Verbot auf Bodendenkmälern

Wer also glaubt, er könne mit Erlaubnis des Grundstückseigentümers, die natürlich erst einmal die Mindestvoraussetzung für jeglichen Eingriff ist, nach historischen Schätzen buddeln, der irrt. Auf eingetragenen Bodendenkmälern ist es natürlich von vornherein untersagt, in irgendeiner Art und Weise den Spaten anzusetzen. Wer dennoch etwas Historisches findet, ist gemäß des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (Art. 8, Nr. 1) "verpflichtet, dies unverzüglich der Unteren Denkmalschutzbehörde oder dem Landesamt für Denkmalpflege anzuzeigen."

Somit begibt man sich also in die Kriminalität, wenn man ohne Genehmigung der Behörden gezielt, etwa mit Metallsonden, auf Suche nach "Historischen Schätzen" geht.

Bei Funden ist es im Freistaat zudem so, dass Finder und Grundstückseigentümer jeweils zur Hälfte Eigentümer sind. Es ist also abschließend kein seriöses oder gewinnversprechendes "Hobby, auf eigene Faust nach Schätzen aus vergangener Zeit zu graben.

Der monetäre Wert von Funden ist zudem meist sehr gering. Kommen etwa auf einem Acker über 7000 Jahre alte Scherben zum Vorschein, dann kann dies die örtliche Geschichte enorm bereichern und der Fund für die Region einen hohen wissenschaftlichen Wert besitzen.

Welcher Privatmann ist aber, fragt Werner, bereit, für alte Keramikbruchstücke einen hohen Geldwert zu bezahlen? Selbst wenn man antiken Schmuck oder Münzen findet, ist der Wert sehr überschaubar. In Online-Portalen werden römische Münzen fast durchweg im zweistelligen Eurobereich gehandelt, wobei man stets befürchten muss, dass es sich um Fälschungen oder illegale Fundstücke handelt. Enorm ist hingegen der wissenschaftliche Wert, der in solchen Funden stecken kann. Werden etwa römische Münzen ordentlich geborgen, gesäubert und wissenschaftlich ausgewertet, so können diese die regionale Geschichtsschreibung grundlegend ändern.

Funde verändern die Geschichte

So wie dies beispielsweise für den Landkreis Haßberge der Fall ist, wo gewissenhafte Finder eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege arbeiten und hierdurch von fachlicher Seite die Einschätzung erhalten haben, "dass von römischer Anwesenheit im dritten Jahrhundert nach Christus" auszugehen ist. Aber was machten die Römer hier? Waren es Händler, Soldaten oder gar Holzfäller?

Diesen Fragen mit anerkannten Wissenschaftlern nachzugehen, ist viel spannender und bereichernder als der aktuelle Sammlerwert. Gewissenhafte Finder können sich somit einen Namen machen und zumindest zu regionaler Popularität gelangen, was illegalen Schatzsuchern verwert bleibt. Und wer auf einen Fund von der Kategorie "Himmelsscheibe von Nebra" hofft, der sollte sich vor Augen führen, wie es den Findern gegangen ist: Sie wurden erwischt und verurteilt. Hätten sie gesetzestreu gehandelt, so wären sie als berühmte Finder in die Geschichte eingegangen, bilanziert Mark Werner.

Der Historische Verein Landkreis Haßberge, bilanziert Schriftführer Mark Werner, kann sich glücklich schätzen, in seinen Kreisen Mitglieder zu haben, die gewissenhaft mit der Metallsonde umgehen. Diesen Mitgliedern ist es zu verdanken, dass die Heimatgeschichte um ein "römisches Kapitel" bereichert werden kann. Kein Wunder, dass jene Mitglieder somit auch die aktuellen "Stars der Archäologie" im Historischen Verein sind.