Gasalarm in Haßfurt: Kurz nach 10.15 Uhr wurden die Einsatzkräfte von der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt zur Firma Uponor in die Carl-Zeiss-Straße gerufen. Ein Gaswarnmelder hatte angeschlagen, eine Person galt als vermisst.

Die ersten Meldungen, wonach womöglich Propangas ausströmt, bestätigten sich nicht. Ebenso konnte kein Austritt von Erdgas festgestellt werden. Letztlich handelte es sich nach Angaben von Feuerwehr-Einsatzleiterin Julia Volpert (Feuerwehr Haßfurt) um nicht gefährliches Faulgas, das offenbar aus unklarer Ursache aus einem Rohr ausgetreten ist. Somit konnten die Einsatzkräfte bereits kurz vor 11 Uhr Entwarnung geben.

Gasalarm bei Uponor in Haßfurt: Person galt als vermisst

Seitens des Rettungsdienstes hatte die ILS drei Rettungswagen aus Haßfurt, Eltmann und Hofheim, ein Notarzteinsatzfahrzeug aus Haßfurt sowie den Einsatzleiter Rettungsdienst, René Rebhan, alarmiert. Parallel dazu wurde aus der am Wochenende zur Verfügung stehenden Rufbereitschaft des Roten Kreuzes der so genannte Hintergrunddienst alarmiert. Zwei hauptamtliche Rettungsdienstmitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit befanden, wurden gerufen und besetzten umgehend mit einem weiteren Rettungswagen die Rettungswache in Haßfurt, um für mögliche weitere Einsätze zur Verfügung zu stehen.

Bei der Alarmierung der Rettungskräfte war zunächst von einem Gasaustritt im Werk II in der Halle drei der Firma Uponor ausgegangen worden, wie Julia Volpert auf Anfrage mitteilte. Gemeldet war auch, dass eine Person vermisst sei. Dabei sollte es sich um eine Putzfrau handeln. Sofort begann die Feuerwehr damit, die Lage zu erkunden. Tatsächlich nahmen die Feuerwehr-Einsatzkräfte Gasgeruch wahr. Nach einer ersten Mitteilung eines Gebäudeverantwortlichen konnte Propangas ausgeschlossen werden, es hätte sich höchstens um Erdgas handeln können. Ein Trupp unter schwerem Atemschutz begann umgehend mit der Absuche des Erdgeschosses nach der potenziell Vermissten. Messungen der Feuerwehr ergaben schließlich keine Gefahr, es konnte kein austretendes Erdgas festgestellt werden, keines der Messgeräte schlug an, so Volpert. Neben einem Gebäudemanager von Uponor wurden vorsorglich auch die Stadtwerke Haßfurt verständigt, die mit einem Elektro- und einem Gasmeister vor Ort waren, um bei Bedarf notwendige Maßnahmen mit einzuleiten.

Nachdem im Erdgeschoss keine Person gefunden werden konnte, wurde die Absuche auf den Keller ausgeweitet. Auch dort wurde die Putzfrau nicht gefunden. Ob sie zur fraglichen Zeit überhaupt im Gebäude war, blieb zunächst unklar. Nach Angaben der Feuerwehreinsatzleiterin gingen Werksverantwortliche davon aus, dass sie in diesen Stunden mit Reinigungsarbeiten beschäftigt sei.

Faulgas ausgetreten: 40 Feuerwehrkräfte vor Ort

Weshalb das Faulgas ausgetreten ist, blieb zunächst unklar. Auch weshalb der Gaswarnmelder ausgelöst hatte. Nun soll geklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen Gaswarnmelder handelt oder um ein Gerät, das lediglich auf die Verdrängung von Sauerstoff reagiert. "Jedenfalls bestand zu keiner Zeit Gefahr für Mitarbeiter, Einsatzkräfte oder Gebäude", zog Julia Volpert am Mittag ein erstes Resümee.

Neben den Feuerwehren Haßfurt und Sylbach, die primär alarmiert wurden, kamen im Zuge einer Nachalarmierung durch die Einsatzleiterin weiterhin die Feuerwehren aus Prappach und Augsfeld zum Einsatz. So sollte sichergestellt werden, dass für eine mögliche weitere Vermisstensuche ausreichend Atemschutzgeräteträger am Einsatzort vorhanden sind. Ebenso wurde der Feuerwehr-Fachberater "Gefahrgut", Kreisbrandinspektor Peter Pfaff aus Zeil, alarmiert sowie der ABC-Erkunder der Feuerwehr Sand. Insgesamt waren rund 40 Frauen und Männer der Feuerwehren vor Ort.

Das Bayerische Rote Kreuz war mit zwölf Einsatzkräften vor Ort. Auch die Polizeiinspektion Haßfurt hatte Streifen entsandt. Knapp eine Stunde nach dem Alarm konnte der Einsatz beendet werden.

Was bedeutet BRK-Hintergrunddienst? Beim so genannten Hintergrunddienst des Bayerischen Roten Kreuzes handelt es sich um eine Rufbereitschaft, die jeweils mit zwei im dienstfreien Status befindlichen Mitarbeitern des Rettungsdienstes besetzt ist. Die Rufbereitschaft steht immer am Wochenende von Freitag, 18 Uhr, bis Sonntag um 24 Uhr zur Verfügung.

Die Rufbereitschaft wird von der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt immer dann alarmiert, wenn es zu einem erhöhten Einsatzaufkommen im Rettungsdienst kommt und die im regulären Dienst befindlichen Rettungswagen der Rettungswachen Haßfurt, Eltmann, Ebern und Hofheim sowie die beiden Rettungswagen der Stellplätze Schweinshaupten und Untersteinbach bei anderen Einsätzen gebunden sind.

Die Rufbereitschaft besetzt innerhalb kurzer Zeit schließlich die Rettungswache Haßfurt. Bei Bedarf kann dann mit einem zusätzlichen Rettungswagen zu weiteren Einsätzen im Landkreis Haßberge ausgerückt werden.

Stichwort: Gase

Propangas: Propan ist ein farbloses, brennbares Gas und gehört zu den Kohlenwasserstoffen. Es ist schwerer als Luft, wirkt in hohen Konzentrationen narkotisierend bis erstickend und ist hochentzündlich.

Erdgas: Erdgas ist ein brennbares, natürlich entstandenes Gasgemisch, das in unterirdischen Lagerstätten vorkommt. Es besteht hauptsächlich aus hochentzündlichem Methan und ist ein brennbares, farb- und in der Regel geruchloses Gas. Es besitzt eine geringere Dichte als Luft.

Faulgas: Faulgas, auch je nach Vorkommen Sumpfgas, Kanalgas oder Klärgas genannt, ist ein Gemisch von zumeist brennbaren Gasen, das bei der anaeroben Gärung entsteht. Dabei werden biotische Stoffe unter Abwesenheit von Sauerstoff von Bakterien zersetzt, was typisch für Fäulnisprozesse ist. Für den unangenehmen Geruch des Faulgases sorgt neben anderen Gasen hauptsächlich Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern riecht und bei der Gärung frei wird.