Die Waldorfschüler aus Haßfurt können nicht mit einer Sonderregelung im VGN-Tarif rechnen (VGN steht für Verkehrsverbund Großraum Nürnberg). Das zumindest ist das Ergebnis eines Gesprächs aus der vergangenen Woche in Nürnberg.

Vertreter der Waldorfschule, Eltern, Schüler und weitere Begleiter sind am 15. Mai nach Nürnberg gereist, um mit VGN-Verantwortlichen über die Fahrkarten-Problematik zu diskutieren, die sich für über 100 Waldorfschüler durch den Beitritt des Landkreises Haßberge zum VGN ergeben hat. Ziel war es laut Anette Achilles, Geschäftsführerin der Waldorfschule in Haßfurt, eine Vereinbarung zu treffen, die vor allem den Aufwand beim Ticketkauf reduziert.


Neue Fahrpreise

Rückblick und Hintergrund: Zum Jahreswechsel wurde das Verbundgebiet des VGN um den gesamten Landkreis Haßberge erweitert (vorher war nur der Teilbereich Ebern und ein kleiner Teil im Steigerwald an den Verbund angeschlossen). Dadurch ergaben sich neue Fahrpreise, deren Höhe sich nach Tarifzonen richtet. Vor allem längere Strecken werden laut Mitteilung des VGN dadurch oft günstiger als vor dem VGN-Anschluss. In Einzelfällen kann es aber insbesondere auf kürzeren Strecken "zu ungünstigen Konstellationen mit höheren Fahrpreisen kommen", hatte VGN-Pressesprecher Manfred Rupp bereits im Januar dieses Jahres erklärt, als Anette Achilles über den Fränkischen Tag erstmals auf das Fahrkartenproblem ihrer Schüler aufmerksam gemacht hatte. Betroffen sind vor allem Schüler im Alter von sechs bis 14 Jahren, die aus dem Raum Bamberg mit dem Zug nach Haßfurt fahren.


Einigung im Verbund? Eher nicht

Für diese Kinder geht die Umstellung auf den VGN-Tarif zum 1. Januar 2018 laut Achilles mit einer erheblichen Verteuerung von bis zu 40 Euro pro Monat einher (je nachdem, welche Fahrkarte gelöst wird). Denn wegen des VGN-Beitritts können die Schüler nicht mehr ihre Bahncard 50 nutzen, die ein reines Marketinginstrument der Deutschen Bahn ist. Da im Verkehrsverbund aber zahlreiche Unternehmen vertreten sind und die Vergünstigungen, die die Bahn ihren Kunden durch die Bahncard gewährt, von den anderen Unternehmen dann mittragen werden müssten, sieht der VGN keine Handhabe, die Bahncardrabatte verbundsintern auszugleichen.

Immerhin: Die Leitung der Waldorfschule hat, was die Verteuerungen angeht, eine passable Lösung gefunden. So gibt es laut Anette Achilles 114 Schüler, die mit dem "Tagesticket Plus" fahren. Bis zu sechs Personen können mit diesem Ticket mitfahren (maximal zwei Erwachsene), so dass sich nun immer sechs Schüler eine solche Fahrkarte zum Preis von 16,50 Euro kaufen und gemeinsam nutzen, wie Achilles schildert. Damit wird der Fahrtpreis mit 2,75 Euro pro Person sogar wesentlich günstiger als vor VGN-Zeiten (vorher waren es etwa 8,40 Euro pro Tag und Schüler), was Achilles freilich gutheißt, wären da nicht einige organisatorische Probleme: Die Sechsergruppen müssten im Zug theoretisch immer beieinander sitzen, um bei der Kontrolle durch das Bahnpersonal nachweisen zu können, dass ein Ticket gelöst und personalisiert wurde (der Name muss darauf eingetragen werden). Da dies nicht möglich ist, weil die Kinder an verschiedenen Bahnhöfen einsteigen und für alle Fahrgäste freie Platzwahl gilt, haben die Eltern der Schüler ihren Kindern ein Schreiben mitgegeben. Darauf wird der Schaffner hingewiesen, dass "folgende sechs Kinder" von "Montag bis Freitag morgens gemeinsam mit einem Tagesticket plus von Bamberg nach Haßfurt in die Schule und mittags von Haßfurt nach Bamberg zurück" fahren. Unten auf dem Zettel sind dann die Namen aufgelistet.


Kooperatives Bahnpersonal

Das Bahnpersonal sei hier sehr kooperativ, lobt Achilles. "Die sehen das ganz entspannt." Der organisatorische Aufwand für die Eltern aber sei enorm, und Probleme ergeben sich vor allem bei der Heimfahrt, wenn die Schüler zu verschiedenen Zeiten Unterrichtsschluss haben. Außerdem müsse immer eines der Kinder das Ticket bei sich tragen und es sei auch schon vorgekommen, dass der Schüler mit der Fahrkarte krank war. Zudem müsse jeden Tag ein Ticket gekauft werden. Und die Eltern müssten die Kosten kompliziert aufschlüsseln.

Hier wollte die Waldorfschule nun eine Einigung mit dem VGN erreichen, weshalb nach Vermittlung durch das Landratsamt in Haßfurt das besagte Treffen in Nürnberg stattgefunden hatte.
Monatstickets rentieren sich wegen der Schulferien und Wochenenden im VGN-Tarif nicht, bei dieser Konstellation hätten viele Eltern aus Kostengründen zunächst beschlossen, ihre Kinder wieder mit dem Auto zur Schule zu bringen, erklärt Achilles. Deswegen habe man versucht, die komplizierte Beschaffung des Tagestickets Plus im Einzelverkauf sowie den hohen organisatorischen Aufwand zu reduzieren und dem VGN vorgeschlagen, Fahrkarten für alle Schüler zum Gesamtpreis von 47 000 Euro am Anfang des Schuljahres für ein ganzes Schuljahr zu erwerben.

Achilles und ihre Begleiter hatten in Nürnberg dargelegt, dass damit beiden Seiten geholfen wäre, die Waldorfschule kann die Eltern und Schüler entlasten, der VGN hätte die Jahreseinnahmen garantiert, wie Achilles betont. Dass der VGN dazu "nein" sagt, erklärt sie sich so, dass bei 940 000 Fahrgästen, die täglich den VGN nutzen, "unsere rund 200 Schüler, die mit den Öffis fahren", nicht sonderlich zu Buche schlagen. Die von den Preiserhöhungen betroffenen 114 Schüler im Alter von sechs bis 14 Jahren hätten das Nachsehen.

Der VGN hat der Waldorfschule nach dem Gespräch noch einmal schriftlich mitgeteilt, dass nach dem Personenbeförderungsgesetz die "genehmigten Tarife bzw. Beförderungsentgelte nicht über- oder unterschritten" werden dürfen. Zudem seien diese gleichmäßig anzuwenden. "Ermäßigungen, die nicht unter gleichen Bedingungen jedermann zugutekommen, sind verboten und nichtig." Zudem müssten Beförderungsbedingungen und Tarifbestimmungen von der Genehmigungsbehörde genehmigt werden und sind verbindlich anzuwenden. "Eine andere Handhabe haben wir hier leider nicht. Wir können die Schüler bzw. Schülerinnen Ihrer Schule nicht anders stellen, als die der sonstigen Schulen im VGN." Achilles sagt dazu: "Wir sind enttäuscht, dass sich der VGN gar nicht bewegen wollte." Man wolle versuchen, weiter öffentlich auf das Problem aufmerksam zu machen und sich gegebenenfalls nach Alternativen zur Schülerbeförderung umsehen.


Schulaufwandsträger

Die Waldorfschule ist eine Privatschule, die als "staatlich genehmigte Ersatzschule" mit eigenem Lehrplan nicht unter die Sachaufwandsträgerschaft einer Kommune fällt (notwendig dazu wäre der Status "staatlich anerkannte Ersatzschule" mit Lehrplan des bayerischen Kultusministeriums), somit entfällt die kostenlose Schulwegbeförderung durch den jeweils zuständigen Aufgabenträger.