25 Grad im Schatten und strahlender Sonnenschein. Bestes Badewetter also. Doch nicht jeder liebt die Menschenmassen in den Freibädern und an den großen Seen. Eine idyllische Alternative ist da die Erholungsanlage am Weißfichtensee. Sie lädt durchaus auch zum Baden (die Wasserqualität ist bestens), besticht jedoch vor allem durch Ruhe und die Möglichkeit zum Entspannen in freier Natur.

"Hier findet man Erholung pur", schwärmen Maria und Bernhard Schmidt. Die Eheleute aus Stadtlauringen hätten den Ellertshäuser See eigentlich direkt vor der Haustüre. Trotzdem ziehen beide die 40-minütige Fahrt nach Welkendorf bei Ebern vor. "Das ist zwar eine ganz schöne Strecke," sagt Bernhard Schmidt, "aber dafür werden wir allemal entschädigt. Hier ist es herrlich."

1974 eröffnet

Anfang der 1970er Jahre war die Anlage vom Naturpark Haßberge geschaffen worden. Das Naherholungsgebiet mit Spielplatz, Weidentunnel, freiem Bachlauf, Schutzhütte und Feuerplatz ist beliebter Schauplatz für Klassenausflüge, Familien- und Grillfeiern. Seit 1992 wird es von den Staatsforsten unterhalten. "Die machen das sehr gut und halten alles prima in Schuss," lobt der 65-jährige Schmidt: "Wunderbar ist das hier." Besonders gelte das im Juni und Juli, wenn die Sonne hoch genug steht und auf das rings vom Wald umgebene Gelände fällt. Maria Schmidt: "Ab Mitte August ist's hier oft schon ungemütlich kühl."

Die Eheleute kommen seit etwa 30 Jahren hierher. Früher mit den Kindern, die heute beide längst über 30 sind und mit eigenen Familien in der Schweiz leben. Und nun, im Rentenalter, zu zweit. Ganze Tage verbringen die Schmidts am Weißfichtensee, genießen die Abgeschiedenheit an den Vormittagen und erfreuen sich daran, wenn nachmittags Familien kommen und Kinder am Bachlauf an der Südseite des Sees Dämme bauen.

Dann kramt Bernhard Schmidt auch schon mal hilfreich einen Spaten aus seinem selbst gezimmerten Anhängerwägelchen, das einem fahrbaren Puppentheater gleicht, und in dem Liegestühle und Tisch Platz finden. Nicht zu vergessen, die Gaskartusche und der Kocher. Denn die freie Natur fördert den Appetit. "Hier darf ich kochen," grinst der gelernte Elektroinstallateur, der später als Fernmelder beschäftigt war.

Aus der Tiefkühltruhe

Heute steht Kasseler auf der Speisekarte, "mit Kartoffeln und Sauerkraut", zwinkert Schmidt vielsagend und deutet mit der Schöpfkelle auf ein Schild an der Klappe zur "Reiseküche". Ein Tiefkühlfertiggericht. "Oft bereite ich daheim einen Eintopf vor, erklärt Maria Schmidt fast ein wenig entschuldigend. Ihr Mann kocht, während die 62-Jährige liest oder Kreuzworträtsel löst. "Ein herrliches Zigeunerleben ist das", seufzen die beiden und lassen den Blick über den menschenleeren kleinen See schweifen.

Dabei ist es durchaus nicht so, dass die Schmidts nicht leutselig wären. Im Gegenteil, solange es keine Radaubrüder sind.

Kürzlich haben sie eine Handvoll Buben beobachtet, die mit Keschern auf die "Jagd" nach Edelkrebsen gingen. Aber nicht etwa, um sie zu quälen, berichten die beiden: Sie haben sie ausgiebig beobachtet und abends am Ufer wieder freigelassen." Die Tierchen bei ihrem Wettrennen zurück ins Wasser zu beobachten, war selbst für die beiden Senioren eine Schau: Alles im Rückwärtsgang! Schmidt bekennt: "In jedem Mann steckt ein Bub, und wenn er noch so alt ist."

Ein "Schatz" im See

Überhaupt: Der Weißfichtensee birgt immer wieder Überraschungen. Die beiden waren zum Beispiel dabei, als Taucher eine "Schatzkiste" mitten im See gefunden haben. Den Augen der beiden sieht man die Begeisterung heute noch an, wenn sie davon erzählen. In der Kiste war ein großer Stein. Klar, zum Beschweren. Aber auch ein wasserdichter Behälter; darin ein Bleistift und ein Büchlein. Der Schatz sei im August 2012 versenkt worden und jeder, der ihn ausfindig macht, solle sich ins Buch eintragen, ehe die Kiste wieder am Grund des Sees verschwindet, hieß es da. Ehrensache, dass sich die Eheleute Schmidt mit verewigt haben. "Das ist doch spannend!"

"Nessis" gepanzerte Schwester

Dabei haben die Naturfreunde mit modernem Zeugs, wie GPS und Geocaching, gar nichts am Hut. Dann schon viel eher mit all den seltenen Tierarten, die es hier am Weißfichtensee gibt, Feuersalamander und Bergmolche, oder Fische namens Elritze und Moderlieschen.

Vor allem aber mit jener Seebewohnerin, die Bernhard Schmidt spontan Emma getauft hat, als ein kleines Mädchen nach dem Namen des seltsamen Tiers da am Ufer fragte.
Eine Sumpfschildkröte, die hier offenbar ausgesetzt wurde, seit etlichen Jahren Wind und Wetter trotzt und zu stattlicher Größe herangewachsen ist. Etwa 25 bis 30 Zentimeter mag der Panzer des scheuen Seebewohners messen, der sich zur Freude der Badegäste weitaus zuverlässiger zeigt als das berühmte Ungeheuer von Loch Ness.
Emma hat etwas gemeinsam mit den Schmidts. Sie liebt die Ruhe und das Faulenzen am See.

Der Weißfichtensee

Anfahrt Die Anlage ist über die Staatsstraße Haßfurt - Ebern zu erreichen. In Gemünd biegt man nach Süden ab. Am Ortsausgang von Welkendorf fährt man links. Nach etwa einem Kilometer ist man am Weißfichtensee.

Zutritt Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Besucher werden gebeten, die Einrichtungen pfleglich zu behandeln.

Ausstattung Badesee, Sitzgruppen, Liegewiesen, naturnaher Bachlauf, Parkplatz mit Wandertafel, Seilbahn, Rundlauf, Wippe und Schaukeln, Feuerstelle, Quellstein mit Becken, Naturwiese, zwei Schutzhütten, Weidentunnel.