Mit der Mariensäule, dem vom Karl Wendel gestifteten Eisenguss-Gemeindewappen und dem "Träubeles"-Brunnen war der neu gestaltete Sander Dorfplatz bisher schon reich bestückt. Mit dem am Sonntag enthüllten "Raaser"-Denkmal haben die Sander nun ein weiteres Schmuckstück und Zierde in ihrer guten Stube.

Mit dem neuen wunderbaren Kunstwerk soll an die lange Tradition des in Sand ansässigen Korbflechtens und Korbhandels erinnert werden. Bis in die 1950er- und 60er-Jahre hinein wurde in Sand in fast jedem Haus der "Korbmacherei" nachgegangen. Die selbst produzierten Körbe und Korbwaren wurden von Familienmitgliedern auf Handlungsreisen, eben der "Korbraas", in ganz Deutschland bei Haustürgeschäften an den Mann gebracht. Um an diese langjährige Tradition zu erinnern, hatte Korbmachermeister Stefan Rippstein die Idee, den Sander Korbmachern und Korb-"Raasern" ein Denkmal zu widmen.

Skepsis ist gewichen

Am Sonntag nun wurde das vom Künstler Theo Steinbrenner (Schwarzach) neu geschaffene "Raaser"-Denkmal bei einer Feierstunde auf dem Dorfplatz enthüllt und von den Pfarrern Michael Ehrhart und Hans-Christian gesegnet. War die Sander Bevölkerung zuvor aufgrund der Ausführung eines anderen Kunstwerkes doch etwas skeptisch, so fand das bis ins kleinste Detail herausgearbeitete "Raaser"-Denkmal doch allgemeine Zustimmung und höchste Anerkennung.

Arthur Rottmann, der das Korbmacherhandwerk von der Pike auf erlernt hat, stellte mit Bewunderung fest: "Da sieht man ja jeden Schlag." Gemeint ist damit, dass bei den Körben jede einzelne Weidenrutenreihe exakt aufeinander liegt und zu sehen ist.

Fünf Zentner schwer

Die fast in Lebensgröße geschaffene Bronzestatue zeigt einen mit Körben und Korbwaren voll gepackten Sander "Raaser", wie er früher vom Schwarzwald bis zum Nordseestrand auf der "Korbraas" anzutreffen war. Der freischaffende Künstler Theo Steinbrenner (Schwarzach) erläuterte bei der Enthüllung des etwa fünf Zentner schweren Denkmals die einzelnen Schritte und den Werdegang von der Planung des "Raaser"-Denkmals bis zu seinem Guss und seiner Einweihung. Stolz stellte er fest: "Das Werk ist gelungen. Es präsentiert sich in seiner ganzen Schönheit."
Die zahlreiche Teilnahme der Bevölkerung an der Enthüllung und Segnung des "Raaser"-Denkmals kommentierte Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) mit den Worten: "Alle Sander sind elektrisiert zu wissen, wie das neue Kunstwerk auf dem Dorfplatz aussehen wird." Desweiteren ging Ruß auf die Korbmacherei in Sand eine. Aus dieser Zeit stamme auch der Sander Spruch: "Gald it doa" (Geld ist da).

Typische Szene nachgespielt

Noch vor der Enthüllung des "Raaser"-Denkmals spielten Rudi Ruppstein, ein eingefleischter Sander Korbhändler, sowie Karin und Ralf Wagner eine Szene nach, wie früher die Haustürgeschäfte der "Korbraser" abliefen. Die Enthüllung der Bronzestatue nahm die Sander Weidenprinzessin Anna Rippstein zusammen mit der Enkelin des Künstlers Theo Steinbrenner vor. Pfarrer Michael Erhart und Pfarrer Hans-Christian Neiber erbaten den Segen für das Kunstwerk.

Die Einweihungsfeier des "Raaser"-Denkmals wurde musikalisch umrahmt vom Senioren-Blasorchester Sand, das anschließend auch die vielen Besucher auf dem Dorfplatz musikalisch unterhielt. Eine Uraufführung hatte der Männerchor des Gesangvereins 1900 mit dem von Gosbert Krines mit gedichteten und von Harald Kalamala (Oberbreit) komponierten Lied "Es waren die Raaser aus Sand", Heimatforscher Heinrich Weisel aus Zeil überreichte Stefan Rippstein, eine Urkunde aus dem Jahr 1918, wonach ein gewisser Johan Klauer aus Sand ein "Verdienstkreuz für Kriegshilfe" erhalten hat. Die Sander lieferten damals sehr viele Geschosskörbe zum Schutz von Flakmunition.

Tatkräftig und beherzt

Stefan Rippstein, der Initiator für die Schaffung des "Raaser"-Denkmals, führte aus, das Denkmal solle an die weit gereisten Sander Raaser erinnern. Selbstbestimmend zogen sie tatkräftig und beherzt Tag für Tag in die Ferne. Ihnen verdanken wir ein großes Stück unserer Heimatgeschichte."

Stefan Rippstein bedankte sich abschließend bei allen, besonders bei der Gemeinde Sand, bei den Korbhändlern und Korbmachern sowie bei zahlreichen Sponsoren, die mit dazu beigetragen haben, dass man das "Raaser"-Denkmal verwirklichen konnte. Sein Dank gehörte auch allen, die mit dazu beigetragen haben, dass die Enthüllungs- und Einweihungsfeier in einem so würdigen und wundervollen Rahmen gestaltet wurde.