Im Fierster Feuerwehrhaus war am Freitag Kreisheimatpfleger Günter Lipp aus besonderem Anlass zu Gast: Er zeigte den Dorfbewohnern Vorschläge für ihr künftiges Wappen und erzählte etwas zur Geschichte des Ortes.
Ziel ist es, dass alle 22 Ortsteile von Ebern ein eigenes Wappen haben und diese in der Eberner Rathaushalle an der Wand angebracht werden.

Wappen können viele Zwecke erfüllen: Sie können beispielsweise auf Schreiben, Einladungen, Internetseiten oder an der Außenwand der Gemeindehäusern in den Dörfern angebracht werden.


Demokratisch zum Wappen

Günter Lipp hat sich auf Wappen spezialisiert und schon etliche Gemeinde- und Familienwappen entworfen. Seit zwei Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Namen der Ortsteile und hat so nach und nach für jeden ein Wappen entworfen. Seine Auswahl hat der Kreisheimatpfleger immer den Bewohnern der Dörfer vorgestellt - so nun auch in Fierst. "Ich stelle die Entwürfe vor und rede darüber. Wenn es den Bewohnern nicht gefällt, versuche ich es zu optimieren und anzupassen", erzählt Günter Lipp.

Ist die Dorfgemeinschaft damit einverstanden, zeigt Lipp den Entwurf Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), der schließlich sein "okay" gibt. Sind einmal alle 22 Wappen fertig, wird wohl noch im Stadtrat darüber abgestimmt, ob sie alle angenommen werden.

Um die Fierster etwas einzustimmen, zeigte der Kreisheimatpfleger zunächst die schon entworfenen und angenommenen Wappen. Alle Elemente, die in einem Wappen dargestellt werden, haben logischerweise etwas mit dem Ort zu tun: ob der Brunnen im Wappen von Brünn oder eine Eiche im Wappen von Eichelberg. Beinahe zu allen Wappen konnten die Fierster die zugehörigen Orte erraten.


Regeln der Wappenkunst

"Um ein Wappen zu entwerfen, muss man genau zurückschauen, was der Ort aussagt. Und man muss aufpassen: Jedes Dorf hat eigentlich seinen eigenen Bach, seine Linde, Mühle oder Kirche. So muss man schauen, dass nicht jedes Wappen gleich wird. Man muss sich etwas Besonderes herauspicken", erklärte Kreisheimatpfleger Lipp. Seine Herausforderung ist es also, die Besonderheit des Dorfes zu erkennen und dann gestalterisch umzusetzen. "Dafür gibt es bestimmte Regeln. Man muss auch aufpassen, dass es das Wappen noch nicht gibt", sagte er.

Der Name "Fierst" wurde zum ersten Mal um 1320 schriftlich in einer Urkunde erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt war Fierst "rotenhanisch", sprich der Adelsfamilie von Rotenhan unterstellt. Wie Lipp vermutet, dürfte das Dorf noch viel älter sein. Die meisten Dörfer in der Umgebung entstanden um 700 bis 800. Vor der rotenhanschen Zeit gehörte Fierst vermutlich zum Kloster Sankt Theodor in Bamberg. Dörfer unterstanden meist Adeligen, die damals ab und an ein Dorf an ein Kloster gegeben haben, um ihre Seele zu reinigen und in den Himmel zu kommen, erklärte Lipp.

Des Weiteren lebten in Fierst Bauern. Mit in das Wappen einbezogen werden muss außerdem, dass nicht nur das Dorf an sich "Fierst" heißt, sondern der ganze Höhenrücken, auf dem sich das Dorf befindet.


Eine Burg in der Nähe von Fierst

Oft werde erzählt, dass es unweit von Fierst beim Bretzenstein eine Burg gegeben habe: Burg Gutenfels. Wie Lipp berichtete, sei diese früh verfallen und man wisse nicht genau, wo sie gestanden habe. Während manche behaupten, sie wäre bei Wüstenwelsberg gewesen, ist sich Lipp sicher, dass sie in der Nähe von Fierst stand. Die Fierster hätten sich um 1848 sogar an den Überresten der Burg bedient und dort Steine geholt, um sie in ihren Häusern und Scheunen zu verarbeiten. Auf einem Fierster Anwesen ist in einen Stein der Scheune eine Jahreszahl um 1845 gemeißelt. Das könnte darauf hindeuten, dass diese Scheune aus den Überresten der Burg erbaut wurde.
Nachdem die Fierster viel über die Geschichte ihres Dorfes gehört hatten, holte Lipp die Entwürfe hervor. Die ersten beiden Zeichnungen (siehe Foto) unterschieden sich nur in der Farbgebung.

Oben ist bei beiden der Himmel in der Farbe Rot dargestellt. Rot deutet auf die Zugehörigkeit zu den Rotenhans hin. Dann zeigt das Wappen einen Berg, auf dem ein Haus steht, was auf den Namen "Fierst" verweist. Dies ist beim einen Entwurf rot angefärbt - wieder als Hinweis auf die Rotenhans - beim anderen Entwurf grün, was darauf anspielen soll, dass das Dorf ringsum von Wald und grünen Wiesen umgeben ist.
Schließlich ist in beiden Wappen noch eine Pflugschar zu sehen, die verdeutlichen soll, dass in Fierst gute Bauern gelebt haben.

Der dritte Entwurf unterscheidet sich von den ersten beiden darin, dass die Pflugschar durch eine Schaufel ersetzt wurde und ein "Dreiberg" abgebildet ist - ohne das Haus auf dem Gipfel. Die Schaufel solle etwas bewegter sein als eine Pflugschar, und auch auf das "Fierster Lager" hindeuten, wo gearbeitet wurde.

Die Fierster waren sich gleich einig, dass sie das Wappen mit der Pflugschar bevorzugen. Es drehte sich schließlich nur noch um die Frage: Rot oder Grün? Beinahe einstimmig entschlossen sich die Einwohner letztendlich für die grüne Version, da sie der Meinung waren, das würde das Dorf, das ja tatsächlich von Grün umgeben ist, noch besser charakterisieren.