Whiteboards statt Tafeln, Laptops statt Büchern: Der Schulunterricht ist digital geworden. Schon seit mehreren Jahren hält das Bayerische Kultusministerium die Schulen dazu an, sich digital(er) aufzustellen und individuelle Medienkonzepte zu entwickeln. Für die Schulen bedeutete das, ganz klar, erst einmal mehr Arbeit. Corona hat dem Thema eine neue Dringlichkeit gegeben und den Prozess mit Macht vorangetrieben.

Doch auch, wenn das Ziel klar ist: Der Weg dorthin ist mit Unklarheiten gepflastert. Die Corona-Krise lässt zwar Fördergelder für Geräte fließen, doch die Schulung der Lehrer, die Entwicklung einer geeigneten Unterrichtsmethodik, die Anpassung der Lehrpläne und nicht zuletzt die Wartung der Geräte - das alles bleibt den Schulen überlassen. Solche Herausforderungen in der aktuellen Krise bewältigen zu müssen, ist keine leichte Aufgabe.

Wie digital sind unsere Schulen?

Den Schülern der Wallburg-Realschule in Eltmann stehen drei Computerräume mit insgesamt 73 Rechnern zur Verfügung. Zudem sind alle 24 Klassenzimmer mit Whiteboards, Beamern, Rechnern und Dokumentenkameras ausgestattet. Systembetreuer Ralf Schlotthauer hat die Herrschaft über 150 Rechner. Bald kommen noch 45 Tablets dazu. Denn der Freistaat hat ein Sonderbudget für die kurzfristige Anschaffung von Schüler-Leihgeräten aus dem Boden gestampft. Diese Geräte sollen insbesondere im Distanzunterricht eingesetzt werden, falls eine Familie nicht über die notwendige Ausstattung verfügt.

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Schulleiterin Manuela Küfner ist mit der finanziellen Unterstützung des Landkreises und der technischen Ausstattung der Wallburg-Realschule überaus zufrieden. "Ich bin auch sehr dankbar, dass - ausgenommen von zwei - alle 592 Schüler und deren Eltern digital mitziehen. Alle haben eine E-Mail-Adresse und sind auf unserer digitalen Kommunikationsplattform ,Schulmanager‘ angemeldet", freut sich Küfner. Das mache das Miteinander in der Schulgemeinschaft, insbesondere in Zeiten von Corona, leichter.

Bereits online-erprobt

Über die Plattform "Schulmanager" im Internet werden alle relevanten Inhalte veröffentlicht: Elternbriefe, Klassenarbeiten, Hausaufgaben. Auch Krankmeldungen können auf diesem Weg schnell und unkompliziert eingereicht werden. "Unsere Realschule hat sich schon vor etwa zehn Jahren digital auf den Weg gemacht", sagt Systembetreuer Ralf Schlotthauer. Das Lehrerkollegium könne die Vertretungspläne und Kalender seit Jahren online einsehen.

"Durch Corona waren wir gezwungen, uns noch besser zu organisieren. Wir haben die vielen Möglichkeiten, die wir hatten, gebündelt und zu einem übersichtlichen Werkzeug zusammengefasst, das intuitiv verständlich ist", so Schlotthauer. Durch die selbsterklärende Anwendung kämen alle Lehrkräfte gut zurecht. "Ergänzend habe ich intern Schulungen angeboten."

Apropos: Schulleiterin Manuela Küfner wird nicht müde, das Engagement ihrer Kollegen zu loben. "Hier gibt es keine faulen Lehrer. An Feiertagen sind die Fortbildungsseiten im Internet total überlastet, weil alle von zuhause aus die Möglichkeit nutzen, sich online weiterzubilden", sagt Küfner und Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.

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Nur eines könnte das digitale Fortkommen der Schule noch stoppen: die schlechte Internetverbindung und ein löchriges WLAN-Netz. "Wir haben bereits zwei Leitungen mit jeweils 50 Megabit gebündelt und kommen zurecht. Aber wenn mehrere Lehrer gleichzeitig aus dem Klassenzimmer streamen würden, würde die Leitung zusammenbrechen", so Schlotthauer.

Finanzspritze vom Freistaat

Der Landkreis Haßberge ist Sachaufwandsträger der staatlichen Realschulen Ebern, Eltmann und Hofheim, des Friedrich-Rückert-Gymnasiums Ebern und des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums in Haßfurt. "In diese Schulen hat der Landkreis bereits in den Vorjahren investiert. Sie sind mit modernen elektronischen Tafelsystemen (sogenannten Whiteboards, Anm.d.Red.), Dokumentenkameras und Laptops sowie Computerräumen ausgestattet", erklärt Monika Göhr, Pressesprecherin des Landratsamts Haßberge. Das Equipment wurde von 2018 bis 2020 im Rahmen des Bayerischen Förderprogramms "Digitales Klassenzimmer" mit Geräten im Wert von über 360 000 Euro brutto ergänzt beziehungsweise durch modernere Geräte ersetzt.

Live aus dem Klassenzimmer

Um die technischen Neuerungen im Unterricht optimal einzusetzen, investiert auch das Lehrerkollegium des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt viel Zeit - und sogar eigenes Geld. "Unsere Lehrer gehen an ihre Belastungsgrenze und investieren privat viel Zeit, um guten Unterricht zu machen", berichtet Schulleiterin Maria Eirich. Viele Pädagogen hätten sich privat Tablets und Kopfhörer gekauft, um von zuhause aus zu arbeiten, zu unterrichten und sich vor allem einarbeiten zu können.

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In der Praxis versucht das knapp 100-köpfige Kollegium, die Balance zwischen nötig und möglich zu finden. Ein Beispiel: Befindet sich ein Teil der Schüler einer Klasse in Quarantäne, ist es notwendig, die Daheim-Gebliebenen ins Boot zu holen und digital zu unterrichten. Am Regiomontanus-Gymnasium schaltet man in diesen Fällen im Klassenzimmer ein Raummikrofon an, der Lehrer trägt ein Headset. So wird der Ton live zu den Schülern nach Hause übertragen. Auf das Unterrichtsmaterial können sie über die schuleigene Cloud online zugreifen.

Beim Wechselunterricht, bei dem Klassen halbiert und abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden, ist es aus Sicht von Maria Eirich auch möglich und ausreichend, den Schülern Arbeitsaufträge für den nächsten Tage mit nach Hause zu geben, die sie eigenständig bearbeiten. "Unter den Kollegen herrscht ein ungeheuerer Druck, in der Krise guten Unterricht zu machen. Dazu kommen hohe Erwartungen der Eltern und die Verantwortung für die Kinder", schildert Eirich die Belastung der Pädagogen.

Darum sei es ihr an dieser Stelle auch wichtig, ein Lob an ihr Kollegium zu richten: "Ich sehe, wie engagiert alle sind und bin sehr stolz." Natürlich gebe es auch an ihrer Schule Live-Schaltungen, aber dieser Online-Unterricht werde gezielt eingesetzt.

Lehrer im leeren Klassenzimmer

Martin Pöhner, Oberstudiendirektor am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern, nutzt die Möglichkeit einer Videokonferenz mit den Schülern gerne und häufig. "Meist beginnt und endet die Unterrichtsstunde mit einer Videoschalte. Ich begrüße die Schüler und erkläre die Aufgabe, danach können sie von zuhause aus selbstständig arbeiten. Am Ende werden die Ergebnisse besprochen", erklärt der Schulrektor, der auch Sozialkunde unterrichtet.

Befindet sich eine Klasse in Quarantäne, kommen die Lehrer - sofern sie nicht auch zuhause bleiben müssen - zur Unterrichtszeit ins verwaiste Klassenzimmer, setzten sich vor das Notebook und unterrichten online. Aber auch Martin Pöhner ist klar, dass die digitalen Lernformen für die Schüler anstrengend sind und dosiert eingesetzt werden müssen. Auch weiß die Schule um die Gefahren im Internet. Darum sind auch die Gefahren im Netz Teil des Medienkonzepts.