Weil sein 16-jähriger Cousin nach einer Stunde immer noch nicht vom Pizzaholen zurück war, ist ein 19-jähriger Arbeiter aus dem Landkreis am 25. November vergangenen Jahres auf eine dumme Idee gekommen, die er bis heute bereut. Mit später ermittelten 1,98 Promille Alkohol in der Blutbahn setzte er sich abends gegen 19.45 Uhr hinter das Steuer seines Autos, um nach seinem Cousin zu suchen. Weit kam er nicht.


Upsala in den Zaun

In Ditterswind kam er in einer Kurve von der Fahrbahn ab und fuhr in den Zaun und eine Säule, die zum dortigen Schloss gehören. Es entstand laut Eigentümer ein Schaden in Höhe von 10 000 Euro. Am Montag musste sich der Havarist am Jugendgericht verantworten, das ihn wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen zu 30 Euro (1350 Euro) verurteilte. Richter Martin Kober verhängte außerdem eine Fahrsperre von weiteren sechs Monaten.


Es ging lustig zu

Verteidiger Steffen Vogel erläuterte vor Gericht die Hintergründe des Unfalls. Da sein Mandant, der noch bei seinen Eltern wohnt, damals eine "sturmfreie Bude" hatte, lud er seine Freunde nach dem Aufstellen des Christbaums im Dorf zu sich ein. Das Bier floss in Strömen.

Rund zehn Flaschen hatte er intus, bevor er sich ans Steuer setzte, sagte der Angeklagte vor Gericht. Als sich am Abend der Hunger einstellte, bestellten die Freunde Pizza, die der Cousin des Angeklagten mit seinem Mofa holen sollte. Als er und die Pizza dann nach einer Stunde immer noch nicht zurück waren, beschloss der Angeklagte ihn zu suchen, mit den fatalen Folgen, die sich vor allem im Geldbeutel des Angeklagten bemerkbar machen.

Anwalt Vogel verwies darauf, dass sein Mandant - um seinen Führerschein wieder machen zu können - vier Haarproben abgeben musste. Eine Haaranalyse koste 307 Euro. Inklusive Vorgesprächen und Gebühren würden alleine rund 3000 Euro fällig, um überhaupt zur Führerscheinprüfung zugelassen zu werden. Der Angeklagte hat bislang eine blütenweiße Weste. Auch im Verkehrszentralregister ist er ohne Eintragung.

Entsprechend positiv fiel daher das Zeugnis von Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich aus. Der mittlerweile 20-Jährige sei fleißig, gewissenhaft und auch gesellschaftlich integriert und daher nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen.


Geldstrafe ist zu hoch

Durch den Unfall sei er finanziell schwer belastet, unter anderem durch Regressforderungen der Versicherung. Heinrich hielt daher eine moderate Geldstrafe für angemessen, wie auch der Verteidiger. Vogel hielt die Forderung der Staatsanwältin, die für eine Geldstrafe von 2100 Euro plädierte, für zu hoch. Selten habe er solch einen positiven Bericht der Jugendgerichtshilfe gehört, sagte Vogel. Sein Mandant sei ein im Beruf stehender "Muster-Heranwachsender", der aus Sorge um einen Verwandten sich einen Fehltritt erlaubt habe, der mit einer Geldstrafe in Höhe von 750 Euro angemessen bestraft sei.

Zudem habe der Grundstücksbesitzer den Schaden wohl sehr hoch eingeschätzt. Richter Kober blieb in seinem Urteil in der Mitte der Anträge. Der Angeklagte habe Glück gehabt, dass am Ende nur viel Geld und der Führerschein weg seien und weder er noch andere zu Schaden kamen. Das Urteil wurde noch im Gericht rechtskräftig.