Es klang, als habe er Angst vor der eigenen Courage. Mit einem Appell an die Vernunft der Autofahrer beendete Verkehrsreferent Harald Pascher (FDP) die Diskussion über das Konzept für die künftige Innenstadtzone, die der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag in die endgültige Form goss.


Rechts vor links



Mit seinem Aufruf umriss Pascher die gewaltigen Veränderungen, auf die sich die Verkehrsteilnehmer ab Mai im Bereich von Neubrückentorstraße, Kapellen- und Ritter-von-Schmitt-Straße, Marktplatz und Klein-Nürnberg einstellen müssen: Künftig gilt an jeder Einmündung rechts vor links, auch in den Verkehrsadern, die bisher den Durchgangsverkehr aufgenommen hatten. Geparkt werden darf nur noch auf markierten Stellflächen, die die Mitarbeiter des Bauhofes in den nächsten Wochen aufpinseln werden. "Am Anfang kommt es mit Sicherheit zu gewohnheits-bedingten Fehlern", gab Pascher den Propheten.

Pascher rekapitulierte, dass wir "schon seit 20 Jahren an so einem Konzept rumdoktern" und nun eine Minimallösung vorliege. "Ohne bauliche Veränderungen oder gezielte Parkregelungen werden wir unser Konzept nicht zum Erfolg bringen." Auch wünschte sich der FDP-Mann gestalterische Maßnahmen. "Ich kenne keinen Marktplatz, der so wenig Grün hat wie unserer."

Deshalb hatte Pascher zusammen mit dem Sprecher des Agenda-Arbeitskreises Verkehr, Jürgen Hennemann (SPD), ein Elf-Punkte-Papier erarbeitet, das Forderungen enthielt, die über den Vorschlag hinausgingen, die eine Arbeitsgruppe des Stadtrates in mehreren Sitzungen erarbeitet hatte und der zunächst einhellige Zustimmung fand, auch wenn Manfred Fausten (CSU) sein Unbehagen über die Rechts-vor-links-Regelung zum Ausdruck brachte: "Die Leute schimpfen jetzt schon und in Kaltenbrunn wird's auch wieder abgeschafft."
Dennoch stimmte auch Fausten für das Grundkonzept, wonach im Altstadtbereich künftig einheitliche Regeln gelten sollen: Tempo 30, rechts vor links, Parken nur auf markierten Flächen.


Vorerst kein Großparkplatz



Das Mühlenviertel bleibt den Anwohner (und ihren Besuchern) vorbehalten. Der in der Untergasse geplante Großparkplatz wurde von Thomas Wagner (Freie Wähler) zumindest für dieses Jahr in Frage gestellt.
Neu festgelegt wurde die Parkdauer in Parkscheiben-Zonen (wie am Marktplatz). Dort darf tagsüber nurmehr eine Stunde geparkt werden. Ursprünglich waren zwei Stunden vorgesehen gewesen.


Zusätzliche Schikanen?



Zu regelrechten Kampfabstimmungen mit wechselnden Mehrheiten kam es wegen des Pascher/Hennemann-Papiers bei Vorschlägen zu zusätzlichen Stellflächen auf der Fahrbahn von Kapellen- und Neubrückentorstraße.
Franz Geuß (CSU) warnte vor "Slalomfahrten", während Pascher die bremsende Wirkung solcher Parkplätze herausstellte. "Wir wollen eine Tempo-30-Zone, der Verkehr soll aber doch flott durchkommen", hatte er einen Widersinn ausgemacht. Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) sah Probleme gegenüber von Grundstücksausfahrten. "Wir sollten da keine zusätzlichen Schikanen einbauen."

Die meisten der Pascher-/Hennemann-Vorschläge fanden somit keine Mehrheit. Einzig auf dem Markplatz kamen zwei solcher Parkflächen hinzu. Einig waren sich die Fraktionen aber bei der Idee, in der Sutte nur die Südseite parkscheiben-pflichtig zu machen.

In seinem Resümee befand Bürgermeister Herrmann, der sich bei diesem Thema ganz bewusst zurückgehalten hatte, dass "der Arbeitskreis unter Leitung seiner Stellvertreterin Gabriele Rögner (CSU) sehr positiv gewirkt habe". Herrmann: "In verschiedenen Gesprächsrunden hat man sich in relativer Harmonie einer Lösung genähert." Ziel sei es gewesen, die Wohn- und Aufenthaltsqualität wie auch die Verkehrssicherheit zu erhöhen. "Ohne geregelten Verkehr kommt unser Fachwerk-Ambiente eben nicht zur Geltung." Herrmanns Fazit: "Ich freue mich, dass wir an diesem Punkt angekommen sind und verspreche, dass alle Regeln, die wir jetzt neu aufstellen, ständig einer Überprüfung unterzogen werden."