Vor 100 Jahren hatte Ebern einen Verschönerungsverein, dem die Stadt den Anlagenring verdankt. Einer der Antreiber war Schulrat Karl Hoch. Der hat sogar die Schulkinder dazu verdonnert, auf den Anlagenwegen Unkraut zu jäten. Sonst aber waren Bürgerfleiß und Freiwilligkeit angesagt.

Mit der Zeit hatte sich das Engagement in einen Anspruch an die Stadt verwandelt: Anders als auf den Dörfern, wo sich bis heute Vereine wie selbstverständlich um Blumenschmuck und die Pflege von Grünanlagen kümmern, verlassen sich die Städter auf den Bauhof. Dabei werden ehrenamtlich erbrachte Arbeitsstunden durch eine Pauschale belohnt, in vielen Fällen auch Materialkosten ersetzt.
"In den Vereinen auf den Dörfern herrscht noch eine andere Mentalität", sagt Birgit Baier, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Ebern und stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands. "Dort machen die Leute auch noch die Frondienste", wobei sie sogleich ein "in Anführungszeichen" hinzufügt.

Nun will die Stadt sich aber für ihre Bürger und Touristen attraktiv präsentieren, und Bürgermeister Jürgen Hennemann verweist auf ernsthafte Bemühungen im Interesse aller Eberner, den verwildernden Anlagenring um die Altstadt wieder aufzuwerten. Dabei haben sich auch schon Ehrenamtliche eingebracht, mit Arbeitsleistung, beispielsweise aber auch sehenswerten Kunstwerken. Gerade jetzt, im Frühling, blüht es an vielen Stellen des Anlagenrings.


Knappe Mittel

Doch Ebern ist keine Kurstadt, die finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt, und die Bauhofmitarbeiter können nicht überall gleichzeitig eingreifen. Wenn daher heute von Bürgern, wie jüngst aus Kreisen des CSU-Ortsverbands, Mängel und Verbesserungsbedarf im grünen Ring um Ebern angemahnt werden, so kann dies auch zu einer Initialzündung für Eigeninitiative und Bürgersinn werden.
Tatsächlich gibt es bereits allerlei Ansätze, an den Bürgerfleiß von einst anzuknüpfen. Einzelne Ortsvereine haben sich spezialisiert, wie etwa der Käppeles-Bauverein auf die Pflege des Areals rund um die Barbara-Kapelle. Der Obst und Gartenbauverein hat die Weinstöcke beim Polizeigebäude und die Rosenstöcke am Kindergarten gepflanzt und kümmert sich um deren Pflege. Er verwandelt alljährlich den Neptun- zum Osterbrunnen und wieder zurück.

Könnte sich der Verein mit seinen 200 Mitgliedern nicht auch der Anlage annehmen? "Wir sind auf dem absteigenden Ast", winkt Birgit Baier ab, viele Mitglieder seien älteren Semesters. "Wenn der Verein die Pflege der Anlage übernehmen würde, " sagt sie, "dann stünden die Frau Baier und ihr Mann alleine da."


Bürger setzen sich ein

Hoffnung dagegen macht ehrenamtlicher Einsatz am Marktplatz, wo die Kommune hölzerne Blumenkästen aufgestellt hat. Die Schulen haben die Kästen ausgestaltet, berichtet der Bürgermeister, und Bewohner der Rummelsberger Wohngruppen am Marktplatz übernehmen die Pflege und das Gießen. Mit dem Bauhof ist laut Hennemann eine Neubepflanzung ausgemacht, die mit den Rummelsbergern abgestimmt werden soll.


Der Bürgerverein macht mit

"Nach dem Motto: nicht meckern, sondern handeln," so Ingo Hafenecker, hat der Bürgerverein die Gestaltung des Blumenkastens am Grauturm übernommen. Zurzeit ist er mit Osterglocken bepflanzt. Später werde der Verein auch die Sommerbepflanzung übernehmen. "Der Finanzaufwand ist gering", sagt Vorsitzender Hafenecker. Er fände es schön, wenn noch andere Vereine dem Beispiel folgen würden.

"Mich freut sehr", lässt der Bürgermeister wissen, "dass hier wieder einmal Eigeninitiative von Ehrenamtlichen übernommen wird". Auch plane der Bürgerverein an der Stadtmauer, im Wolz'ngarten, einen Bauerngarten anzulegen. "Dies kann gerne von anderen Vereinen oder Bürgern nachgeahmt werden", appelliert Hennemann: "Die Stadt ist froh über jeden, der sich in der Gesellschaft einbringt".

Gerne wäre es gesehen, wenn Pflegearbeiten, auch für Teilbereiche in der Anlage oder von Grünflächen oder Spielplätzen übernommen würden. Er selbst beispielsweise habe das Rasenmähen am städtischen Spielplatz unweit seines Wohnhauses übernommen. "Der Aufwand hält sich in Grenzen", versichert der Bürgermeister: "Wenn viele mitmachen, könnte die Stadt weitere Arbeiten übernehmen." Interessierte können sich bei der Stadt oder direkt beim Stadtbauhof melden. Vielleicht ist Ebern ja heute wieder reif für Tatkraft im Sinne des einstigen Verschönerungsvereins?