"Sind Sie dafür, dass die derzeitige Straßenführung zum Baugebiet am Herrenwald nicht realisiert und stattdessen eine alternative Planung erarbeitet wird?" lautet die Frage zu einem Bürgerbegehren in der Gemeinde Ebelsbach. 482 Bürger stimmten mit ja und schufen damit die Voraussetzung für einen Bürgerentscheid und ein Bürgerbegehren. 306 Stimmen wären nötig gewesen, um das Bürgerbegehren einzuleiten. Die Unterschriftenlisten übergaben die Initiatoren in den Räumen der Verwaltungsgemeinschaft an Bürgermeister Walter Ziegler und Mathias Stretz von der Bauverwaltung.

Die Nachfrage nach Bauplätzen ist in Ebelsbach nach wie vor sehr groß. Das sieht man an der Bebauung am Schönberg. Ach in den letzten Erschließungsstraßen bei Gleisenau sind die Bauplätze, die in Gemeindehand sind, nahezu verkauft und schon bebaut. Deswegen hat man sich im Gemeinderat Gedanken gemacht über ein weiteres Erschließungsgelände "Am Herrenwald" noch oberhalb der jetzigen Bebauung am "Schönberg".

Die ersten Voruntersuchungen reichen bis 2017 zurück. Schon damals war die verkehrsmäßige Anbindung des Gebiets ein besonderes Thema. Eine Alternative war dabei die Erschließung westwärts über eine 900 Meter lange Straße quer zum Hang in Richtung Steinbach mit Einmündung mit Hilfe eines Kreisels in die B26. Der Eingriff in schützenswerte Bereiche am Schönberg, der vom Naturschutz als nicht genehmigungsfähig angesehen wurde, aber auch die immensen Kosten dieser Maßnahme führten dazu, dass man dies nicht weiter verfolgte und weitere Varianten diskutierte.

Im weiteren Verlauf diskutierte man Alternativen und rang sich zur Erschließung eines Teilgebietes durch, da dies in einem beschleunigten Verfahren nach § 13 a BauGB erfolgen könne, wie es hieß. Schon konnten sich nicht alle Gemeinderatsmitglieder damit anfreunden. Angesprochen wurden die schwierigen Verkehrsverhältnisse durch eine Engstelle in Gleisenau, aber auch in der neuen Siedlung ebenso wie die Abwasser-Ableitung.

In der Sitzung des Gemeinderats am 22. Januar 2020 stand der Billigungs- und Auslegungsbeschluss auf der Tagesordnung. Mit 9:5 Stimmen wurde die Planung beschlossen und die Verwaltung beauftragt, das Verfahren mit Auslegung und Anhörung der Träger öffentlicher Belange fortzuführen.

In der Zwischenzeit hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, weil sie die Straßenanbindung aufgrund der Enge, Steigung und Einmündung im Gemeindeteil Gleisenau (Kirchstraße) für sehr problematisch hält. Dies gelte, hieß es, insbesondere in Gleisenau mit der Anbindung an die Staatsstraße und im Bereich der Haselnuss- und Schwarzdorn-Straße. "Wir sind nicht gegen das Baugebiet, sondern nur gegen diese Straßenführung, weil sie zur Erschließung des neuen Baugebietes unpassend und im Berggebiet zu steil ist", meinte Edgar Piacquardio.

Anwohner werden noch mehr belastet

Katharina Dorsch befürchtet, dass die Anwohner noch mehr belastet würden. Es seien schon genügend Risse in Bauten und Mauern zu sehen. "Im alten Dorf gibt es zudem Abwasserproblem und es drückt die Sch . . aus dem Klodeckel heraus. Dies gilt auch bei Starkregen am Berliner Weg."

Der Beauftragte des Bürgerbegehrens Holger Kelle war der Meinung, dass die Bebauung am Schönberg in den letzten Jahren natürlich gewachsen sei, "aber nun ist es an der Zeit, den ganzen Berg mit einer vernünftigen Zufahrt auszustatten. Es werde bislang noch ohne eine solche Zufahrt gemacht, weil es anscheinend bequem sei.

Gerald Makowski berichtete von Gesprächen mit Bürgern, die mit diesem Anliegen auf ihn zukamen. Er wolle sich als Gemeinderat nicht aus der Verantwortung stehlen. Da könne man nicht zuwarten und müsse jetzt dafür kämpfen, dass die Bürger nicht noch mehr belastet würden.

Die anwesenden Einreicher betonten bei der Abgabe der Unterschriftenliste, dass sie lediglich ihre demokratischen Möglichkeiten um die Entscheidung über die Straßenführung zum Baugebiet "Herrenwald" nutzen und eine alternative Planung wünschen. Hierzu sei die Gemeinde doch verpflichtet und dies unterstrichen die Unterschriften.

Wie Mathias Stretz von der Bauverwaltung der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach mitteilte, finde nun die Bürgerbeteiligung statt, die auf der Homepage der Gemeinde eingestellt sei. Dazu erfolge die Anhörung der Träger öffentlicher Belange. Innerhalb eines Monats müsse dann die Zulässigkeit des Bürgerentscheides geprüft und vom Gemeinderat beschlossen werden.