Gingen die Zeiler vor 100 Jahren am Geburtshaus Abt Degens in der Hauptstraße vorbei, bot sich ihnen ein Anblick, der heute kaum mehr vorstellbar ist: Das Holzgebälk der Fassade war verputzt – das Haus sollte steinern wirken. Damit war das Gebäude nicht allein: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele Fachwerkfassaden kaschiert.

Der Begründungsversuch, es habe sich um eine Maßnahme zum Feuerschutz gehandelt, ist nach Auffassung des Zeiler Heimatforschers Ludwig Leisentritt wenig plausibel. Das Feuer hätte sich bei der räumlichen Nähe der Gebäude zueinander ohnehin leicht ausbreiten können. Vielmehr sei eine vorherrschende Modeerscheinung der Grund gewesen. So war ein Steinhaus damals ein Statussymbol. "Darum gibt es auch die Redewendung ,steinreich‘ sein" , erklärt Leisentritt.

Erst in der Nachkriegszeit befreiten die Zeiler ihre Fachwerkhäuser von deren "Hüllen". Wäre der Slogan der Stadt Zeil schon früher entstanden, hätte er also anders ausfallen müssen. Der aktuelle lautet: "Fachwerk, Frohsinn, Frankenwein."

Am heutigen Gasthof zur Sonne an der Gleisenauer Hauptstraße hat sich in Sachen Fachwerk nichts getan. Die Verkehrssituation vor Ort hat sich hingegen radikal verändert. Ein Kind oder gar pickende Hühner auf der Straße wären heute nicht mehr denkbar: Der mittlerweile asphaltierte Verkehrsweg in Richtung Breitbrunn ist stark befahren.

Noch mehr Gewimmel herrscht heute in der oberen Vorstadt und am Floriansplatz in Haßfurt. Doch nicht nur die zahlreichen Autos sind eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren: Das ehemalige Hotel zur Post wurde 1971 abgerissen – nun befindet sich dort ein Supermarkt.

Ein Linde für die Ewigkeit?

Vor Sankt Vitus auf dem Dorfplatz in Untersteinbach steht seit über 400 Jahren eine Linde. Die war bereits früher der Mittelpunkt des Dorfgeschehens. "[Es] sammelt sich das junge Volk bei manchen Gelegenheiten am Abend unter der Linde zum Tanz", beschreibt ein Auszug aus "Das Bayernland" von 1909 das Treiben vor Ort. "Leider schwinden in unserer hastenden Zeit auch im entlegenen Walddörfchen alte Sitten und Gebräuche immer mehr, und man möchte glauben, der alte Lindenbaum wüsste, dass er nicht mehr in unsere Zeit passe und sich überlebt habe", heißt es da weiter. Beinahe waren seine Tage dann auch gezählt: Er sollte im Jahr 1911 gefällt werden, da er "durch und durch hohl und morsch" und deshalb "gemeingefährlich" sei. Dennoch hat er die folgenden Jahrzehnte überlebt.