"And the winner is": Gerd Kanz aus Untermerzbach. Er hat den ersten, mit 2000 Euro dotierten Kunstpreis des Landkreises Haßberge erhalten, der im Rahmen der Projektreihe "Kunststück" für Künstler aus der Region Main-Rhön ausgeschrieben worden war. Mit einem schlichten, aber ausdrucksstarken "Danke!" nahm Gerd Kanz den Kunstpreis 2016 aus der Hand von Landrat Wilhelm Schneider entgegen. Für ihn ist der Preis gleichzeitig ein schönes Geschenk zu seinem 50. Geburtstag, den er am morgigen Dienstag feiern kann.

Gerd Kanz, Maler und Bildhauer, ist einer der 15 Künstler aus der Region Main-Rhön, die für den Kunstpreis nominiert waren und ihre ausgesuchten Werke unter dem Titel "ZwischenRaum - MainRhön" im Schloss Oberschwappach noch bis zum 20. März präsentieren. Die Laudatio auf ihn hielt der Galerist Egon Stumpf im Namen der gesamten Jury im vollbesetzten Spiegelsaal des Schlosses.

Dabei erläuterte er zunächst den Begriff der Kunst. "Kunst ist der Beweis dafür, dass der Mensch seine Welt begreifen kann und nicht nur blind in ihr agiert", sagte der Laudator. Laut dem Philosophen Hegel sei Kunst das Mittel, um die profanen Dinge der Alltagswelt durch die Schönheit und Harmonie in göttliche Sphären zu erheben.


Dichte Schau von Elementen

Wobei Harmonie ein Element der Schönheit sei, die diese erst erklingen lasse. "Harmonie können wir erfühlen, weil Grundmuster unserer Wahrnehmung bei der Betrachtung von Kunstwerken ins Schwingen geraten, und Kunstwerke sind am Ende eines gelungenen Werkprozesses eine dichte Schau von Elementen, die miteinander im Chor der Harmonien schwingen", erklärte Egon Stumpf. Gerd Kanz beherrsche die Raffinesse der Farbklänge. "Nach gründlichem Studium der Partitur seiner Werke ist die eindeutige Entscheidung für die Arbeiten von und damit für den Künstler Gerd Kanz gefallen", so Stumpf unter dem Applaus der Gäste.

"Wir, der gesamte Landkreis Haßberge, dürfen ein Stück weit stolz sein, dass wir mit diesen Preisen ein großes kulturelles Zeichen setzen können", sagte Landrat Wilhelm Schneider (CSU). "Es ist uns mit diesem Wettbewerb gelungen, die geballte kulturelle Vielfalt hier in der gesamten Region sichtbar zu machen!" Auf die Bitte von Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus, der das Schloss Oberschwappach immer wieder für Kunstausstellungen zur Verfügung stellt, den Kunstpreis fortzusetzen, sagte der Landrat: "Wir werden den Kunstpreis sicher weiterführen. Die Details stehen aber noch nicht fest. Dazu werden wir mit den Landräten der Region Main-Rhön erst noch sprechen."

Die Ausstellung "ZwischenRaum - MainRhön" im Schloss Oberschwappach ist noch bis zum 20. März samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (09527/810501) zu sehen. Am Sonntag, 20. März, findet um 14 Uhr eine Themenführung mit dem Titel "Die Kunst des Siegens" mit Ann-Kathrin Müller statt. Mit dabei ist auch der Kunstpreis-Träger Gerd Kanz.

Kanz wurde 1966 in Erlangen geboren, wuchs in Coburg auf und studierte von 1978 bis 1993 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Heute lebt und arbeitet er freischaffend in Untermerzbach im Kreis Haßberge und in Pombia, Griechenland. Derzeit werden auch einige seiner Skulpturen und Tafelbilder unter dem Titel "Essence of growth - Das Wesen des Wachsens" beim Kunstverein Coburg gezeigt. Die Ausstellung dauert noch bis 17. April; die Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags 14 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Telefon 09561/25808.


Weitere Preisträger

Bei der Bekanntgabe des Preisträgers des Kunstpreises wurden noch weitere Preise verteilt. Den Publikumspreis der Firma Benkert aus Altershausen im Wert von 500 Euro erhielt Peter Picciani aus Ipthausen bei Bad Königshofen und der Sonderpreis der Sparkasse Ostunterfranken im Wert von 500 Euro ging an Jannina Hector aus Hofheim.

Für die Leiterin des Landkreisprojekts "Kunststück", Sibylle Kneuer, stand fest: "Die Ausstellung "ZwischenRaum - MainRhön" als Höhepunkt der Veranstaltungsreihe Kunststück beweist, dass es in der Region hochkarätige Kunst gibt, dass ein Publikum für diese Kunst vorhanden ist und dass professionelle Vermittlung den Raum zwischen Kunst und Publikum überbrücken kann." Das Kunststück habe ein Netzwerk kreativer Köpfe geschaffen, zunächst im Landkreis Haßberge und nun auch darüber hinaus. Es habe den Künstlern eine Bühne bereitet; nicht im Hinterhof oder als Beiwerk im Schaufenster, sondern um ihrer selbst willen. "Die vielen Besucher und die 285 abgegebenen Stimmzettel für den Publikumspreis sind ein eindrucksvoller Beleg dafür, welches Potenzial in der Kultur auf dem Land steckt", sagte Sibylle Kneuer, die auch den Preisträger des Publikumspreises vorstellte.

"Der Holzbildhauer Peter Picciani, befasst sich oft mit Archetypen und anderen Zeitgenossen und so passt auch seine Arbeit "Soziales Netzwerk" in sein Gesamtkonzept", erläuterte sie. Die Arbeit zeige eine lose Gruppe verschiedener Jugendlicher, die vertieft in ihre Smartphones völlig isoliert voneinander agierten. Zugleich seien sie aber über die Gerätschaften in virtuellen Netzwerken unterwegs. "Hier zeigen sich Ironie und Widerspruch, Gesellschaftskritik und feine Beobachtungsgaben. Denn die Charaktere sind aus dem Leben gegriffen und ganz genau beobachtet, sie sind auf den ersten Blick zwar alle gleich und doch sehr individuelle Persönlichkeiten unterschiedlicher Sozialisierung", sagte Sibylle Kneuer. Dies alles habe das Publikum angesprochen, was die Äußerungen der Wähler auf den Stimmzetteln zeigten. Sie reichten von "Vorzügliche Sozialkritik", "Den Zeitgeist gut getroffen" und "Genau beobachtet, witzig, aktuell" bis hin zu "Ein buntes Bild der Handy-Kultur". Peter Picciani, der den Preis aus der Hand des Stifters Jochen Benkert hocherfreut entgegennahm, sagte humorvoll: "Man sagt ja, dass Kunst Geschmackssache ist. Also ich finde, das Publikum hat einen guten Geschmack!"


Kunstpreis tut den Künstlern gut

"Der Kunstpreis tut den Künstlern gut", betonte Jürgen Hochmuth, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler und Jurymitglied. Auch weil das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Künstlers gerade mal bei 3.123 Euro liege. Die Jury sei einhellig der Meinung gewesen, dass auf dem Siegertreppchen noch ein wenig Platz für die Künstlerin Jannina Hector sein müsse. "Denn ihre Arbeit hat uns in ähnlicher Weise beeindruckt wie die Arbeit des Preisträgers", erklärte er. Dafür, dass die Sparkasse Ostunterfranken sich spontan bereit erklärt habe, den Preis zu stiften, sei er sehr dankbar. Die "Papiretten" der Künstlerin, grazile Objekte aus Papier, seien keinesfalls nur architektonische Baukörper. "Ich sehe sie in ihrer Fragilität und Verletzlichkeit als Projektionsflächen menschlicher Träume und Visionen", so Jürgen Hochmuth. Der leichte, vielseitige und lebendige Werkstoff Papier sei ein bevorzugtes Gestaltungsmittel der Künstlerin. "Bemalt wird Papier zur Spielweise künstlerischer Botschaften und das reizt sie. Daraus gewinnt sie ihre schöpferische Kraft", erklärte der Laudator, der Assoziationen zu den Begriffen Hülle, Behausung und Turm zog und die Besucher anregte, bei ihrer Begegnung mit den Objekten daran weiterzudenken. Jannina Hector nahm den Preis ebenfalls erfreut aus der Hand von Andreas Linder, Vorstandsmitglied der Sparkasse Ostunterfranken, in Empfang. "Auch auf kleinstem Raum kann etwas geschehen", sagte sie und schilderte, wie sie die drei Objekte im Zimmer ihres Mannes im Altenheim angefertigt hatte.