Den Umgang mit Gold und blank poliertem Metall ist er gewöhnt. Dass der Glanz allerdings ihm persönlich gilt, und diesmal nicht seinem Herrgott ist für Adam Göller eine Besonderheit. Und dass er nicht im Hintergrund bleiben, sondern im Vordergrund stehen soll ebenfalls. Das mag der beinahe 89-Jährige eigentlich gar nicht besonders. Doch bei der Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Ebern am Freitag kam er nicht drum herum. Ebenso wird es am Sonntag sein, wenn ihm am Ende der Hauptmesse in der Stadtpfarrkirche die silberne Ehrennadel des Bistums Würzburg verliehen wird. Grund für so viel Ehren ist sein beinahe drei Jahrzehnte währender ehrenamtlicher Einsatz als Mesner.

Domkapitular als Gratulant

Göller ist der 74. Träger der Eberner Bürgermedaille, die seit 1982 verleihen wird. Bis auf vier Fälle widmete der Stadtrat die Medaille jeweils Personen, welche direkt aus Ebern stammen, sagte Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) bei der Ehrensitzung des Stadtrats zum Kirchweihauftakt. In vier Fällen wurden Persönlichkeiten von außerhalb für ihre Verdienste um die Stadt gewürdigt.
Diesmal honorierte der Stadtrat also die Leistung eines Mitbürgers, der sich über annähernd drei Jahrzehnte um die katholische Pfarrgemeinde und damit auch um das Gemeinwohl in Ebern verdient gemacht hat. So passte es auch, dass die Festrede an diesem Abend mit dem Domkapitular Clemens Bieber ein hoher geistlicher Würdenträger hielt. Bieber ist Leiter der Hauptabteilung soziale und caritative Dienste im Bischöflichen Ordinariat Würzburg und Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands. In einem Vortrag über bürgerschaftliches Engagement wertete er Göllers Wirken als ein Beispiel dafür, "wie durch ehrenamtliches Tun Mitmenschlichkeit gepflegt, Solidarität in der Gesellschaft gefördert und das soziale Netz verdichtet wird". Dies sei möglich, weil viele Menschen ihre Mitverantwortung für das Gemeinwesen wahrnehmen.

Die Zuverlässigkeit in Person

Seit dem Ostersonntag des Jahres 1984 übe der gebürtige Kottendorfer Adam Göller seinen Dienst in der Pfarrkirche, in der Marienkapelle und in der Spitalkirche aus, "mit der Zuverlässigkeit einer Schweizer Uhr," lobte der Bürgermeister, der zum festlichen Anlass die Amtskette umgelegt hatte: "Immer sind Sie zur Stelle, zuverlässig und pünktlich." Selbst ältere Kirchgänger könnten sich nicht erinnern, dass der ehemalige Kugelfischer-Mitarbeiter Göller auch nur einmal fehlte.
Neben der Vor- und Nachbereitung der kirchlichen Feiern und dem Dienst während der Liturgie und sonstigen Formalien sorge er für blitzblanke Sakralgegenstände, den einwandfreien Zustand der Gewänder und des gesamten Gotteshauses sowie seines Umfeldes, lobte der Bürgermeister: "Sie werden also der Ursprungsbedeutung des Wortes Mesner voll gerecht." Das lateinische Wort "Mansionarius" bedeutet "Haushüter".
Was Göller mit 89 Jahren noch mit der gleichen Zuverlässigkeit und demselben Elan wie eh und je ausübe, sei "kolossal und eigentlich unglaublich", befand der Bürgermeister und fand sich durch den Applaus der Gäste im Rathaus bestätigt: "Ihr Einsatz wird wahrgenommen, er trägt auch Früchte. Und wir alle wissen, wie wichtig es gerade heute ist, positive Vorbilder zu haben, und Sie sind ein Vorbild."
Göller war bereits 60, als er sich vom damaligen Stadtpfarrer Heinrich Knauer zum Mesneramt überreden ließ. Da hatte er längst ein aufrüttelndes und beschwerliches Leben hinter sich. Als viertes Kind eines Landwirts geboren hatte er nach acht Jahren Volksschule in Lußberg ein Pflicht-Landjahr im sogenannten "Reichsarbeitsdienst" in Stettfeld ableisten müssen.

Fünf jahre in Gefangenschaft

Nach einer Lehre für das Maschinenbau- und Schlosserhandwerk in Salmsdorf und einem Praktikum bei einer Flugzeugbaufirma in Fürth, begann Göller im Kriegsjahr 1942 ein Ingenieurstudium in Berlin. Im gleichen Jahr wurde der 18-Jährige zum Kriegsdienst einberufen.
In Tunesien geriet er 1943 in die englische Kriegsgefangenschaft und wurde später nach Algerien, Oklahoma/USA sowie zuletzt in zwei französische Gefangenenlager überstellt. Als Kriegsgefangener in Frankreich war Göller unter anderem auch als Bergmann in einem Kohlebergwerk tätig. "Eine lebensgefährliche Arbeit, bei der viele Kriegsgefangene starben", sagte der Bürgermeister beim Blick auf die Vita des Bürgermedaillenträgers, der auch in Gefangenschaft sein Studium fortzusetzen suchte. 1948 gelang dem inzwischen 24-Jährigen die Flucht aus dem Lager und die Rückkehr nach Kottendorf.
Sein Ingenieurstudium in Nürnberg indes musste er aus Geldmangel bald wieder an den Nagel hängen. Stattdessen fand er Anstellung bei der Firma Kugelfischer, wo er bis zum Ruhestand als Meister in der Bremsen- und Hydraulikabteilung arbeitete.

Eintrag ins "Goldene Buch"

Im Mai 1950 heiratete Göller, der jahrzehntelang auch bei der Feuerwehr aktiv war, seine Frau Rita, eine geborene Hofmann aus Kirchlauter. Sie, beider Tochter Bernadette Arnold und Sohn Josef-Thomas und viele weitere Ehrengäste wohten dem Festakt im Rathaus gestern Abend bei und beklatschten die Auszeichnung für Adam Göller, der sich zum Abschluss ins "Goldene Buch" der Stadt eintrug.