Der Bürgermeister von Maroldsweisach, Wilhelm Schneider (CSU), macht seinen Bürgern immer wieder mal Beine. In unregelmäßigen Abständen lädt er seit acht Jahren zu Gemarkungswanderungen ein. Einerseits, um die Ausmaße des Gebiets der Marktgemeinde darzustellen, andererseits, um unterwegs auf lokale Probleme hinzuweisen. So werden die Wanderungen mitunter zu einer Art "Bürgerversammlung im Vorbeigehen".

Ursprünglich bedeutete das Wort "Gemarkung" schlicht und einfach Grenze. Später sprach man vom Gemeindegebiet und von gemeindefreiem Gebiet. Die Gemarkungen wurden in der Regel genau dokumentiert und mit natürlichen, später künstlich gesetzten Markzeichen abgegrenzt. Dabei spielten und spielen die Feldgeschworenen bis heute eine wesentliche Rolle.

Von der Gebietsreform verändert


Nachdem bei früheren Gemarkungswanderungen die Außengrenzen der Marktgemeinde abgewandert worden sind, wurde am Sonntag "Neuland" betreten. Erstmals ging es darum, die Innengrenzen der einzelnen Gemeindeteile abzuwandern, um deutlich zu machen, welche Flächen die früher selbstständigen Ortsteile bei der Gebietsreform in den Markt eingebracht haben. Bei den Eingemeindungen im Zug der Gebietsreform in den 1970er Jahren bleiben nämlich die Gemarkungen der zusammengelegten Gemeinden erhalten.

Die Gemarkungswanderung begann zwischen Eckartshausen und Wasmuthhausen an der Gemarkungsgrenze, wo der Bürgermeister etwa 50 Wanderfreunde und Heimatverbundene begrüßen konnte.

Der Bürgermeister verwies darauf, dass die örtlichen Feldgeschworenen zusammen mit Bauamtsleiter Michael Rahn und Bauhofleiter Gerd-Peter Schmidt die Grenzen und damit die Wanderstrecke über Wasmuthhausen, Dürrenried und Eckartshausen zusammenstellten. So bot sich eine interessante Wanderung. Während der Wanderung wurde deutlich, was die Fränkische Erbteilung für das hiesige Gebiet bedeutete. Die Flächen wurden durch Verkauf, Erwerb oder Aufteilung auf Erben immer kleiner, was den landwirtschaftlichen Betrieb erschwerte. So leistet die Flurneuordnung gute Dienste, um wieder Flächen zu erhalten, deren Bebauung wirtschaftlich ist.

Auch gemeindefreie Gebiete


Unterwegs erfuhren die Teilnehmer auch, dass manche Teile einer historischen Gemarkung zu verschiedenen politischen Gemeinden oder gemeindefreien Gebieten gehören. Das hängt mit der Auflösung von Gemeinden durch Gemeindegebietsreformen sowie der Übernahme von gemeindefreien Gebieten in benachbarte Gemeinden, wobei die Gemarkungsgrenzen, die ursprünglich den Gemeindegrenzen folgten, erhalten blieben. Durch den Schneefall von Freitag auf Samstag wurde die Gemarkungswanderung zu einer "Winterwanderung" bei herrlichstem Sonnenschein.

Am Nachmittag wurde als Ziel die Gemarkungsgrenze in der Nähe der Biogasanlage bei Wasmuthhausen erreicht. Im Bereich der Wälder konnte Förster Rupert Fichtner etliches erzählen. Immer wieder stießen die Wanderer an Landesgrenzen und erfuhren, wo die Grenzen des Königreich Bayern einst das heutige Gebiet des Marktes Maroldsweisach tangierten.