Bürgermeister Thomas Stadelmann hätte die Strecke nicht mit seinem Roller abfahren dürfen. Das war aber auch schon die einzige Kritik, die die Landkreis-Bürgermeister an ihrem Zeiler Kollegen übten. Stadelmann, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags im Landkreis, organisiert alljährlich einen viertägigen Ausflug der Bürgermeister für den Gemeindetag Haßberge. Bis zu 20 Bürgermeister der Haßberge-Kommunen, der Landrat und Vorstände der Sparkasse waren per pedes unterwegs. Ein vorher mit dem Gesundheitsamt abgestimmtes Hygienekonzept ließ es zu, den Ausflug zu absolvieren; die Corona-Ampel stand zu diesem Zeitpunkt noch auf Grün.

Weil in diesem Jahr alles anders ist, wurde keine Busreise in die weitere Umgebung geplant, sondern die Bürgermeister blieben daheim und entdeckten ihren Landkreis aus der Wanderer-Perspektive. Jürgen Hennemann (Ebern) hatte die Tour von Ort zu Ort vorgeschlagen. Die Strecke, die am ersten Tag 25 Kilometer betrug, 16 Kilometer am zweiten und 26 Kilometer am dritten Tag, wirkte auf den ersten Blick überschaubar. Die Streckenwahl musste sich aber insbesondere nach den Übernachtungskapazitäten im Kreis richten.

Vom Start in Untersteinbach im Steigerwald führte der Rauhenebracher Bürgermeister Matthias Bäuerlein über den Wotansborn und den Böhlgrund nach Zell am Ebersberg. Angereichert wurde die Wanderung von Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner, der die Bürgermeister über die Arbeit der Staatsforsten im Allgemeinen und im Steigerwald im Besonderen informierte. Naturbelange und Wirtschaftlichkeit sollen nach seiner Darstellung in Einklang gebracht werden, dazu die Nutzung des Walds für Sport und Erholung. Hier wollten Spaziergänger genauso wie Mountainbiker auf ihre Kosten kommen.

In Zell am Ebersberg war eine Weinprobe der Abt-Degen-Weintal-Winzer Peter Götz und Florian Mühlfelder angesagt, und die Bürgermeister durften noch auf den Schlossberg hinauf, bevor es nach Zeil zu "Bauer Robert" zum Abendessen ging. Hier mussten die ersten Fußschäden verarztet werden.

Die Gesamtbefindlichkeit wurde am nächsten Tag unter der Führung des Zeiler Bürgermeisters Thomas Stadelmann nicht besser: 15 Kilometer von Augsfeld über die Hohe Wann und auf dem Haßbergtrauf hinüber nach Königsberg und weiter nach Rügheim führten über schöne Wege und waren von der Strecke her zwar überschaubar, boten aber einige Schwierigkeiten. Bei der Pause auf dem Königsberger Schloss informierte Burgvogt Edi Klug über die Geschichte der Anlage. Die Verpflegung gab's, wie an allen Tagen, aus dem Begleitfahrzeug von Monika Stadelmann.

Interessant war dann nach Eintreffen in Rügheim die Bierprobe bei den ortsansässigen Kommunbrauern. Die Bürgermeister hörten die Geschichte, wie es gelang, das Brauhaus zu renovieren und wiederzubeleben.

Die Förderung des Ehrenamts ist in allen Gemeinden ein Thema. Bürgermeister Wolfgang Borst informierte über den Hofheimer Weg: "Wenn die Dorfgemeinschaft eines Stadtteils Geld für ein Projekt aufbringt, gibt die Stadt einen Anteil dazu."

Im Landhotel Rügheim informierte Vorstandsvorsitzender Peter Schleich von der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge über die aktuelle Situation im Bankensektor und die zurückliegenden Monate. Er ging dabei insbesondere auf die Fusion der beiden Institute (Schweinfurt und Ostunterfranken) und die daraus resultierenden Veränderungen ein. Insgesamt habe man sich mit dieser Fusion gestärkt für die Aufgabe der Finanzierung der regionalen Wirtschaft.

Die dritte Etappe von Rügheim über Bramberg, Bischwind und Brünn nach Ebern, von Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann geplant, wurde großenteils per Fahrzeug zurückgelegt. Zum einen weil Knie, Rücken, Füße und Schuhe vielfach gelitten hatten und es mit 26 Kilometern die weiteste Strecke der Drei-Tage-Wanderung gewesen wäre, zum anderen, weil in diesen Tag auch viel Programm gepackt war. So zum Beispiel eine Besichtigung der Burgruine Bramberg und ein Zwischenstopp bei dörflichen Produkten in Bischwind am Raueneck in der alten Schule beim SV Bischwind.

Informationen über den Stadtteil Bischwind und die Herausforderungen eines landwirtschaftlich geprägten Dorfes gab der Eberner Stadtrat und Biolandwirt Klaus Schineller. Es folgte die Besichtigung eines weiteren Brauhauses, natürlich mit einem Probeschluck bei der Braugemeinschaft Brünn. Hier braut die Dorfgemeinschaft in einem historischem Brauhaus, das der Stadt Ebern gehört, seit 1730 nach der überlieferten Methode im festgemauerten Sudkessel Bier.

Weiter folgten ein Informationsbesuch auf der Ruine Raueneck, wo Günther Lipp die Führung übernahm und die Bürgermeister mit etlichen Anekdoten und Geschichten in die Vergangenheit der Burg versetzte. Schlussendlich stand die Besichtigung des Garnisonsmuseums unterm Hotel "Stadl" in Ebern in der ehemaligen Kaserne auf dem Plan. Dort endete die Wandertour.

Abschließend kam der eine oder andere Bürgermeister bei der Tour zu dem Schluss, dass Wanderer im Steigerwald und in den Haßbergen zwar schöne Landschaften und gepflegte Wege vorfinden, dass aber bei der gastronomischen Versorgung unterwegs noch Luft nach oben ist. Dem Vernehmen nach sind die Bürgermeister einer Wiederholung dieses "Ausflugs daheim" nicht abgeneigt. Nur soll dann weniger gelaufen werden, vielleicht große Strecken mit dem Rad überwunden werden.