Mindestens so stark wie die Landwirtschaft selbst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten das Bild der Bäuerin gewandelt. Längst ist sie aus dem Schatten des Bauern herausgetreten, ist Unternehmerin, erschließt zusätzliche Einnahmequellen, vermittelt Schulkindern Wissen über gesunde Lebensmittel und ihre Erzeugung, bringt deren Eltern bei, wie man damit kocht, organisiert Traditionsfeste im Ort, hat Sitz und Stimme im Gemeinderat oder Kreistag. Entsprechend selbstbewusst präsentierten sich die Bäuerinnen auch beim Landfrauentag in Zeil.
Bei dieser jährlichen Zusammenkunft pflegen die Landfrauen aus dem Landkreis Haßberge Gemeinschaft, sie nutzen sie aber auch, ihre Anliegen öffentlich zu machen und Einblicke in ihre Arbeit zu geben. Das Jahresmotto lautet "Das ist Heimat", und viele Redner des Treffens bestätigten den Landfrauen, dass sie ganz wesentlich an der Gestaltung eben dieser Heimat beteiligt seien: durch ihren Beruf, aber auch durch ihr soziales und ehrenamtliches Engagement. Seit 70 Jahren gibt es die Landfrauen als eigenständige Gruppe innerhalb des Bayerischen Bauernverbandes.
Kreisbäuerin Cäcilie Werner freute sich über eine voll besetzte Halle in Zeil am Tuchanger und stellte fest, dass der Begriff "Heimat" durch den Missbrauch in der NS-Zeit lange belastet gewesen sei. In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung sei Heimat jedoch ein wichtiger Gegenpol, der auch für junge Menschen wieder mehr Bedeutung habe.
In Zeiten von stets geforderter Mobilität sei Sesshaftigkeit zu einem großen Privileg geworden. Dieses Privileg hätten Landwirtsfamilien, denn einen Bauernhof könne man nun mal nicht einfach so verlagern. Wegen ihrer Verbundenheit zur Region fühlten sich die Bäuerinnen und Landfrauen auch berufen, die Heimat lebenswert zu gestalten, etwa durch Erwachsenenbildung und Gesundheitsoffensiven.
Hohes Engagement für die Region bescheinigte sie auch den Mitgliedern von "Unser Steigerwald", wofür sie "höchste Anerkennung" zollte.
Cäcilie Werner wehrte sich gegen verzerrte Darstellungen der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion: "Die Werbung gaukelt eine Idylle vor, die es nicht gibt und nie gab." Im Gegenzug würden Organisationen ohne jedes Wissen über Landwirtschaft das Bild des Landwirts verzerren. Ein Landwirt sorge sich um seine Tiere, "und zwar 365 Tage im Jahr", ebenso um den Boden, der seine Produktionsgrundlage sei.
Von den Kritikern der Landwirtschaft wünschte sie sich "mehr Sachbezug, Sachkenntnis und Respekt statt Polemik und Verletzung". Konstruktiver Kritik würde sich jeder Landwirt stellen, ebenso wie dem Dialog mit dem Verbraucher.
Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) und Landrat Wilhelm Schneider (CSU) dankten den Landfrauen für ihr Engagement in der Region. Schließlich seien es vor allem die Landwirte, die die Landschaft gestalten und in ihrer Vielgliedrigkeit erhalten, wie sie von Erholungssuchenden, Touristen und Freizeitsportlern geschätzt wird. "Sie schauen nicht zu, sie packen mit an und stärken so den Zusammenhalt in unseren Dörfern", dankte ihnen der Landrat.
Parallelen in Sachen Strukturwandel zeigte Sparkassendirektor Peter Schleich auf. Die Landwirtschaft kämpfe um angemessene Preise für ihre Produkte, die Sparkasse ringe mit der Null-Zins-Politik. Und beide müssten sich mit ständig wachsender Regulatorik und Bürokratie herumschlagen. Deshalb müssten Bauern ihren Wirkungskreis vergrößern wie die Sparkasse. Schleich versicherte den Landfrauen jedoch, dass auch die fusionierte Sparkasse der Partner der Region bleibe.
An verschiedenen Orten der Welt, von Ostafrika bis Rügheim, habe er Heimat erfahren, erklärte Dekan Jürgen Blechschmitt. Wichtig sei, dass der, der eine neue Heimat sucht, auf Menschen trifft, die bereit sind, ihm eine neue Heimat zu geben. "Heimat braucht keine Grenzen, auch keine Obergrenzen", sagte der Geistliche. Dies gelte für Arbeitskollegen aus Europa ebenso wie für Flüchtlinge.
Eine besondere Rolle gegenüber dem Verbraucher schrieb Klaudia Schwarz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Bäuerinnen zu. Immer mehr Verbraucher schauten auf regional erzeugte Lebensmittel, die auch in den Supermärkten einen neuen Stellenwert erhalten. Aber die letzte Konsequenz fehle oft: "Viele wollen hochwertig essen, kaufen aber billig ein." Dem Verbraucher fehle Wissen über die Produktion, über Saison und Zubereitung, "und er hat vor allem wenig Zeit". "Wir müssen die landwirtschaftliche Leistung wieder erlebbar machen", betonte Schwarz. Und das täten gerade die Bäuerinnen, etwa wenn sie Schulkinder auf dem Bauernhof empfangen, als Ernährungsfachfrauen in die Schulen gehen und Kochkurse in regionaler Küche anbieten. Dabei dürfe man sich nicht zu früh entmutigen lassen, denn "die Realität schlägt zu oft die guten Vorsätze, die Gewohnheit oder der Preis schlagen das Gewissen".
Zu selbstbewusstem Auftreten und Aufklärung forderte auch der stellvertretende Bezirkspräsident des BBV, Alois Kraus, die Landfrauen auf. Es sei schmerzlich, wenn "die Arbeit durch Un- oder Halbwahrheiten in Misskredit gebracht wird. Und das meist nur, um Aufmerksamkeit zu erregen oder Spenden zu generieren", erklärte er.
In den gleichen Kontext stellte er die Auseinandersetzung um die Zukunft des Steigerwaldes: "Lassen Sie sich durch unsachliche Medienberichte nicht entmutigen. Gehen Sie geradlinig Ihren Weg, wenn Sie davon überzeugt sind, dass es der richtige ist", ermutigte Kraus die Anwesenden.
Als neue Bezirksbäuerin stellte sich Maria Hoßmann vor. Sie stammt aus einem Weinbaubetrieb. Die Eltern empfahlen ihr eine kaufmännische Ausbildung, "damit ich es besser haben würde als sie". Dann habe sie einen Landwirt geheiratet. "Ich bin Bäuerin, und es geht mir sehr gut", erklärte sie voller Selbstbewusstsein. Auch wenn etwas mehr Wertschätzung für die Leistung der Landwirtschaft gut täte. "Die Bauernfamilien geben der Landschaft ein Gesicht, pflegen Traditionen und Gemeinschaft", betonte sie.
Den Landfrauentag gestalteten neben Festredner Markus Söder (wir berichteten in unserer gestrigen Ausgabe) Mundartautor Wilhelm Wolpert und der Landfrauenchor. Dessen Dirigentin, Kirsten Snater, lud gleich dazu ein, im Chor mitzusingen. Die nächste Probe findet am Montag, 5. Februar, ab 19 Uhr im Gasthaus Mützel in Augsfeld statt.
Die obligatorische Spende der Landfrauen fließt in diesem Jahr an Felix Estenfelder, der unter einem seltenen Gendefekt leidet.