"Es war mit Abstand das beste Seminar, bei dem ich je die Möglichkeit hatte teilzunehmen", sagt Tony Oehm. Der 17-jährige Gymnasiast aus Sylbach nahm auf Einladung der hessischen Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) Ende Mai an dem viertägigen Planspiel "Jugend und Parlament" im Bundestag in Berlin teil und durfte die Politikerin sogar in einen "echten" Ausschuss begleiten.


Außerschulisch erfolgreich

Grund der Einladung war die erfolgreiche außerschulische Teilnahme von Tony Oehm im Frühjahr bei dem Projekt "Jugend Forscht" in Frankfurt. An die 300 Jugendlichen dürfen einmal im Jahr die Rolle eines Abgeordneten einnehmen, damit sie die Arbeitsweise des Deutschen Bundestages kennen und verstehen lernen.
Oehm hatte sich bei der Politikerin Kordula Schulz-Asche beworben und wurde ausgesucht, um an fingierten Debattenthemen unter Anleitung von Profis im Plenarsaal des Bundestages teilzunehmen. "Das Seminar bestach vor allem durch die unglaubliche Authentizität und Realitätsnähe des Planspiels sowie der Möglichkeit, die Originalschauplätze in den Parlamentsgebäuden nach Belieben betreten und benutzen zu dürfen", zeigt sich Oehm begeistert von dem Ausflug in die große Politik der Bundeshauptstadt.


Fiktive Abgeordnete

Die jungen Leute übernahmen Rollen von Bundestagsabgeordneten aus drei fiktiven Parteien. Mit Hilfe von Profilen, die die zu spielende Person charakterisiert und deren politische Priorität aufzeigt, konnten sich die Teilnehmer in ihre Rolle hineinversetzen. Tony Oehm war Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der liberalen Partei.

Zu Oehms Aufgabengebiet gehörte die Notwendigkeit militärischer Interventionen in Mali. Im Planspiel durfte allerdings das Land Mali nicht auftauchen, sondern wurde als "Sahelien" bezeichnet, wie Oehm erklärte.
Damit keine reale Parteizugehörigkeit impliziert wird, musste sich der junge Mann zudem mit einem "Aliasnamen" anmelden. Bei Diskussionen in parteiinternen Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen konnten sich die jungen Leute in Fraktionen, Ausschüssen und im Plenum beraten und Themen zur Abstimmung bringen.


Freier Zugang

Tony Oehm erhielt einen Ausweis für den Bundestag für die Dauer des Planspiels und hatte uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in den Parlamentsgebäuden. Bis in die Nacht hinein durfte der junge Mann den Plenarsaal und alle Fraktionsräume betreten. Auch der Zugang zur Kuppel war dem "Abgeordneten in spe" jederzeit durch einen separaten Eingang möglich.

Im Miteinander mit den anderen Teilnehmern aus der ganzen Bundesrepublik konnte Tony Oehm in den vier Tagen Meinungs-Pluralismus intensiv ausdiskutieren. "Die Debatten waren heftig, blieben aber immer sachlich", resümiert er. Toll empfand der Haßbergler zudem die Abschlussveranstaltung mit Norbert Lammert, der als Bundestagspräsident vor den jungen Leuten eine eindrucksvolle Rede gehalten hat.


Unvergessliches Erlebnis

Aber auch die spürbar starke Ausstrahlung der Kanzlerin war für den jungen Mann ein unvergessliches Erlebnis, auch wenn er es etwas Schade fand, dass die jungen Leute nicht gleichzeitig den Aufzug mit Angela Merkel betreten durften. Den echten Politikbetrieb in den Gängen schildert Oehm als sehr lebhaft: "Es war jederzeit möglich, die prominenten Vertreter aller Parteien sehr unbefangen anzusprechen". Und auch beim obligatorischen "Selfie" mit den "Jungen" gaben sich die Politiker stets freundlich.