Ein Arbeitsplatz, das ist für Hans W. (Name von der Redaktion geändert) das schönste Weihnachtsgeschenk, das er bisher bekam. Zehn Jahre hing der heute 40-Jährige zwischen befristeten Jobs und Arbeitslosigkeit. Dank der Unterstützung der Caritas und eines aufgeschlossenen Arbeitgebers steht für ihn diesmal am Ende der Probezeit die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Auch in Zeiten statistischer Vollbeschäftigung ist das für viele Menschen im Landkreis keine Selbstverständlichkeit.

Karla Schreiber betreut das Projekt "Alltag und Organisation", eine Kooperation von Caritas und Jobcenter. Sie greift Klienten des Jobcenters unter die Arme, die schon viele Maßnahmen durchlaufen haben, aber dennoch glücklos blieben. Diese Menschen haben oft mit vielen Hindernissen zu kämpfen: kein Schulabschluss oder keine Ausbildung, Legasthenie, gesundheitliche Probleme oder ein schwieriges Sozialverhalten.

Ohne Vorurteile

Karla Schreiber nimmt sie alle voreingenommen an. Als "ersten Knackpunkt" hat sie, wie sie schildert, die Bewerbungsunterlagen erkannt. In Seminaren lernen die Jobcenter-Klienten zwar, das Anschreiben richtig zu verfassen, doch dann legen sie manchmal keine Arbeitszeugnisse bei, oder Wesentliches wird vergessen. "Wenn ein Enddreißiger bisher nie gearbeitet, aber 20 Jahre lang seine Mutter gepflegt hat, dann muss das natürlich in der Bewerbung aufgeführt sein", erklärt sie.

Eigentlich bräuchte sie als Gegenstück einen "Head-Hunter für passende Jobs". Diese Suche nahm ihr der neue Chef von Hans W. ab. Er wie Hans möchten anonym bleiben, damit die Kollegen weiterhin ganz neutral mit Hans umgehen. Der Chef sucht immer wieder "gute Handwerker, die anpacken, aber auch mit Kunden umgehen können", denn seine Produkte müssen vor Ort montiert werden. Er wusste von den Beratungsstellen der Caritas und nahm von sich aus Kontakt auf.

Unkonventionelle Wege

Mit unkonventionellen Wegen hat er gute Erfahrungen gemacht, auch mit zwei älteren Mitarbeitern, denen er vor Jahren eine Chance gab. "Man rechnet mit einigen Schwierigkeiten, aber für uns beide hat sich jetzt eigentlich eine ideale Konstellation ergeben", freut sich der Chef über den neuen Mitarbeiter. Der fiel zwar nach wenigen Tagen gleich mal aus, weil er sich verletzt hatte.

"Die Erfahrung, dass ein Arbeitgeber so einen holprigen Einstieg aushält, dass er einen Vertrauensvorschuss gibt, ist für Menschen wie Hans extrem wichtig", erklärt aber Karla Schreiber. Seitdem ist Hans zuverlässig, engagiert und bekommt auch sein Privatleben zunehmend in den Griff.

Danach sah es vor einem Jahr nicht aus. Hans hatte als Metallbauer gelernt, verlor aber nach zwölf Jahren wegen Krankheit seine Arbeit. Als Kurierfahrer bekam er seinen Lohn nicht, er meldete sich beim Arbeitsamt und bekam erst mal eine Sperre, weil er selbst gekündigt hatte. Die Schulden von damals schleppt er bis heute mit sich herum. Mit der Agentur für Arbeit hat er nicht die besten Erfahrungen gemacht: "Da wird Dir als Erstes unterstellt, dass Du Probleme mit Drogen oder Alkohol hast, wenn Du keine Arbeit findest", erinnert er sich.

"Die Mitarbeiter in der Agentur und im Jobcenter haben natürlich auch keine psychologische Schulung und zu viele Klienten zu betreuen", erklärt Karla Schreiber, dass die politische Zielsetzung der Jobcenter und die Realität auseinanderklaffen.

Entwicklungen wie bei Hans sind keine Ausnahme: Er wurde immer "rotziger" zu seinen Ansprechpartnern im Jobcenter, riskierte bewusst Kürzungen seines Arbeitslosengeldes, befristete Arbeitsverhältnisse mündeten nie in eine Dauerbeschäftigung, schließlich verlor er sogar seine Wohnung. "Und dann ist der Teufelskreis erst richtig eröffnet: ohne Wohnung keine Arbeit, ohne Arbeit keine Wohnung", erzählt Schreiber.

Da türmt sich alles auf

Dennoch fand Hans aus der Notunterkunft heraus wieder eine Stelle. "Die war gar nicht so schlecht", meint Karla Schreiber, aber er hätte schnell Arbeitskleidung und eine Waschmaschine gebraucht. Das alles gleichzeitig war für ihn nicht zu schaffen. "Meine Klienten kämpfen mit Problemen, darauf kommt man gar nicht, wenn man die Materie nicht kennt."

Seit August arbeitet Hans bei seinem neuen Chef, und dieser sieht sich bestätigt darin, "mal was wirklich Gutes zu tun, nicht einfach nur zu spenden, um sich besser zu fühlen", wie er erklärt. Er bezeichnet den Arbeitsmarkt, der nach Zahlen so gut aussieht, als "zweischneidig". Es gebe zu viele Menschen, die zu gering entlohnt werden. "Dabei sind es doch die Leute mit 1500 bis 2000 Euro brutto, die den Karren in Deutschland ziehen." Er kann andere Arbeitgeber nur ermutigen, nicht nur auf Bewerbungsunterlagen zu schauen, sondern auch Menschen aus der Caritas-Beratung eine Chance zu geben. Karla Schreiber hat derzeit einige Klienten, die keine Ausbildung haben, aber "sehr motiviert sind". Sie würde sich freuen, wenn es auch für sie Perspektiven gäbe.

Hans hat sein Leben mit Hilfe von Karla Schreiber wieder im Griff. Die Schuldnerberatung hilft ihm ebenso. Die Schulden hat er nicht selbst gemacht, er hat auch einen Titel für seine eigenen Forderungen, doch vollstreckt werden kann der vermutlich nicht. Weil er Rückhalt hat, sowohl bei der Caritas, als auch bei seinem neuen Arbeitgeber, wird er aber auch den Weg, der wohl über die Privatinsolvenz führen wird, sicher gehen.