Der Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen Fahrerflucht hat einem 60-jährigen Berufskraftfahrer aus dem Maintal wohl den Arbeitsplatz gerettet. Der Mann, der Baustellenfahrzeuge bedient, kam bei einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt glimpflich davon.

Am 30. September des vergangenen Jahres kurz vor 21 Uhr abends parkte der 60-Jährige mit seinem schwarzen Auto auf dem Parkplatz eines Mehrfamilienhauses rückwärts aus, um zur Arbeit zu fahren. Dabei touchierte er mit dem Heck seines Fahrzeugs einen geparkten weißen Dacia, an dem ein Schaden von rund 2900 Euro entstand. Der Unfallverursacher fuhr weiter, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Ein Mitbewohner des Mehrfamilienhauses, der zum Unfallzeitpunkt gerade eine Zigarette auf seinem Balkon rauchte, hatte den Aufprall gehört. Die Polizei nahm den Unfall auf.

Der Unfallverursacher erhielt einen Strafbefehl, verbunden mit einer Fahrsperre von sechs Monaten, die den Berufskraftfahrer weitaus mehr schmerzte als die Geldstrafe, da er auf seinen Führerschein angewiesen ist. Er legte über seinen Anwalt Wolfgang Heinrich Einspruch gegen den Strafbefehl ein und musste sich daher vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten.

Dort beteuerte er dem Gericht, dass er von dem Aufprall nichts mitbekommen habe. Er sei eng mit dem Geschädigten befreundet und hätte den Unfall nur seiner Versicherung melden müssen.

Der 27-jährige Sohn des Angeklagten saß zum Unfallzeitpunkt nur rund zehn Meter entfernt vom Unfallort in seinem Zimmer am Computer. Das Fenster sei gekippt gewesen und er hätte den Aufprall hören müssen. Er habe jedoch nichts gehört, gab er im Zeugenstand zu Protokoll. Die drei Schrammen am Auto des Vaters seien bereits vor dem vermeintlichen Unfall dort gewesen, versicherte er.

Ein offenbar besseres Gehör hatte ein 62-jähriger Rentner, der zum Unfallzeitpunkt in dem Mehrfamilienhaus auf seinem Balkon rauchte. Er sagte vor Gericht, dass er einen "Bums" gehört habe. Daraufhin habe er in Richtung Parkplatz geschaut und dort ein schwarzes Auto gesehen, das sehr nahe an einem weißen Fahrzeug stand. Das schwarze Auto sei wenig später weggefahren.

Ein Kfz-Sachverständiger belastete mit seinem Gutachten den Angeklagten. Zwei der Unfallspuren auf dem schwarzen Wagen des Angeklagten passten zu den Beschädigungen am weißen Dacia des Geschädigten von der Höhenlage und der Ausformung her, sagte er. Aufgrund der starken Verformung im Dacia müsse es einen starken Anstoß mit einem deutlich wahrnehmbaren Ruck gegeben haben. Das Aufprallgeräusch müsste zudem unter normalen Bedingungen auch im Innenraum des Autos des Unfallverursachers zu hören gewesen sein, so der Gutachter.

Für Anklagevertreter Ilker Özalp war die Schuld des Angeklagten bewiesen. Da der 60-Jährige jedoch weder im Bundeszentralregister noch im Fahreignungsregister "vorgeahndet" ist, sprach sich Özalp dafür aus, den Paragrafen 44 im Strafgesetzbuch anzuwenden, der es ermöglicht, eine Fahrsperre, nach deren Ablauf der Führerschein neu gemacht werden muss, in ein sechsmonatiges Fahrverbot umzuwandeln. Nach Ablauf des Fahrverbots erhält der Fahrer seinen Führerschein wieder. Als Geldstrafe beantragte Özalp 50 Tagessätze zu 35 Euro (1750 Euro).

Verteidiger Heinrich begrüßte das Angebot des Anklagevertreters, die Fahrsperre in ein Fahrverbot umzuwandeln. Die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, ging in ihrem Urteil sogar noch einen Schritt weiter. Sie verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 1400 Euro. Zudem wandelte sie nicht nur die Fahrsperre in ein Fahrverbot um, sondern beschränkte dieses auf das Fahren von Autos, womit der Angeklagte weiterhin in seinem Beruf als Fahrer von Baustellenfahrzeugen arbeiten kann. Dennoch bezweifelte sie die Aussage des Angeklagten, er habe von dem Unfall nichts bemerkt. Diese Sprüche höre sie in Fahrerflucht-Fällen "nahezu immer". Es sei wohl vielmehr so, dass der Unfallverursacher seinen Fehler "nicht wahrhaben" wolle