Traurig, aber wahr: Offenbar in gar nicht so wenigen Beziehungen gehören üble Ausdrücke, Beschimpfungen, Drohungen oder gar Handgreiflichkeiten zum Alltag. Bekommt die Polizei durch Dritte Wind davon, kann das Ganze strafrechtliche Folgen haben. Wenn aber derartige Bedrohungen weder ernst gemeint sind noch so aufgefasst werden, ist das keine Sache für die Strafjustiz.

Dies wurde bei der jüngsten Verhandlung vor dem Haßfurter Amtsgericht deutlich. Obwohl ein 37-Jähriger zugab, betrunken und im Affekt zu seiner Lebensgefährtin "Ich bring dich um" gesagt zu haben, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

"Ich bring dich um" - nur eine Äußerung im Affekt?

Der Streit mit dem üblen verbalen Ausrutscher spielte sich am frühen Nachmittag des 8. April dieses Jahres in der gemeinsamen Wohnung des Paares im Maintal ab. Der ohne Anwalt erschienene Angeklagte sagte zu dem Vorwurf, dass es eine heftige Diskussion gegeben habe. Worum es dabei ging, kann nicht wirklich wichtig gewesen sein, denn das kam im Gerichtssaal gar nicht zur Sprache. Jedenfalls beteuerte der Beschuldigte, dass alles gar nicht ernst gemeint gewesen sei, und betonte: "Ich liebe diese Frau über alles und würde ihr nie etwas antun!" Flehentlich bat er die Richterin: "Bitte drücken Sie nochmal beide Augen zu."

Nachdem die Freundin in den Zeugenstand gerufen worden war, bestätigte sie die Angaben des Beschuldigten. In der damaligen Situation habe sich ein Streit halt "hochgeschaukelt", erklärte sie. Aber so schlimm, wie es geklungen habe, sei es gar nicht gewesen. In der Zwischenzeit habe sie sich mit ihrem Freund ausgesprochen und "jetzt passt alles wieder", sagte die Frührentnerin.

Offenbar war der Mann damals tatsächlich nicht bei Sinnen, denn bei einer anschließenden Blutprobe auf der Polizeiwache ergab sich ein Wert von 1,7 Promille. Er gab an, bereits zweimal eine Drogentherapie absolviert zu haben. Genutzt haben diese Maßnahmen nichts, denn es kam immer wieder zu Rückfällen. Demnächst muss der Arbeitslose wieder auf der Anklagebank Platz nehmen, weil ihm vorgeworfen wird, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben.

Angeklagter steht demnächst erneut vor Gericht - immer wieder Probleme mit Alkohol und Drogen

Bei ihm spielt nicht nur Alkohol eine Rolle. Unschwer war zu erkennen, dass sein Gesicht vom intensiven Drogenmissbrauch gezeichnet ist. Gegen Ende der Verhandlung wurde er ungeduldig, begann zu zittern, presste sich beide Hände seitwärts an den Kopf und es fiel es ihm immer schwerer, sitzen zu bleiben und dem Verhandlungsverlauf zu folgen. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um massive Entzugserscheinungen handelte.

Erst nach Rücksprache mit der Justizbehörde in Bamberg stimmte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft der von der Richterin vorgeschlagenen Einstellung des Strafverfahrens zu. Mit fahrigen Bewegungen bedankte sich der mit einem blauen Auge davongekommene Angeklagte bei der Vorsitzenden. Diese wiederum versuchte, ihm eindringlich ins Gewissen zu reden: "Nutzen Sie die Gespräche bei der Suchtberatung nicht nur, um die Bewährungsauflage aus der vergangenen Verurteilung zu erfüllen, sondern um ihr Leben zu verändern!"