In der Mittelschule Kirchehrenbach fand das 25. Berufspraktische Seminar der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) der Bezirksverbände Ober- und Mittelfranken statt. Zur Jubiläumsveranstaltung war Josef Kraus, der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Autor von "Wie man eine Bildungsnation gegen die Wand fährt", als Hauptreferenten eingeladen.
Lehrer und Erzieher zwischen Lust und Frust? "Mit dieser Thematik verbinden sich hohe Erwartungen aufgrund der vielfältigen Betrachtungsmöglichkeiten dieser beiden berufsbegleitenden Empfindungen, so Kraus, der appellierte, die "Lust" wachzuhalten, mit der Pädagogen in ihren Beruf starten. Für etwa elf Millionen Schüler gebe es nur 800 000 Lehrer/innen an rund 42 000 Schulen. Für etwa 3,5 Millionen Kinder stehen etwas mehr als 400 000 Erzieherinnen in 55 000 Einrichtungen der vorschulischen Kinderbetreuung zur Verfügung.
Insgesamt sei der Anteil von "Nieten und Bremsern" im Erzieher- und Lehrerberuf gewiss nicht größer, als in anderen Berufen. Der Unterschied: In anderen Berufen falle es nicht so flächendeckend auf, wenn einer kein Vorbild ist. Ein Lehrer, der pro Woche an die 400 verschiedene junge Menschen unterrichtet, multipliziert seine Leistung oder auch seine " Durchhänger" wöchentlich bis zu 400 Mal.
Umfragen hätten ergeben, dass sich die Eltern mehr Strenge von den Lehrern wünschten. Das Lehrersdasein werde als "verdammt schwierig" eingestuft. Als größtes Ärgernis nannte Kraus, dass die 16 Kultusminister seit Jahrzehnten keine halbwegs solide Personalplanung und Personalwerbung zustande brächten. Folglich fehlten immer wieder Lehrkräfte. Ebenso gehöre die Vision der wohlerzogenen Kinder der Vergangenheit an. Mamis,d ie den Kindern keine Grnzen aufzeigten, erwarteten die erzieherischen "Basics" vom Personal.
Immer häufiger komme es vor, dass Eltern so tun, als sei der Lehrer das einzige Hindernis auf dem Weg zum Abitur. Überdies würden den Vorschuleinrichtungen und der Schule immer mehr erzieherische Aufgaben aufs Auge gedrückt. Die Schule sei aber als allmächtige pädagogische Feuerwehr und als gesellschaftliche Reparaturanstalt überfordert.
So richtig wütend würden Erzieher und Lehrer, wenn man sie seitens der Politik, der Administration und der sogenannten Bildungswissenschaft im Stich lasse oder sie gar "in die Pfanne gehauen" würden. Neue Evaluationen nützten wenig, angesichts eines Klientels, dem es zum Teil am Integrationswillen fehle.
Kraus nannte es ein Klischee, wenn Bücher titelten: " Auf den Lehrer kommt es an!" Lehrer seien wichtig, aber es komme auch auf die Schüler, deren Eltern, die Bildungsdichte, die Lehrpläne und vieles mehr an, auch auf die Schulstruktur! Und es komme auf die Begabung und die Motivation der jungen Leute an.
Der Schulerfolg sei jeweils zu einem Drittel abhängig von Lehrern, Rahmenbedingungen, Eltern und Arbeitshaltung der Schüler. Souveräne Lehrer ließen sich nicht verrückt machen von "Bildungsexperten". Gute Lehrer seien Fordernde, denn ohne Leistungswillen und ohne Anstrengung würden die Potenziale junger Menschen vergeudet. "Wir brauchen keine Spaßschule, sondern eine Schule, in der Leistung Freude macht." red