Landwirte und Naturschützer gehen Hand in Hand, so dass heuer zahlreiche Kiebitzküken erfolgreich schlüpfen konnten. Die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken bot das Kartieren und Schützen der seltenen Brutvögel der "Roten Liste" dabei erstmals als Umweltbildungsprogramm an. Zusammen mit dem Ornithologen André Maslo lernten Studenten, Landschaftsplaner und Interessierte, warum die Kiebitze in unserer Heimat zusehends seltener werden.
Um dieses Problemfeld zu verstehen, stand nach dem Auffinden der Paare eine enge Abstimmung mit den zuständigen Behörden, Ämtern, Jagdpächtern, Landschaftspflegern und vor allem Landwirten auf dem Plan.


Keine Bearbeitung bis 1. Juli

In diesem Jahr stellte Fr. Gundermann aus Mitwitz erneut eine Fläche zur Verfügung - aktuell werden dort noch Eier bebrütet. Die Brutpaare zwischen Küps und Tiefenklein führen schon kleine Junge. Hier ist der Milchviehhof Renner als neuer Projektpartner dazugekommen. Obwohl man dort auf den Mais, der auf den Flächen angebaut werden sollte, angewiesen ist, wurde gerne ein Teil zur Verfügung gestellt - ein Hektar dient gegen eine entsprechende Kompensationszahlung nun Kiebitzen, Feldlerchen und Co. als Nahrungs- und Brutstätte, da dort bis zum 1. Juli keine Bearbeitung mehr stattfindet. Weil der Mais nach dem Eierlegen der Kiebitze eingedrillt wird, haben die Gelege ohne eine solche Absprache heutzutage praktisch keine Chance mehr.
"Das Projekt hat uns ein paar großartige Momente geboten", freut sich Projektinitiator André Maslo. "Direkt vor einem Kiebitznest zu stehen, es erhalten zu helfen und wenige Wochen später die Jungen munter von den Altvögeln geführt zu erleben, war für die Teilnehmer unseres Seminars eine einzigartige Erfahrung. So schaffen wir bleibendes Engagement", betont André Maslo
Gleichzeitig ist es der Bildungsstätte wichtig, die Mechanismen hinter der Gefährdung der "Bodenbrüter" zu beleuchten. Das geschieht in Workshops, die den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt, Agrarlandschaft und Konsum verdeutlichen. Daran nehmen Schüler der Mitwitzer Montessori-Schule ebenso teil wie Landschaftsarchitekten oder Abiturienten.
"Uns ist es wichtig, gemeinsam mit allen eine Lösung zu finden", erklärt Maslo. "Wenn ein Landwirt wirklich faire Preise für seine Produkte erhält und man beim Einkauf auf regionale und umweltverträgliche Standards achtet, muss er oft nicht mit jedem Quadratmeter nutzbarer Fläche rechnen. So kann jeder etwas dazu beitragen, auch in der Agrarlandschaft die Artenvielfalt zu erhalten." red