Zum zweiten Mal gastierten Vater und Sohn, Reiner und Hans-Henning Ginzel, als "GinzelDuello" im altehrwürdigen Lokschuppen des Deutschen Dampflokomotiv-Museums. Und der gute Besuch unter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln zeigte dem Veranstalter: Die professionellen Cellisten sind im DDM gern gesehene Gäste.

Erneut stellten sie ihr großartiges musikalisches Können unter Beweis und die Besucher spürten vom ersten Augenblick an, dass hier Musiker am Werk sind, die sich ihrem Instrument mit großer Hingabe, ja man kann sagen mit "Leib und Seele", verschrieben haben. Es war ein musikalischer Hochgenuss, wie kongenial Reiner und Hans-Henning Ginzel nahezu eineinhalb Stunden ohne Pause miteinander und mit großer Spielfreude musizierten.

Dass Hans-Henning Ginzel auch Cellist geworden ist wie sein Vater Reiner, der das Fach als Professor an der Musikhochschule in der Landeshauptstadt München lehrt, ist noch nicht alles: Beide gemeinsam bilden ein Duo - das "GinzelDuello", das unter anderem auch eine CD herausbrachte. Als mehrfach preisgekrönter Komponist und Ensemblemitglied am Cello widmet sich Hans-Henning Ginzel erfolgreich der Neuen Musik. Im Konzert treffen Professionalität und Erfahrung des Vaters auf die jugendliche Frische und Spontanität des jungen Cellisten und Komponisten Hans-Henning Ginzel, dessen Improvisationskunst ihn besonders auszeichnet.

Treffsichere Spieltechnik

Für die Leichtigkeit und Gelassenheit von Reiner Ginzel braucht man schon ein paar Jahrzehnte Spielerfahrung und eine absolut treffsichere Spieltechnik, was den Ausdruck betrifft. Sohn Hans-Henning Ginzel ist eher der kraftvollere, ja bisweilen sogar ein recht wuchtiger Spieler. Die Besucher wurden mit außergewöhnlichen Orginalkompositionen für zwei Celli und auch mit eigenen Bearbeitungen von Barock bis zur Gegenwart unterhalten.

Eigene Bearbeitung

Die Bandbreite war gleichermaßen überraschend wie beeindruckend. Mit dem "Duett mit zwei obligaten Augengläsern" von Ludwig von Beethoven wurde das Programm eröffnet. Die einzige Quelle für das Duett ist ein auch als "Kafka-Skizzenbuch" bekannter Sammelband mit Autographen in der British Library in London. Der dort notierte, scherzhaft gemeinte Titel bezieht sich wahrscheinlich auf zwei brillentragende Ausführende. Reiner Ginzel hat das Beethoven "Duett" eigens bearbeitet.

Mit "Variationen über ein Thema von Mozart" imponierte das Duo genauso wie mit drei Inventionen aus einer Sammlung von Johann Sebastian Bach. Die Inventionen sind nicht nur gelegentlich gespielte Stücke, sondern hauptsächlich Übungswerke für Spieler und modellhafte Anweisung zum Komponieren.

Das Musikstück "Habanera" ist der Name einer bekannten Arie aus "Carmen", einer Oper von Georges Bizet. Die Arie wird von der Zigeunerin Carmen gesungen und sie bringt darin ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Liebesbeteuerungen und Annäherungsversuchen ihrer zahlreichen Verehrer zum Ausdruck. Hans-Henning Ginzel hat das Stück auf seine Art "übersetzt": "Es ist ein Tanz, um Männern den Kopf zu verdrehen." Natürlich ließen Vater und Sohn dazu ihren Bogen auf dem Violoncello geradezu brillant tanzen. Ein Highlight war auch die Titelmelodie von "Dr. Schiwago", dem epischen Filmdrama aus dem Jahr 1965.

Mehrere Zugaben

Mit dem Stück "The Ecstase of Gold" aus dem Western "Die zwei glorreichen Halunken" wollten die "Ginzels" ihr Konzert beenden, doch das gelang erst mit mehreren Zugaben, die vom begeisterten Publikum erbeten wurden.