Herrschafts! Die Wanduhr im Wohnzimmer ist stehen geblieben - also, schnell eine neue Batterie einsetzen! Aber auch mit ihr bewegt sich der Zeiger nicht vom Fleck. No ja, 66 Johr is die Uhr old - sie war ein Hochzeitsgeschenk vom Paten meines Mannes. Der hatte nämlich damals, Mitte der 1930er Jahre, dem Buben zur Firmung keine Uhr geschenkt und der Buu woä deä aanzich in deä ganzn Klass ohna Uhr!
Das wollte der Onkel anscheinend zur Hochzeit seines Neffen wieder gutmachen und schenkte ihm eine große, runde Wanduhr mit goldenen, römischen Ziffern. Zunächst hatte sie ein Uhrwerk, später wurde sie dann auf Batterien umgestellt.


Die verflixte Batterie

Obä do hilft alles nix - jetzt muss sie zum Uhrmacher. Ich such also im Telefonbuch. Da sind für Bamberg nur zwei Uhrmacher angegeben. Wos? So vill hots ja frühä allaa om Kaulberch gebn! Die Uhr wartet im Beutel, dass ich sie "nuntä die Stodt" bring - aber es kommt halt ständig etwas dazwischen. Trotzdem schau ich immer wieder gewohnheitsmäßig auf die leere Stelle: keine Uhrzeit!
Als der Enkel zu Besuch kommt, vermisst auch er die Uhr sofort. "Zeich mä sie halt amol!"Er fingert ein bißchen daran herum und dann: "Schau, Oma, etz geht sie widdä! Brauchst net zum Uhrmacher. Du host nämlich die Batterie verkehrt rum eigsetzt!" No, so wos! Etz konn i bloß nuch den oldn Kaulberchä Stotterä zitiern (eä is scho long gstorm): "Do hätt i mi ja ganz schöö bla- bla- bla- blamiert!"
Mä sollts net glaabn, a boä Dooch spetä - nuch amol! Bei einem Pfarrfamilienabend in St. Gangolf hab ich Mundart-Geschichten vorgelesen, und die sind recht gut angekommen. Am Ende pack ich meine Unterlagen zusammen und warte auf das Auto zur Heimfahrt. Da kommt ein Herr auf mich zu und streckt mir die Hand entgegen: "Darf ich auch noch Grüß Gott sagen?"
Ach, denke ich, das ist ja mein Fan aus Ansbach! Lachend schüttel ich ihm die Hand. "Ja, wie kommen Sie denn daher nach St. Gangolf in Bamberg?" Er - total erstaunt: "Aber ich bin doch hier Pfarrer!" " Och Gottla, do hob ich Sie mit an Fan verwechslt! Ich hoff, Sie sän miä net bös deswechä und nehma mei Entschuldigung oo!" Und weil er so herzlich lacht, erzähl ich ihm schnell nuch a Pfarrers-Gschichtla. Sie kennas ja välleicht scho, obä es passt halt so schöö.
Es war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Steigerwald hot a Pfarrer in seinä Sonntagspredigt sei Pfarrkinnä - vor allem die Frauen- oogfleht, sie solln doch Flüchtlings-Waisenkinder aufnehma, wenigstens für a kurza Zeit, bis a Heim für sie gfunna wär. Mä sollt sich noochm Gottesdienst in der Sakristei meldn.
Und vor dem Schlußsegen sagt er noch einmal: "Also, die Frauen, die ein Kind wollen, kommen anschließend in die Sakristei! Aber bitte, erst in fünf Minuten, wenn ich mich ausgezogen habe!"