Was da der ehemalige Polizeibeamte Willi Bischoff alles äußerte, wollte kaum ein Schüler glauben. Die dritten Klassen der Grundschule Stockheim waren auf Exkursion zur Grenz- und Friedenskapelle bei Burggrub und lauschten voller Interesse Bischoffs Ausführungen.
Er konnte als ehemaliger Grenzpolizist authentisch von Grenzerlebnissen berichten, denn bis Ende 1989 war hier durch die Demarkationslinie besonders Deutschland in zwei Staaten geteilt; aber auch Europa war an dieser Grenze mit seinen unglaublichen Sperranlagen getrennt. Bischoff zeigte Dokumente und Fotos, die den Verlauf der Grenze und vor allem die Sicherheitsanlagen mit Stacheldraht und Minenfeldern zeigten. Bischoff konnte aus eigener Erfahrung erzählen, wie gnadenlos DDR-Organe sogenannte Grenzverletzungen ahndeten: Auf DDR-Bürger wurde geschossen, wenn sie sich der Grenze zu sehr näherten. Aber auch er selbst als Polizeibeamter wurde zurückgewiesen, wenn er nur einen Fuß auf das Territorium der DDR setzten wollte. Damals sprach man vom innerdeutschen Todesstreifen.
Man könne sich nicht mehr vorstellen, wie groß die Freude und Begeisterung waren, als im November 1989 durch eine beispielhafte friedliche Revolution die Wende kam und die innerdeutschen Grenzen überall fielen. Die Menschen gerade hier aus Neuhaus-Schierschnitz und Burggrub hätten sich in den Armen gelegen und auf den Straßen gefeiert.
Die Burggruber gründeten einen Kapellenbauverein mit dem Ziel, eine Friedenskapelle an der ehemaligen Grenze als weithin sichtbares Zeichen zu setzen für Frieden und die Überwindung des Todesstreifens, der auch die Orte Neuhaus-Schierschnitz und Burggrub unüberwindlich getrennt hatte.
Bischoff erzählte den Schülern von der Entstehung der Friedenskapelle, die mit Eigenleistung erbaut und 1992 geweiht werden konnte. "Das war das erste Gotteshaus in Deutschland, das aus Dankbarkeit für die Wiedervereinigung erbaut wurde", sagte Bischoff den erstaunten Kindern. eh