Bei einer Exkursion der Kulturinitiative Bad Staffelstein (KIS) auf den Gipfel des Dornigs durften die 24 Teilnehmer auch eine spannende Reise erleben in die Zeit der einst hier errichteten Hügelgräber. KIS-Leiter Herrmann Hacker, Anton Köcheler und Bernhard Christoph, die gemeinsam die Exkursion leiteten, begrüßten am Wanderparkplatz nahe Dittersbrunn die gut gelaunten Wanderer.


Im Waldmeister-Buchenwald

In lockerer Atmosphäre ging es bergab Richtung Dornigspitze. Ganz bewusst wurde das Tempo niedrig gewählt, um innezuhalten und die Wanderung mit allerlei Wissenswerten zu würzen. "Am Knäuelgras lässt sich erkennen, dass diese Wiese ungedüngt ist", meinte etwa an einer Stelle Naturliebhaber Hacker, um woanders wiederum auf einen naturbelassenen Waldmeister-Buchenwald hinzuweisen, dessen Bezeichnung von der hier anzutreffenden Heil- und Würzpflanze herrührt.
An geeigneten Aussichtspunkten ließen die Wanderer den Blick schweifen und erfuhren zugleich anschaulich geologische Zusammenhänge. "Das alles macht die süddeutsche Deckenlandschaft aus", spannte Hacker einen Bogen vom Mergelkalk hier am Dornig über den unterfränkischen Muschelkalk bis zum Urgestein in Schwarzwald und Rhön. Statt mit Scheuklappen durch die Natur zu hasten, nahm man sich bei der Exkursion Zeit, um in den "Spuren" der Natur zu lesen, die so einiges verraten über die Lebensweise unserer Vorfahren.


Wo Ochsenkarren rumpelten

"Diese Altstraße hier wurde bis vor rund hundert Jahren von Ochsengespannen genutzt", erklärte Bernhard Christoph den Teilnehmern. Und dann kam die Gruppe an das erste historische Gräberfeld - überwachsen, aber noch gut erkennbar, eines von nachweislich mindestens 84, die rund um den Gipfel des 530 Meter hohen Dornig angelegt worden waren. Vor rund 200 Jahren befassten sich die ersten Forscher damit.
Entstanden sind die Gräber laut Anton Köcheler nicht nur in der frühkeltischen Zeit, auch "Hallstattzeit" genannt, sondern auch in der Bronzezeit. "Bestattet wurden Bürger höheren Ranges", erklärt der Leiter des KIS-Arbeitskreises Archäologie und schlug eine Brücke zwischen Historie und Moderne: Denn die Technik des 21. Jahrhunderts kommt den Forschern zugute, um aus der Vogelperspektive aufschlussreiche Reliefunterschiede am Boden zu ermitteln. "Mittels des Airborne-Verfahrens entstehen digitale Geländemodelle, die Hinweise geben auf Hügelgräber", so Köcheler und hält eine entsprechende Karte mit Höhenlinien. Weiterhin ging Köcheler auf Beigaben in den Gräbern am Dornig oder anderswo ein. Anschaulichkeit verlieh Köcheler seinen Ausführungen an dieser Stelle durch mitgebrachte Repliken, etwa einer Hacke und einer Speerspitze aus Bronze sowie eines Dolchs aus Hirschhorn. "Für den Griff der Axt wurden geeignete Äste verwendet, da eine Komplettfertigung des Werkzeugs aus Bronze zu teuer und auch zu schwer gewesen wäre", erläutert der vom "Archäologie-Virus" im positiven Sinne angesteckte Unterzettlitzer.
Aber auch zahlreiche Gefäße oder Schmuck verbargen sich in den geöffneten Hügelgräbern. Genau wie Köcheler verstanden es auch Christoph und Hacker, die Teilnehmer durch ihre kompetenten Ausführungen "mitzunehmen".
Vorbei an der von Mythen umrankten Dolomitfelsenformation "Steinerne Bräute" gelangte die Gruppe schließlich zum Gipfelbereich des Dornig, wo sich einst Vorburg beziehungsweise Hauptburg der einstigen frühmittelalterlichen Festung im Dornig-Gipfelbereich befanden.


Spektakulärer Blick ins Tal

Rein optisch "erzählen" heute nur noch ein paar Steine als Überbleibsel der Mauern davon. Durch die Worte aus dem Munde kompetenter Exkursionsleiter wird Vergangenes aber vor dem inneren Auge wieder lebendig. "Hier war wohl das Tor zur Anlage", breitete Bernhard Christoph die Arme aus, um anschließend eine Zeichnung zu zeigen, wie die Burg einst ausgesehen haben könnte. "Die blendende Aussicht, die Sie jetzt erwartet, haben Sie sich verdient", verspricht Christoph dann. Der Aussichtspunkt am Dorniggipfel - im Rahmen des Keltenweg-Projekts vor rund drei Jahren freigelegt - bot den Exkursionsteilnehmern einen herausragenden Blick aufs Tal mit dem gegenüberliegenden Staffelberg.
"Wer selbst durch unsere schöne Landschaft mit ihrer Geschichte geht, weiß die Natur auch zu schätzen", so das Resümee von Hermann Hacker. Im Namen der Kulturinitiative dankte er Christoph und Köcheler dafür, dass sie so profund die Exkursion begleiteten. Etliche Teilnehmer trafen sich noch zur Einkehr in der örtlichen Gastronomie. In gemütlicher Runde ließen sie die tollen Eindrücke Revue passieren.