Weil der Platz wegen des gebotenen Abstandhaltens in der Corona-Pandemie im Sitzungssaal des Rathauses nicht gereicht hätte, fand die öffentliche und letzte Sitzung des Gemeinderats Pfarrweisach dieser Wahlperiode im Saal des Bürgerzentrums Kraisdorf statt. Dort saßen die Räte am Donnerstagabend, jeder an seinem Tisch, in geziemendem Abstand und berieten über den Haushaltsplan 2020 und warteten bis zum Ende der Sitzung auf die Verabschiedung der ausscheidenden Gemeinderäte.

Es lag schon eine besondere Stimmung im Saal, als Bürgermeister Ralf Nowak (ULB) fünf Gemeinderäte und einen Ortssprecher verabschiedete. Und Nowak selbst muss sein Amt abgeben. Er verlor bei der Kommunalwahl. Neuer Bürgermeister ist Markus Oppelt (CSU).

Ein "lang gedientes" Ratsmitglied wurde bei der Verabschiedung herausgestellt: Hermann Martin (ULB) aus Rabelsdorf, der aufgrund seines Alters nicht mehr zur Wahl angetreten war. Seit 1990 - 30 Jahre - sitzt er im Gremium, davon war er zwei Perioden - zwölf Jahre - Erster Bürgermeister der Gemeinde Pfarrweisach. Applaus gab es für ihn, als Ralf Nowak ein Präsent überreichte.

Geschenke gab es auch für die Nächsten: Rüdiger Kuhn (CSU), seit 2002 im Gemeinderat und seit dieser Zeit Zweiter Bürgermeister, Ellen Raithel und Rita Böhm (beide KUL, beide von 2014 bis 2020), Martin Kuhn (FWG, seit 2008), und der Lichtensteiner Ortssprecher Erich Hubert (seit 2014). Böhm und Hubert waren bei der Sitzung nicht anwesend.

Lobende Worte für die Ausscheider gab es vom Bürgermeister: "Ihr habt für die Gemeinde viel Zeit investiert und habt dafür eure Familien vernachlässigt." In seiner Abschiedsrede versäumte Nowak es nicht, selbst seine Arbeit herauszustellen. Viele Projekte habe man angegangen, und es galt laut Bürgermeister, die Verschuldung der Gemeinde durch sparsame Haushaltsführung zu senken. Die großen Projekte, "die hauptsächlich aus meiner Feder stammen, stimmen mich milde". Er ließ aber auch seinen Unmut über die verlorene Wahl deutlich spüren, indem er sagte: "Mein positives Wirken wurde nicht in dem Maße wahrgenommen, wie es von mir abgeleistet wurde." In den Sitzungen des Gemeinderates sei gut gearbeitet worden, "auch Tageswahrheiten wurden in die Diskussion eingebracht" und "Ablehnungen bei detaillierter Vorarbeit waren mit dabei". Das, so zeigte sich Nowak verärgert, sei zwar Demokratie, wie sie sein könne, "aber nicht unbedingt sein müsste". Jetzt habe sich die Mehrheit der Bürger für einen Wechsel entschieden - was nicht nur für ihn ein überraschendes Wahlergebnis gewesen sei.

Zweiter Bürgermeister Rüdiger Kuhn dankte Nowak namens der Bürger und des Gemeinderates für sein Engagement. Es sei "sicher nicht immer leicht für dich in den sechs Jahren gewesen, aber du hast es verstanden, bei allen Turbulenzen ruhig zu bleiben", lobte Kuhn. Er verlas die Investitionen, die in Nowaks Amtszeit durchgeführt wurden, unter anderem die Sanierung des Rathauses oder das neue Baugebiet "Bei der Schule" in Pfarrweisach. Als Dank überreichte er an Nowak ein Buch mit der Geschichte Pfarrweisachs, das Kuhns Bruder Volker verfasst hat auf Grundlage eines Buches des ehemaligen Lehrers Krimm.