Abwechslungsreiche Feuchtgebiete, in denen der quiekende Gesang der Wasserralle oder der melodische Ruf des Pirols ohne jegliche Beeinträchtigungen durch Straßenlärm zu vernehmen sind und zahlreiche Schmetterlings- und Libellenarten ein Zuhause haben, kann man im oberen Schneybachtal erleben.
Die Naturforschende Gesellschaft Bamberg besichtigte unter der Leitung von Siegfried Weid von der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberfranken ein über zehn Hektar umfassendes Areal, das durch ein Großseggenried in der Talmitte, Hochstaudenflur und Auwaldstrukturen, hauptsächlich mit Erlen und Weiden am Rande, gekennzeichnet ist. Hier habe sich aufgrund der Dynamik der Natur in Jahrhunderten durch regelmäßige Überschwemmungen, Schlämmstoffeintrag und relativ wenig menschliche Eingriffe ein facettenreiches Flora-Fauna-Habitat entwickelt, wie es im Landkreis Lichtenfels in solcher Ausprägung kaum noch anzutreffen sei.
Im Umfeld eines Tümpels, wo der seltene Sumpfstorchschnabel wächst, und auch blauflügelige Prachtlibellen auf Beutesuche sind, erklärte Siegfried Weid, dass sich in den letzten drei Jahren seit den Aktivitäten des Bibers die Artenvielfalt des Flora-Fauna-Habitats (FFH) noch verbessert habe. Über 20 Schmetterlingsarten wie das Ochsenauge, der Dickkopffalter und verschiedene Bläulingsarten seien hier nachgewiesen.
Beim Umrunden des Großseggenrieds erläuterte Diplomgeograph Herrmann Bösche, Vorstand der Naturforschenden Gesellschaft Bamberg, die besondere Flora mit Schilfgras, Rohrglanzgras, Simsen, Flatterbinsen, Heilziest, Sumpfstorchschnabel und Mädesüß und wies auf zwei Spezialisten dieses Lebensraumtyps hin: den Mädesüß-Perlmuttfalter und den Sumpfstorchschnabelbläuling.
Das Wasser des Schneybachs teilt sich ab und an in zwei oder drei Bachläufe auf, was einer Biberfamilie natürlich sehr zugute kam.
Deren riesige Biberburg liegt unter krautigem Bewuchs gut versteckt im Auwald. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: "Die Biber sind wahre Architekten der Landschaftsgestaltung, erhöhen die Biodiversität und schaffen auf natürliche Weise Retentionsräume für das Hochwasser. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich niemand durch die kleinen Wasserbauer gestört fühlt."
Bei der Betrachtung des klaren Wassers eines Zulaufbaches zum Schneybach machte Siegfried Weid auf die besonders seltene Windelschnecke und den vom Aussterben bedrohten Steinkrebs aufmerksam. Er erklärte auch die verschiedenen Naturräume entlang der dammartigen Grundstücksgrenze auf dem Rückweg, wie etwa den mit Kiefern und Fichten bewaldeten Steilhang am Rande des Schneybachtals mit seinen Moosen und Farnen. Anton Reinhardt