"Wer sich im Umweltschutz einbringen will, der sollte auch verstehen - zumindest im Ansatz - was dahintersteckt", läutete Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) einen Vortrag von Jürgen Schatz ein, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Schatz hielt unter dem Titel "Von Zigarettenkippen, Mikroplastik und anderen weggeworfenen Dingen - oder: Es kommt alles wieder zu uns zurück!" eine kurzweilige "Vorlesung" im voll besetzten Nebenraum der Aischgrundhalle.

Schatz gab Einblicke in das, was wir mit der Natur machen. "Alles, was wir auf unserer Erde tun, bleibt auf unserer Erde", betonte er. Klimawandel, Feinstaub, Plastikmüll, Mikroplastik und Glyphosat würden die Welt beschäftigen. Er sprach über die Verteilung der Umweltgifte in der Natur.

Das Insektizid DDT sei überall. Quecksilber, Platin und die Flammschutzmittel seien weltweit verbreitet. "Alles, was wir in die Umwelt geben, kommt wieder zurück."

Die schädliche Wirkung von Zigarettenkippen, die richtige Entsorgung und welche gefährlichen Stoffe sie enthalten, war ein wichtiger Punkt. "Kippen sind problematisch. Die Filter bestehen aus Kunststoff, der sich in der Natur schlecht zersetzt und so sehr lange Zeit in der Umwelt verbleibt. Durch Verwitterung kann daraus Mikroplastik entstehen und dies kann in Stoffkreisläufe der Natur gelangen, am Ende wieder bei uns, zum Beispiel über die Nahrungskette, über Trinkwasser oder Verwehung."

In den Zigarettenfiltern seien Schadstoffe aus dem Tabak gebunden. "In gebrauchten Zigarettenfiltern sind bis zu 7000 Chemikalien nachweisbar, davon sind mehr als 50 nachweislich krebserzeugend. Hauptschadstoff ist das sehr giftige Nikotin." Aus einem Filter würden durch ein einmaliges Regenereignis etwa 70 Prozent des darin gebundenen Nikotins ausgewaschen. Also sollten Zigarettenkippen nicht in die Umwelt gelangen. Mit dem Restmüll könnten sie korrekt entsorgt werden.

Mikroplastik im Körper

"Mikroplastik ist gefährlich, da es aufgrund der Größe vom Körper aufgenommen werden kann", so Schatz. Es gebe gezielt hergestelltes Mikroplastik, zum Beispiel für Peeling-Cremes oder andere Kosmetika. Als Ersatz könnte man Kieselsäure, Leinsamen oder Heilerde verwenden. "Lesen Sie die Inhaltsstoffe von Kosmetika und auch von Lebensmitteln", forderte Schatz seine Zuhörer auf.

Weiterhin entstehe Mikroplastik durch Abrieb oder Verwitterung. Der Abrieb - vor allem von Autoreifen - lasse sich durch "Nichtfahren" vermeiden. Man solle keinen Kunststoff unkontrolliert in die Umwelt geben, sondern immer korrekt der Entsorgung zuführen.

Kurz ging er auf das ein, was der Mensch ausscheidet: Süßstoffe würden genauso ausgeschieden wie aufgenommen, auch Arzneimittel landen auf dem Weg durch den Körper im Abwasser. "Passt auf, was ihr runterspült! Vermeiden hilft Rohstoffe sparen, entsorgt alles korrekt in die richtige Tonne! Verwendet gute Dinge mehrmals!"

In der Fragerunde klärte er über die sehr gute Qualität des Trinkwassers auf. Plastik- und Glasflaschen brauche man eigentlich nicht. Er sprach auch von der Schwierigkeit, Handys, die aus vermischten Kunststoffen bestehen, zu recyceln. Ein guter Lösungsansatz wäre, beim Design, etwa von Autos, schon von Anfang an das Recycling zu berücksichtigen.

Auch die irreführende Kennzeichnung des umstrittenen Geschmacksverstärkers Glutamat als Hefeextrakt erwähnte er. "Ich rate euch, zeigt gesundes Misstrauen in die Wirtschaft und versucht, euch selbst ein Bild zu machen!" Der Applaus am Ende war riesig, und recht nachdenklich machten sich die vielen Gäste auf den Heimweg.