sebastian schanz

Von St. Michael bis zur Oberen Pfarre reicht der Blick, streift über das gesamte Weltkulturerbe und wird gebannt von den romanischen und gotischen Türmen des Bamberger Doms: Die Postkartenidylle vom Fuße der Altenburg aus ist berühmt. Gestört wird die Ansicht jedoch von einem grauen, garagenähnlichen Bau mit hohem Sicherheitszaun: dem Zugang zum großen, unterirdischen Wasserhochbehälter der Stadtwerke. Eine Touristin spricht gar von "Verschandelung". Anwohner hatten sich den Bau kleiner vorgestellt. Und das Thema Müll ist auch hier oben ein Ärgernis.
"Bei einem Besuch in Bamberg war ich total entsetzt", schreibt Monika Behrens in einem Brief an diese Zeitung. Dass ein solch "grässliches Häuschen mit Gefängniszaun" in einer Weltkulturerbestadt möglich sei, könne sie nicht begreifen. Das Urteil der Touristin aus Nordrhein-Westfalen: einer Kulturstadt unwürdig.
Und wie sehen es die Anwohner? Zu übersehen ist das Bauwerk ja kaum. "Freilich, schön ist es nicht", sagt Barbara Wurdack, die gegenüber wohnt. "Uns hat man gesagt, das wird etwas Kleines, das man eigentlich nicht sieht." In einer Computer-Simulation im Vorfeld habe das Vorhaben noch deutlich unscheinbarer ausgesehen.
Kleiner ging es nicht, betonen die zuständigen Stadtwerke. "Das ist das Minimum dessen, was möglich ist", sagt Pressesprecher Jan Giersberg und verweist auf die enormen Ausmaße des 60 Meter breiten und 37 Meter langen Behälters, der 8,5 Millionen Liter Trinkwasser speichern kann. Enorm waren laut Giersberg auch die Anstrengungen, das Monstrum in der Erde zu verstecken. "Dafür wurde extra der Berg abgetragen und später wieder in der natürlichen Form aufgeschüttet", so der Sprecher. Und auch bei dem Einlassbauwerk hätten die Planer extra alle wichtigen Sichtachsen zwischen Dom, Michelsberg und Altenburg berücksichtigt. "Der Zustieg zum Behälter ist notwendig, es geht ja nicht nur um unsere Mitarbeiter, sondern auch um schweres Gerät." Die Technik der Seilwinde brauche Platz.
Auch die Stadt Bamberg argumentiert so: "Der Minibau muss eben sein, man will ja auch Trinkwasser haben", erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar und betont, dass die Planungen "akribisch zusammen mit den Bürgern" erarbeitet worden seien. Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing findet: "Gelungen ist etwas anderes." Aber der Hochbehälter sei weniger schlimm geworden, als befürchtet – und zudem eben notwendig.
Anwohnerin Wurdack sieht den Kasten gelassen. Ärgerlicher findet sie die Müll-Hinterlassenschaften auf den Aussichtsbänken direkt unterhalb. "Das macht wirklich keinen guten Eindruck", sagt die Rentnerin. Gerade an den Wochenenden sei der Aussichtsplatz stark frequentiert. Abfallkörbe: Mangelware. Und Nachtschwärmer hinterlassen Spuren. Auch am Montagmorgen liegt ein ausrangierter Einweggrill neben Flaschen und Tüten.