Reisen bildet" sagt man. Und manchmal muss man dazu gar nicht weit fahren. Auf unserer Urlaubs-reise an die Nordsee haben wir das "Klimahaus" in Bremerhaven besucht. Eine Reise entlang des 8. Längengrads rund um den Globus wird dort erlebbar. Ein eindrückliches Erlebnis, das im wahrsten Sinne unter die Haut geht. Wir konnten die trockene Hitze der Sahara spüren, aber auch die Feuchtigkeit des Regenwalds und die Eiseskälte der Antarktis. Vor allem aber konnten wir spüren, wie nahe wir Menschen einander sind auf unserem Globus. Und wie sehr darum unsere Handlungen und Lebensweisen immer auch Auswirkungen haben auf die Menschen in anderen Teilen der Erde.

Wir Menschen müssen zusammenrücken, das haben wir auf dieser Reise erfahren. Wir müssen lernen, bei dem, was wir tun und lassen, nicht nur den eigenen Lebensradius im Blick zu haben. Sondern immer mitzudenken, wie sich unser Leben und Handeln auf andere auswirkt. Klimapolitik wird so betrachtet zu einer Aufgabe für uns alle. Das ist nicht einfach. Das Weltklima wird ja von vielen Faktoren beeinflusst. Manches können wir steuern, auf anderes haben wir als Einzelne gar keinen Einfluss. Und manches haben wir Menschen sowieso nicht in der Hand. Aber das ist keine Entschuldigung, gar nichts zu tun und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Die biblische Schöpfungsgeschichte räumt uns Menschen einen hohen Rang ein. Wir haben, so erzählt es diese alte Geschichte, vom Schöpfer einen Auftrag bekommen. Wenn die Welt ein Garten wäre, dann sind wir die Gärtner, die den Garten "bebauen und bewahren" sollen. Das ist gleichermaßen Zumutung wie Ermutigung. Uns wird zugemutet, nicht einfach den Dingen ihren Lauf zu lassen, sondern unsere Welt aktiv zu gestalten, auch wenn es Mühe macht. Aber wir werden auch zum Handeln ermutigt mit dem Versprechen, dass der Einsatz für unsere Welt nicht vergeblich ist. Gott traut uns zu, etwas Gutes zu bewirken. Die Schöpfung zu nutzen, ohne sie auszunutzen. Den Garten zu bebauen, so dass wir alle davon leben können, und ihn gleichzeitig zu schützen und zu bewahren.

Der Klimawandel ist spürbare Realität. Aber er ist kein höheres Schicksal, dem wir uns widerstandslos fügen müssten. Klimapolitik ist machbar. Und sie ist nötig. Jetzt. Wir können sie einfordern von den Politikern, die sich bald wieder zur Wahl stellen. Und wir können sie einfordern von uns selbst in unserem alltäglichen Handeln. Wir haben dazu einen Auftrag Gottes. Und wir haben die Fähigkeit mitbekommen, diesen Auftrag auch umzusetzen.

Rolf Roßteuscher ist Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Niederfüllbach.